Abgang von Stardesigner Chris Bangle Bye bye, BMW

Die einen liebten ihn, die anderen hassten ihn mit Inbrunst: Der umstrittene BMW-Chefdesigner Chris Bangle verlässt den Münchner Autohersteller. Viele seiner Entwürfe stießen Traditionalisten sauer auf; dennoch prägte der Amerikaner die Marke wie kaum ein anderer.

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Hamburg - Wenn Chris Bangle in Fahrt geriet, dann sagte er mitunter Sachen, die man lieber nicht sagen sollte. Die Führungskader von BMW, erregte sich der Designer unlängst bei einem Pressetermin nahe Dresden, verhielten sich auf der Teststrecke wie unreife Jungs. "Au Mann", knurrte er, auf einigen Nudeln herumkauend, "diese goddamn management idiots".

Christopher Bangle: Fast alle aktuellen BMW-Modelle tragen seine Handschrift

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Das ist Bangle, wie er leibt und lebt. 1992 hatte der damalige Entwicklungschef Wolfgang Reitzle den Feuerkopf von Fiat zu BMW geholt, um das seinerzeit arg angemuffte Design der Marke BMW aufzufrischen. Der äußerst quirlige Bangle versah die ihm übertragene Aufgabe mit Verve. Manche meinen, mit zu viel Verve.

Seine Entwürfe stießen vielen Fans übel auf. Die kastenförmigen Hecks moderner BMWs wurden als "Bangle butt" verspottet. Seine futuristische Formensprache "flame surfacing" erschreckte die Traditionalisten. Selbst Designerkollegen kritisierten den Maestro aus München öffentlich, was eher ungewöhnlich ist. J. C. Mays von Ford beschied ihm, der BMW 1er sei ein "shit ugly car".

Im Internet kursierte zeitweilig eine Petition, in der das Unternehmen aufgefordert wurde, seinen Designer umgehend vor die Tür zu setzen. BMW tat nichts dergleichen. Und da Bangle über 17 Jahre als Chefdesigner fungierte, trägt inzwischen ein erheblicher Teil der Modellpalette seine Handschrift. Wer heutzutage BMW fährt, kommt an Bangle nicht vorbei.

Wunderbarer Z8, missratener 7er

Der Tiefpunkt seiner Laufbahn war das verpatzte Design des BMW-Flaggschiffs. Mit dem freundlich ausgedrückt unkonventionellen 7er von 2001 vergrätzte der Amerikaner jene eher konservative Chefarzt-Klientel, die solch große Limousinen gerne fährt. Seit dieser Episode verlor er an Einfluss; sein heute benannter Nachfolger, der 44 Jahre alte Niederländer Adrian van Hooydonk, hat in letzter Zeit bereits viele wichtige Autos federführend betreut - unter anderem den neuen 7er, den neuen Roadster Z4 und die Konzeptstudie PAS, die auf dem Genfer Autosalon Anfang März Weltpremiere hat.

Obwohl Bangle als Designer zuletzt ins Hintertreffen geriet, hatte er für BMW immer noch einen nicht zu unterschätzenden Wert: Er dürfte einer der wenigen Automobildesigner sein, der einer breiteren Öffentlichkeit bekannt ist. Seine ostentativ zur Schau getragene Durchgeknalltheit machte ihn zu einer eigenen Marke, ebenso wie sein wunderliches Deutsch-Englisch.

Der besondere Charme des Bangle-Speak

Über den neuen 7er etwa sagte er: "Das ist eine der most emotional Motorhaube effect, das wir haben je in eine BMW gehabt. Ich fand das wirklich beautiful, wie diese Form zeigt die Verspiegelung von der Natur durch diese Skulptur."

Das versteht kein Mensch - und viele Menschen haben Bangles Designs auch dann noch nicht verstanden, wenn sie die Autos auf der Straße sahen. Dennoch kann der Mann nicht alles falsch gemacht haben, denn sonst wäre BMW heute wohl nicht der größte Premiumhersteller der Welt.

Vielleicht ist es Bangles Verdienst, mit einem internationalen Team ein Design erdacht zu haben, das deutschen Autokäufern zwar mitunter missfiel, aber dafür kompatibel war mit den Geschmäckern von Russen, Amerikanern oder Chinesen.

Der 52-Jährige will künftig Projekte außerhalb der Autobranche verwirklichen. Das könnte spannend werden. Gerne erführe man, wie ein Stuhl, ein Bürogebäude oder ein Computer nach Ansicht von Chris Bangle aussehen sollte - und gerne hörte man zu, wenn er "the sovereign Sportlichkeit" und "den creative Eleganz" seiner Entwürfe erklärt.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 72 Beiträge
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Seite 1
bcdb 03.02.2009
1. E46
Zitat von sysopDie einen liebten ihn, die anderen hassten ihn mit Inbrunst: Der umstrittene BMW-Chefdesigner Chris Bangle verlässt den Müncher Autohersteller. Viele seiner Entwürfe stießen Traditionalisten sauer auf; dennoch prägte der Amerikaner die Marke wie kaum ein anderer. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,605232,00.html
Unter der Federführung von Chris Bangle entstand der E46, der als Cabrio der schönste BMW ist, der jemals gebaut wurde. Folglich gebührt ihm unser aller Respekt, hat er diese triste Welt doch ein wenig schöner gemacht.
Stefan Albrecht, 03.02.2009
2. Neues zu entwerfen ist immer ein Risiko
Zitat von sysopDie einen liebten ihn, die anderen hassten ihn mit Inbrunst: Der umstrittene BMW-Chefdesigner Chris Bangle verlässt den Müncher Autohersteller. Viele seiner Entwürfe stießen Traditionalisten sauer auf; dennoch prägte der Amerikaner die Marke wie kaum ein anderer. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,605232,00.html
Sicher ist der BMW 7er aus dem Jahr 2001 keine umwerfende Schönheit. Aber alle, die masslos darüber gelästert haben, haben dann das Designkonzept aufgegriffen, nur schlechter. Bestes Beispiel ist die aktuelle Mercedes S - Klasse, die auch den Hügel auf dem Heck hat und aussieht, wie ein Panzer. Dagegen ist besagter 7er BMW dann doch wieder gelungen. Sicher ist Chris Bangle einer der ganz großen Designer. Er hat neues gewagt und gerade beim gescholtenen 7er BMW ein komplett neues Konzept entwickelt, das mehr Platz bei Limousinen erlaubt. Der 5er sieht richtig agressiv von der Seite aus und die nach vorn exponierten Vorderräder geben ihm eine Sportliche Note trotz seines großen Volumens. Ausserdem hat er das Design des Fiat Coupe entwickelt, was wirklich ein formschönes Auto ist. BMW wird langweiliger werden. Auf jeden Fall. Schade.
ollux 03.02.2009
3. Abgang von BMW-Designer Bangle: Feuerkopf aus München
Gott seo Dank ist dieser Loser endlich weg.Es kann nur besser werden.
Max Kellermüller 03.02.2009
4. Endlich geht er!
Ich denke nicht, dass BMW dank Chris Bangle den endgültigen Durchbruch zum Marktführer unter den Premium-Marken geschafft hat. Im Gegenteil, der Vorsprung auf die Konkurrenz wäre ohne Bangle deutlicher ausgefallen. Man denke nur an die vielen vergraulten Stammkunden, die wegen der hässlichen neuen 5er und 7er Modelle zur Konkurrenz - hauptsächlich Audi und Mercedes, die deutlich schönere Luxuslimousinen bauen - übergelaufen sind. Noch 2005 suchten Freunde von mir hier in Kanada nach 2003er Fünfer-BMWs - die Neuen waren ihnen einfach zu hässlich. Vielen Dank, Chris Bangle, dass Sie endlich die Finger von BMW lassen. Vielleicht wird BMW nun wieder dazu übergehen, schöne Autos zu bauen, die das Auge erfreuen. Falls dem so wäre, würde ich erwägen, nach fünfjähriger Markenabstinenz zu BMW zurückzukehren. Bevor ich der Marke den Rücken kehrte, fuhr ich im Lauf von 27 Jahren neun BMWs, und zwar mit Begeisterung!
michi kohlhaas 03.02.2009
5. Hängebauchschwein
Zitat von bcdbUnter der Federführung von Chris Bangle entstand der E46, der als Cabrio der schönste BMW ist, der jemals gebaut wurde. Folglich gebührt ihm unser aller Respekt, hat er diese triste Welt doch ein wenig schöner gemacht.
Da konnte er BMW-Modelle noch nicht so frech vergewaltigen. Der E46 hat nur die Eleganz seiner Vorgänger noch im Blech. Ein Mensch, der Autos designt, die im Volksmund Hängebauchschwein genannt werden, der sollte sich lieber dem Design von Boxen in Schweineställen widmen.
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