Abgasaffäre Behörde untersucht Autos von Porsche

Die SPIEGEL-Enthüllungen zu erhöhten Stickoxidwerten haben erste Konsequenzen für den Hersteller Porsche: Auf Anweisung des Verkehrsministeriums geht das Kraftfahrt-Bundesamt dem Verdacht der Abgasmanipulation nach.

Porsche-Logo auf Cayenne
DPA

Porsche-Logo auf Cayenne


Der Sportwagenhersteller Porsche ist ins Visier der Behörden geraten: Nachdem SPIEGEL-Redakteure mithilfe von Ingenieuren und Programmierern bei einem Porsche Cayenne deutlich erhöhte Stickoxidwerte feststellten, prüft nun auch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) die Dieselmodelle aus Zuffenhausen.

Ein Sprecher des Verkehrsministeriums sagte am Montag, das KBA sei beauftragt worden, Untersuchungen vorzunehmen. Generell liefen die Tests wegen des Verdachts von Abgasmanipulationen bei einer Vielzahl von Fahrzeugtypen und seien nicht abgeschlossen. Es gebe aber immer wieder neue Hinweise: "Dementsprechend werden sie angepasst und fortgesetzt", sagte der Sprecher.

Der SPIEGEL hatte nach Hinweisen eines Insiders einen Porsche Cayenne mit V6-Dieselmotor testen lassen. Experten kamen danach zum Schluss, das Auto habe eine illegale Abschalteinrichtung für die Abgasreinigung. Sie bewirke offensichtlich, dass der Geländewagen im Straßenverkehr weit mehr giftige Abgase ausstößt als zulässig (lesen Sie die ganze Geschichte hier bei SPIEGEL Plus). Der Hersteller bezeichnete den Test als "für Porsche nicht plausibel nachvollziehbar" und teilte mit, der Cayenne V6 TDI beinhalte "gemäß unseren vorliegenden Informationen keine unzulässigen Abschalt- oder Umschalteinrichtungen".

"Eine Abgasreinigung muss immer funktionieren und nicht nur auf dem Prüfstand"

Ob die Behörden diese Sicht der Dinge teilen, wird sich nun zeigen. Kürzlich waren dem Verkehrsministerium Autos des Herstellers Audi wegen einer Abschalteinrichtung aufgefallen. 24.000 Exemplare der Modelle A7 und A8 wurden daraufhin zurückgerufen - das Getriebe dieser Wagen ist auch in dem vom SPIEGEL getesteten Porsche Cayenne verbaut.

Politiker und Verbraucherschützer hatten in den vergangenen Tagen bereits Kritik an den Praktiken der Autohersteller geübt. Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann sagte dem SPIEGEL nun: "Es gilt, diesen schweren Vorwurf rasch von unabhängigen Experten zu überprüfen. Wenn das stimmen sollte, dann hätte Porsche aus dem VW-Abgasskandal nichts gelernt. Denn eine Abgasreinigung muss immer funktionieren und nicht nur auf dem Prüfstand."

cst/rtr

insgesamt 80 Beiträge
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Joe Amberg 12.06.2017
1. Die zuständigen Herren...
Die zuständigen Herren muss man also offenbar praktisch mit vorgehaltener Pistole dazu zwingen, endlich ihren Job zu machen. Könnte irgendjemand endlich entsprechende Klagen wegen Amtspflichtverletzung, Aufsichtspflichtverletzung etc. pp. auf den Weg bringen?
akkzent 12.06.2017
2. Behörde untersucht Autos von Porsche?
Die Sache wird sich, so wie immer, sehr schnell im Sand verlaufen. Antidemokrat Dobrindt und seine gedungenen "Aufklärer" vom Kraftfahrtbundesamt werden doch nicht auf einmal im Interesse der Bürger und deren Gesundheit agieren. Eine Gefälligkeit hier, ein Kuvert da und die Sache ist geritzt.
Meerkönig 12.06.2017
3. Die Zahnräder müssen rollen für den Profit
Wunder mich um die Bemerkung im Artikel : " Im Cayenne ist das gleiche Getriebe verbaut wie im Audi Q7 usw. Erstmal, was hat das Getriebe mit den Abgaswerten zu tun? Zweitens, ein Dieselmotor wie er von der PKW-Industrie meistens verbaut wird ist nie umweltfreundlich hinzubekommen. Autos brauchen überhaupt kein Getriebe, keinen Drehmomentwandler usw. Die Technik ist doch millionenfach erprobt. Ein Paar Zahnradpaarungen die das Drehmoment auf die Abtriebswellen mit konstanten Übersetzungen befördern, plus Differenzialgetriebe und mehr nicht. Diese Kombinationen sind doch extra für die Luftreinhaltung in Verbindung mit sauberen Atkinson Benzinmotore entwickelt worden. Diese Technik wird nicht angewandt, weil dann die abgeschriebenen Maschinen für die unzeitgemäßen Motore und Getriebe nicht mehr verwendet werden können. Die alten Maschinen schickt VW rund um den Globus, wenn Salzgitter neue Maschinen bekommt, gehen die alten nach Ungarn, von Ungarn nach Mexiko oder Brasilien, aber auch nach Spanien, Bulgarien oder Bangladesch, China und sonst wo hin.
g-tech 12.06.2017
4. Was soll das bringen?
Mittlerweile ist doch allgemein bekannt, dass die EU-Gesetze eben NICHT die Einhaltung der Abgasvorschriften im normalen Straßenverkehr fordern. Bei VW hieß es doch auch erst kürzlich, dass der Schadstoffausstoß nach dem Softwareupdate unverändert bleibt. Es gibt halt legalen und illegalen Betrug. Das Update macht aus der illegalen Abschaltvorrichtung eine legale, ohne in der Praxis irgendetwas zu ändern. Wieso sollte das jetzt auf einmal bei neuen Autos anders sein? Glaubt man denn ernsthaft, die Hersteller würde sich jetzt um eine Einhaltung auch in der Realität bemühen, obwohl es das Gesetz nach wie vor gar nicht fordert?
nurdieruhe 12.06.2017
5. Beweislast umdrehen - Neuzulassungen stoppen!
Warum können noch immer Fahrzeuge zugelassen werden, die im normalen Betrieb das Mehrfache der zulässigen Grenzwerte ausstoßen? Wann handelt die Bundesregierung ENDLICH, stoppt die Neuzulassungen und bringt ein Gesetz mit hohen Strafen nach US Vorbild auf den Weg?
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