Modell Zafira Opel knickt ein - und bessert Abgastechnik nach

Opel will nach SPIEGEL-Informationen die Abgasreinigung an einem seiner Modelle ändern. Ein IT-Spezialist hatte zuvor unzulässige Abschaltvorrichtungen in einer Motorsoftware des Autoherstellers nachgewiesen.

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Die Verteidigungsstrategie des Opel-Konzerns in der Abgasaffäre hatte von Anfang an ein klares Ziel: die Glaubwürdigkeit des Kronzeugen in Zweifel zu ziehen. Als im Mai der SPIEGEL gemeinsam mit dem ARD-Magazin "Monitor" und der Deutschen Umwelthilfe (DUH) über drei vom IT-Spezialisten Felix Domke entdeckte Abschaltvorrichtungen im Familienwagen Zafira berichtete, behauptet Konzernchef Karl-Thomas Neumann, Domke habe die Komplexität der Motorsteuerung nicht verstanden. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Selbst als der Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt ihn in der Woche nach Erscheinen des SPIEGEL-Artikels nach Berlin zitierte, blieb Neumann stur. Doch zur Überraschung von Opel gab der Minister dem Lobbydruck der Autokonzerns nicht nach - mit Erfolg. Denn nach SPIEGEL-Informationen hat Opel mittlerweile Veränderungen an der Abgasreinigung seines Modells Zafira zugesagt, das Ende des Jahres auf den Markt kommt.

Diese Veränderungen betreffen unter anderem alle drei vom SPIEGEL und dem ARD-Magazin "Monitor" berichteten Abschalttechniken. Diese reduzieren die Reinigung von giftigen Stickoxiden drastisch, etwa wenn der Wagen stärker beschleunigt, auf einer Höhe von über 840 Metern oder über 140 Stundenkilometern fährt. Opel steht seitdem unter Druck des Verkehrsministeriums, insbesondere weil der Konzern eine Typgenehmigung für die neuen Modelle des Zafira und Insignia benötigt.

Opel riskierte die Typengenehmigung

Die wollte das Ministerium nur erteilen, wenn jene Abschaltvorrichtungen aus der Motorsoftware verschwinden. Denn ein vom Ministerium bestellter Sachverständiger hatte die von dem Lübecker Software-Experten Domke beschriebenen Abschalteinrichtungenals nicht zulässig bezeichnet.

Nun hat Opel zugesichert, die Motorsoftware zu verändern. Doch das Ministerium bleibt weiter misstrauisch. Dort will man sicher gehen, dass Opel seine Zusage auch umsetzt. Deshalb hat es nun den IT-Spezialisten Domke beauftragt, dies in der Software des neuen Opels zu überprüfen.

DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch bleibt skeptisch: "Wir werden die realen Stickoxidemissionen der neuen Opel-Modelle auf der Straße testen, sobald sie auf dem Markt sind", sagt er und droht mit einer erneuten Klage, wenn man dabei verbotene Abschalteinrichtungen oder zu hohe Abgaswerte finde. Opel will den Vorgang auf Nachfrage des SPIEGEL nicht kommentieren.

Unklar bleibt auch, wie mit den Opel Zafira-Exemplaren verfahren soll, die bereits auf den Straßen rollen. Das Ministerium will Opel auch hier zu Nachbesserungen drängen.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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insgesamt 46 Beiträge
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icke_werner 22.07.2016
1. Das ist Betrug
Für mich ist unverständlich, daß die Autoindustrie wirklich bis zum Schluß manipuliert und damit betrügt. Der Aufschrei hätte heftiger ausfallen können. Politisch Verantwortliche, die davon wußten, hätten zur Verantwortung gezogen werden müssen. Der Trend geht zum verwässern.
Stefan_G 22.07.2016
2. zu #1
Zitat von icke_wernerFür mich ist unverständlich, daß die Autoindustrie wirklich bis zum Schluß manipuliert und damit betrügt. Der Aufschrei hätte heftiger ausfallen können. Politisch Verantwortliche, die davon wußten, hätten zur Verantwortung gezogen werden müssen. Der Trend geht zum verwässern.
Auffällig ist halt schon, dass bei VW und Mercedes eine Vereweigerung oder Rücknahme der Typzulassung offenbar überhaupt nicht in Erwägung gezogen wird. Obwohl das Delikt exakt das gleiche ist...
MartinHa 22.07.2016
3. Schlecht definierte Regeln
Das Problem ist doch klar: es ist technisch nicht einfach, den Stickoxidausstoß auf das verlangte Niveau zu senken, ohne dabei andere Parameter (Leistung, Verbrauch, Komfort) zu beeinflussen. Die Regeln sind nicht hundertprozentig klar definiert. Daher nutzen die Autobauer jeglichen Spielraum aus und verstoßen zwar nicht gegen den Wortlaut, aber den Sinn des Gesetzes. Bei VW war es wohl sogar gegen den Wortlaut.
J.Corey 22.07.2016
4. Leider nicht unverständlich
Die können so agieren, will die Politik von Lobbyisten durchsetzt und manipuliert ist. Obendrein wird immer der Mythos ausgepackt, dass so viele Arbeitsplätze von den Autobauern abhängen würden. Ob das wahr ist, darf man wohl mindestens in Frage stellen, das es rechtlich völlig belanglos ist, ist hingegen klipp und klar. Doch wie hat die Politik auf für Betrügereien reagiert: So gut wie gar nicht! Insbesondere das Dobbrind
ronald1952 22.07.2016
5. Vielleicht ist es auch so,
der Mensch will Belogen sein, Er wünscht sich das, Es giert sein Herz danach, denn all zu viel Ehrlichkeit ist suspekt,oder? Kann man denn jemandem Trauen der Ehrlich ist? Den Politkern der Industrie? Außerdem braucht man doch einen Grund um sich aufregen zu können. Nun, mal den Witz beiseite.Es ist wirklich sehr schade das diese Herrschaften die es angeht sich weiterhin Verstecken und zu Vertuschen versuchen was geht. Dabei, die Industrie möchte uns doch so gerne Gäsern haben merken aber dabei nicht das dasselbe für Sie gilt. Daten in welcher Richtung auch immer sind an der Tagesordnung.Hätten wir kein Internet wäre es wahrscheinlich kaum möglich solche Taten aufzudecken! Aber wir haben es nun einmal. Anstatt zu sagen, gut erwischt und wir müssen es jetzt besser machen, wird nur Vertuscht, Gelogen und Verschleiert.Solange bis wieder einer etwas findet. Schade, schönen Tag noch,
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