Umrüstung von Dieselautos TÜV zieht Drohung gegen VW-Kunden zurück

Verwirrung in der VW-Abgasaffäre: Zunächst drohte der TÜV, Dieselautos mit nicht ausgetauschter Betrugssoftware die Plakette zu verweigern. Jetzt rudert die Prüforganisation zurück - und verweist auf den Gesetzgeber.

TÜV-Plakette
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TÜV-Plakette


Der TÜV Nord war am Freitag zunächst von der "Neuen Osnabrücker Zeitung" mit den Worten zitiert worden, "eine Plakette wird nicht erteilt, wenn ein Autofahrer nicht nachrüsten lässt". Gegenüber SPIEGEL ONLINE wurden diese Aussagen bestätigt. Inzwischen weist der TÜV Nord darauf hin, dass allein eine gesetzliche Regelung die Grundlage für die Erteilung oder Nichterteilung der Plakette sei.

Auf Autobesitzer der vom Dieselskandal betroffenen Fahrzeugen könnten Probleme bei der Hauptuntersuchung zukommen, wenn sie ihr Fahrzeug nicht von Volkswagen nachrüsten lassen. Ist ihr Fahrzeug von dem vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) angeordneten Rückruf betroffen, haben sie 18 Monate Zeit, es in die Werkstatt zu bringen. Aber noch ist unklar, welche Konsequenz es für die Hauptuntersuchung hat, wenn diese Frist überschritten wird.

Derzeit werde die Motorsoftware, die für die Manipulation verantwortlich ist, ohnehin noch nicht überprüft, weil der entsprechende Rückruf noch laufe, sagte ein Sprecher des TÜV Süd. Erst nach Ende des Rückrufs müssten alle Prüforganisationen in Deutschland nachsehen, ob die Fahrzeuge an der Umrüstaktion teilgenommen hätten.

Wann genau die Frist dafür endet, hängt aber erst einmal vom Fahrzeugtyp ab: Die ersten Benachrichtigungen waren Ende Januar 2016 für den VW Amarok rausgegangen. Die Frist von 18 Monaten endet damit im Juli dieses Jahres. Für alle anderen Fahrzeugmodelle, deren Halter später informiert wurden, würden auch spätere Stichtage gelten, sagte ein Sprecher der Prüforganisation Dekra.

Dekra: "Konkrete Vorgabe liegt bisher nicht vor"

Bei der Dekra erklärt man es so: Es wäre eine rechtlich verbindliche Vorgabe erforderlich, um im Rahmen der Hauptuntersuchung zu prüfen, ob die Rückrufaktion von VW-Fahrzeugen im Zuge des Abgasskandals umgesetzt wurde. "Eine solche konkrete Vorgabe liegt bisher nicht vor", sagte ein Unternehmenssprecher. "Die zuständigen Stellen sind dazu in der Abstimmung."

Beim TÜV Süd geht man davon aus, dass in einem nächsten Schritt das Bundesverkehrsministerium voraussichtlich eine erweiterte Prüfanordnung für die von dem Abgasskandal betroffenen Fahrzeuge erlassen wird. Zugleich müsse der Hersteller den Prüforganisationen noch die Daten zu den betroffenen Fahrzeugen und den verschiedenen Motorversionen übermitteln. Daraus müsse dann hervorgehen, welche Software aufgespielt sein muss, damit die TÜV-Plakette erteilt werden kann.

Fraglich ist auch, wie viele Kunden das überhaupt noch betrifft. Laut einem VW-Sprecher waren schon mehr als die Hälfte der betroffenen rund 2,6 Millionen Dieselfahrzeuge in der Werkstatt. Etwa 100.000 würden derzeit pro Woche umgerüstet.

Klarheit um die Fristenregelung und die Plakettenvergabe könnte das Bundesverkehrsministerium schaffen. Aber die Behörde hat sich auf Anfrage zunächst nicht zu dem Verfahren geäußert.

jan/dpa

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insgesamt 59 Beiträge
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Seite 1
qoderrat 03.02.2017
1.
Das ist doch auch mal eine schöne Dokumentation, welche Prüforganisation sich schon vorab freut den Kunden ein zweites Mal vorfahren zu lassen. Werde ich mir merken, auch wenn ich weder VW-Fahrer bin noch bisher bei unserer lokalen TÜV-Prüfstelle schlechte Erfahrungen gemacht habe. Muss man aber nicht unterstützen, so ein kundenfeindliches Verhalten.
postorgel 03.02.2017
2. da ist sie wieder, diese hochnäsigkeit vom TÜV!
ich fahre schon lange nicht mehr zum TÜV, die Konkurrenz hat sich bewährt!
FrankDr 03.02.2017
3.
Nunja... Kundenfeindlich ist einzig und allein VW. Sonst erstmal keiner. Nur weil Vw im großen Stil betrogen hat, kann man es ja nicht im Nachhinein legalisieren - also muß es auch bei einer Prüfung geprüft werden. Das ist nur logisch. Das dem Kunden (und den ganzen Verwaltungsapparaten) Kosten und Umstände entstehen, hat doch einzig und allein VW zu verantworten. Wenn man also schon meckert, dann bitte über den Verursacher und nicht über Polizei, TÜV oder sonstwen
tutnet 03.02.2017
4. Die Plakette im Bild ist im November 2016
abgelaufen. Die aktuelle in 2017 fällige Plakette ist rosa.
bacillus.maximus 03.02.2017
5.
Zitat von qoderratDas ist doch auch mal eine schöne Dokumentation, welche Prüforganisation sich schon vorab freut den Kunden ein zweites Mal vorfahren zu lassen. Werde ich mir merken, auch wenn ich weder VW-Fahrer bin noch bisher bei unserer lokalen TÜV-Prüfstelle schlechte Erfahrungen gemacht habe. Muss man aber nicht unterstützen, so ein kundenfeindliches Verhalten.
Wenn man da unbedingt mit dem Finger auf einen Bösen zeigen will, dann aber bitte auf den Täter VW, nicht auf den Verfolger, den Richter und den Bewährungshelfer.
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