Abgasmanipulation Verkehrsminister Scheuer lädt Daimler-Chef vor

Daimler hat nach Ansicht des Kraftfahrt-Bundesamtes beim Modell Vito eine illegale Abschalteinrichtung verwendet. Nun lädt Verkehrsminister Andreas Scheuer Daimler-Chef Dieter Zetsche vor.

Andreas Scheuer
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Andreas Scheuer

Von und Christian Frahm


Der Manipulationsverdacht des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) gegen Daimler hat nun Folgen. Nachdem bekannt wurde, dass das KBA den Autobauer Daimler verdächtigt, beim Transporter-Modell Vito eine illegale Abschalteinrichtung bei der Abgasreinigung zu verwenden, schaltet sich Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer nun direkt ein. Für Montag lädt Scheuer Daimler-Chef Dieter Zetsche vor.

"Ich habe wegen des Manipulationsfalls beim Mercedes Vito den Daimler-Vorstandsvorsitzenden bereits für diesen Montag ins Ministerium einbestellt. Zudem habe ich sofort das Kraftfahrt-Bundesamt angewiesen, weiteren Verdachtsfällen bei Mercedes unverzüglich nachzugehen. Ich erwarte, dass Mercedes seinen Kunden gegenüber Klarheit schafft", sagte Scheuer gegenüber dem SPIEGEL.

Das KBA hatte den Rückruf von insgesamt 6300 Vito-Modellen verlangt, teilte Daimler am Donnerstag mit und kündigte zugleich einen Widerspruch an. Betroffen sein soll der Mercedes Vito 1.6-Liter-Diesel mit der aktuellen Abgasnorm Euro 6. Davon 1372 Fahrzeuge in Deutschland und 4923 weltweit, zuvor hatte der SPIEGEL bei Daimler eine Anfrage zum KBA-Rückruf gestellt.

Daimler schon länger im Visier des KBA

Das KBA hatte den Vito seit einiger Zeit untersucht. Nach Rechtsauslegung der Behörde entspricht die spezifische Programmierung von zwei Funktionen in der Motorsteuerung des Fahrzeugs nicht den geltenden Vorschriften, teilte Daimler weiter mit und kündigte gleichzeitig an, diese Rechtsauslegung zur Not auch vor Gericht klären zu lassen.

Die Funktionen seien Teil eines komplexen Abgasreinigungssystems, das eine robuste Abgasreinigung bei unterschiedlichen Fahrbedingungen und über die Nutzungsdauer eines Fahrzeugs sicherstellen solle. Für das Bestehen des maßgeblichen Testzyklus seien die infrage stehenden spezifischen Programmierungen nicht erforderlich, hieß es in einer Stellungnahme

Unabhängig von der rechtlichen Klärung kündigte Daimler an, weiter mit den Behörden zu kooperieren und die fraglichen Programmierungen wie verlangt mit einem Softwareupdate zu ändern.



insgesamt 46 Beiträge
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melnibone 24.05.2018
1. Der Scheuer ist genauso ...
orientiert wie sein Vorgänger. Was man als Minister nicht erkennen ´möchte´. Aber zumindest seinen Vorgänger könnte noch nachträglich von Seiten der Justiz oder der europäischen Kommission aus Brüssel/Straßburg etwas ´ereilen´. Was höchst Begrüßenswert wäre. Über die Nachfolge von Herrn Wissmann beim VDA ... ist ja gerade eine Zwischenlösung gefunden. Aber Herr Dobrindt ist bald dort. Und alle reiben sich verwundert die Äugelein.
guttifan 24.05.2018
2. Der Arme
Zetsche von Scheuer vorgeladen. Der arme Herr Zetsche. Er wird schlaflose Nächte vor dem Treffen haben und vor Furcht zittern.
Mieze Schindler 24.05.2018
3. Verkehrsminister Scheuer lädt Daimler-Chef vor
Ich glaube kaum, dass das Herrn Zetsche schlaflose Nächte bereitet.
Fritz.A.Brause 24.05.2018
4. Das Spannende an der Geschichte ist,...
...dass der bemängelte OM 622 DE 16 LA Motor ein Renault Nissan R9M Motor ist. Die französische Regierung hat seinerzeit erklärt, dass alle Fahrzeuge aus franzöicger Produktion sauber und schummelfrei sind. Bin gespannt, wie das jetzt erklärt werden soll. Daimler sollte mal nen Espace 5 mit ebendiesem R9M auf die Rolle spannen und anschliessend die Realemissionen im Fahrbetrieb messen. Da haben wir dann sicher alle etwas zu lachen und Renault hat ne Schadenersatzklage am Hals.
egoest 24.05.2018
5. Ist ja auch nur ein Hersteller aus Baden-Württemberg
Jetzt inzeniert sich Herr Scheuer als knallharter Durchgreifer. Bei dem Verdacht bayerischer Hersteller (BMW, Audi) habe ich von ihm ähnliches noch nicht vernommen. Bayern first und gegen den Rest der Welt
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