Dieselautos Dobrindt wirft Fiat erneuten Abgasbetrug vor

Der Streit zwischen Fiat und deutschen Behörden dauert an. Nach SPIEGEL-Informationen hat das KBA festgestellt, dass die Abgasreinigung der Autos des italienischen Herstellers weiterhin heruntergefahren wird.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU)
DPA

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU)

Von


Deutsche Zulassungsbehörden sind beim Autohersteller Fiat erneut auf eine Abschalteinrichtung für das Abgassystem gestoßen. Nach SPIEGEL-Informationen fiel den Experten bei Tests an einem Fiat 500X auf, dass der Diesel-Pkw nach 90 Minuten das Abgasreinigungssystem abregelt. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) wird sich deshalb bei der EU-Kommission über die italienischen Zulassungsbehörden beschweren.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 14/2017
Was der rasante digitale Fortschritt dem Menschen abverlangt

Der Hintergrund: Fiat war im vergangenen Jahr nach Untersuchungen des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) im Rahmen der Dieselaffäre unter Verdacht geraten. Dass nach 22 Minuten die Stickoxid-Reinigung eingestellt wurde, werteten die deutschen Behörden als unzulässige Abschalteinrichtung - denn der offizielle Zulassungstest dauert 20 Minuten. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Daraufhin liefen Dobrindts Beamte sowohl beim Hersteller in Turin als auch bei der Regierung in Rom vor die Wand. Erst eine Klage bei der EU bewirkte, dass sich das italienische Verkehrsministerium der Sache annahm. Fiat besserte nach, und Dobrindts Amtskollege versicherte, die Abschalteinrichtung sei beseitigt. Doch in Berlin blieb man misstrauisch, ließ nachmessen und fand die veränderte Abschalteinrichtung. Jetzt verlangt das Ministerium nach Aufklärung.

Auf Nachfrage erklärte der Fiat-Konzern, man könne sich "zu internen Dokumenten deutscher Behörden" nicht äußern, die italienischen Behörden jedoch hätten die Emissionsanforderungen des Fiat 500x "überprüft und erneut bestätigt".

Dieses Thema stammt aus der neuen SPIEGEL-Sonderausgabe zur Bundestagswahl - erhältlich ab Dienstagmorgen und schon heute ab 15 Uhr im digitalen SPIEGEL.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von der Chefredaktion oder den Leitern unseres Hauptstadtbüros in Berlin.



insgesamt 61 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
wenndannjetzt 31.03.2017
1. Schaukampf, oder?
Herr Dobrindt versucht wohl von seinen Fehlern und Versäumnissen abzulenken. Zunächst mal sollte er der hiesigen Automobilindustrie die Leviten lesen. Von Verbesserungen im Bereich Bahn und ÖPNV scheint der Herr ja auch nichts zu halten.
michael.mittermueller 31.03.2017
2. Die Verantwortung für die Durchführung von Abagastests liegt beim Tester und nicht beim Hersteller
Für mich ist die prüfende Stelle dafür verantwortlich, dass ihre Ergebnisse nicht manipuliert werden können. Es ist allgemein bekannt, dass Benchmarks in der IT durch die Hersteller von Computern manipuliert werden. Die Annahme, dass dies im Falle von Tests in der Automobilindustrie nicht passieren würde ist deshalb auf Basis gesunden Menschenverstands unzulässig. Die Tests sind deshalb so auszulegen, dass sie, etwa durch die Variation der Dauer und der Form der Belastung vergleichbare Ergebnisse bei unterschiedlichen Testverläufen erlauben. Automobilhersteller selbst testen ihre Fahrzeuge unter unterschiedlichsten Bedingungen. Hierzu gibt es hervorragendes Video von National Geographic zu diversen Baureihen von Herstellern von Luxusmarken. Das Tests und Lobbyismus nicht nur im Bereich Automobil zusammengehören zeigt die Behandlung von Abgas und Verbrauchswerten im Bereich Motorrad, Kleinkraftrad, Vespa usw. . Das darüber nicht gesprochen wird, dass diese Fahrzeuge ebensoviel verbrauchen und an Abgasen ausstoßen wie wesentlich schwerere Fahrzeuge sollte eigentlich seit Jahren abgestellt worden sein. Vielleicht sieht sich der SPIEGEL mal an, weshalb dies hier in der EU noch nicht der Fall ist und ob es hier Überganggsfristen und Sonderregelungen gibt. Das ausgerechnet Deutsche Fahrzeuge schmutziger sein sollen als die von Herstellern aus anderen Ländern ist jedenfalls eine Farce. Wer Verkehr in seiner Umweltwirkung messen will, der muss dies mit objektien Vergleichskriterien tun. Und hierzu gehören auch vergleiche verschiedener Verkehrssysteme und Fahrzeugtypen. Dass am Ende nur VW zahlt ist lächerlich. Hier wird einfach nach dem aus Sicht der beiteiligten Juristen plausiblen Grund gehandelt, dass dort für die Prozessbeteiligten am meisten zu holen war. Eine Bonanza für die beteiligten Firmen und Personen. Mehr nicht. Wenn heute Rennwägen und Luxuslymosinen als umwelftreundlich gefördert werden, die in weniger als 4 Sekunden von 0 auf 100 sprinten, dann frage ich mich, wie es hier mit objektiven Verbrauchs und Umweltwerten aussieht, die vergleichbar sind. Angesichts des vorhandenen Energiemixes müsste man diese Fahrzeuge nicht ausschließlich der regenerativen Energie zuordnen. Und dann sähe die Umweltbilanz für Diesel und Benzinfahrzeuge im Vergleich zu Elektrofahrzeuge eventuell sogar deutlich besser aus, als die heutige Statistik es hergibt. Diese haben eine Berechtigung in großen Ballunsgzentren und Megacities. Aber eben nicht als Rennfahrzeuge und PS Monster, die es per se zu fördern gilt. https://www.bdew.de/internet.nsf/res/001 Bruttostromerzeugung nach Energieträgern 2014/$file/150326-Bruttostrom_std.jpg
Mister Stone 31.03.2017
3. Preisfrage
Der Unterschied zwischen den deutschen und allen anderen Abgasbetrügern ist, dass die deutschen sich in den Staub werfen und alles zugeben, während die anderen alles mit Empörung bestreiten. Und nun kommt die Preisfrage: Wenn kann man mit höchsten Erfolgsaussichten am einfachsten verklagen? Die Frage, wer doof ist, stelle ich gar nicht, sonst wird dieser Beitrag zensiert.
Forensahne 31.03.2017
4. Alles geht
Alles geht. Behaupten kann man das letzte Molekül und die Politik ernährt sich zumeist von Besserwisserei, ohne das sie Betroffenen wissen, was wirklich abgeht.
okav 31.03.2017
5. Tja, die Italiener Pinkeln halt nicht ins eigene Nest
Da kann das KBA noch soviel feststellen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.