Mobilität

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Abgasskandal

BMW gesteht Unregelmäßigkeiten bei Abgassoftware

Im Abgasskandal reklamierte BMW bislang stets die Rolle des Saubermanns und brüstete sich lautstark, seine Fahrzeuge nicht manipuliert zu haben. Daran gibt es nach SPIEGEL-Informationen nun Zweifel.

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Getty Images

BMW in München

Freitag, 23.02.2018   17:00 Uhr

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Es sind Worte, die BMW-Chef Harald Krüger vermutlich bereuen wird, öffentlich gesagt zu haben: "Wir haben an den Fahrzeugen nicht manipuliert. Wir haben Diesel, die sind sauber." Das sagte der Vorstandsvorsitzende des bayerischen Autoherstellers vergangenen Herbst auf der Internationalen Mobilausstellung IAA, und er setzte im Brustton der Überzeugung noch hinzu: "Es gibt kein Defeat Device bei der BMW Group."

Erst vergangene Woche bekräftigte BMW seine Haltung noch einmal. Da hatte das Kraftfahrtbundesamt (KBA) den bayrischen Hersteller beim Vorwurf der Abgasmanipulation bei einem Modell der 3er-Reihe entlastet. BMW-Entwicklungschef Klaus Fröhlich ließ sich so zitieren: "Grundsätzlich gilt: Fahrzeuge der BMW Group werden nicht manipuliert. Unsere Dieselmotoren sind sauber. Darauf können sich Öffentlichkeit und Politik, vor allem aber unsere Kunden und Mitarbeiter verlassen."

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Doch sowohl der eloquente Manager als auch sein Entwicklungschef scheinen sich geirrt zu haben. Denn nach Informationen des SPIEGEL hat der Konzern gegenüber dem Kraftfahrzeug-Bundesamt (KBA) eingeräumt, eine Software in gleich zwei Modellen aufgespielt zu haben, die das Abgassystem der Diesel manipuliert. Eine solche Software befindet sich ausgerechnet im Luxusmodell, dem BMW 7er, und zusätzlich auch in Dieseln aus der 5er-Baureihe. BMW erklärte auf Anfrage, es handele sich dabei um Fahrzeuge mit Sechs-Zylinder-Motor, deren Abgassystem durch die Software "nicht optimal funktioniert".

Zufallsfund des KBA

Betroffen sollen davon 11.000 Fahrzeuge allein auf dem deutschen Markt sein, die der Euronorm 6 entsprechen, aber nicht mehr produziert werden. Derzeit prüft BMW, ob sich diese Software auch auf Fahrzeugen befindet, die ins Ausland exportiert worden sind. Dabei gilt die Sorge des Autobauers vor allem dem US-Markt, wo empfindliche Geldstrafen drohen. Allerdings sei die Software, so sagte ein BMW-Sprecher gegenüber dem SPIEGEL, nach bereits erfolgter Typgenehmigung durch das KBA "irrtümlich aufgespielt" worden. "Wir werten diese Software nicht als ein 'Defeat Device'", so der Konzernsprecher weiter.

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Die Bayern haben die Verwendung der fehlerhaften Software bei einer Anhörung am Donnerstag im KBA in Flensburg bestätigt. Ein 7er-BMW soll dort im Rahmen der üblichen Marktüberwachung aufgefallen sein, erfuhr der SPIEGEL. Dabei kauft das KBA nach einem Zufallsprinzip Wagen bei Händlern auf, die bereits zugelassen und auf der Straße sind. Den Verdacht erregte dabei offensichtlich der Konzern selber, der über die anstehende Kontrolle Nachricht erhalten hatte. "Daraufhin wollte BMW vor der Prüfung unbedingt einen Service an dem Wagen vornehmen", berichtet ein Beamter aus Behördenkreisen.

Im Bundesverkehrsministerium reagiert man verärgert auf die nun von BMW eingeräumte Angelegenheit. Bislang hat man sich schützend vor den bayerischen Konzern gestellt. Als Ende vergangenen Jahres die Deutsche Umwelthilfe (DUH) den Vorwurf erhoben hatte, bei einem Diesel der 3er-Reihe seien deutlich erhöhte Stickoxidemissionen gemessen worden, wies das KBA diesen Verdacht nach eigenen Untersuchungen zurück.

Besonders pikant: BMW hat für sich bislang im Abgasskandal stets die Rolle des Saubermanns reklamiert. Tatsächlich trieb der Hersteller im Vergleich zur Konkurrenz auch bei vielen Modellen einen höheren technischen Aufwand. BMW verbaute Speicherkat-Systeme und sogenannte SCR-Katalysatoren (AdBlue) parallel, um die Abgase vom Stickoxid zu säubern und schnitt in Straßentests vielfach auch besser ab als die Fahrzeuge der Konkurrenz.

Das Ministerium muss nun entscheiden, ob es einen amtlichen Rückruf anordnet, oder ob BMW einen freiwilligen Rückruf aussendet. BMW gibt an, man habe das KBA auf die Unregelmäßigkeit in der Software des Wagens hingewiesen.

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