Abgasskandal Bundesregierung erwägt Milliardenfonds für Diesel-Nachrüstungen

Berlin plant nach einem SPIEGEL-Bericht ein milliardenschweres Nachrüstprogramm für dreckige Dieselautos. Auch die Autokonzerne sollen zahlen. Doch nicht alle betroffenen Pkw-Besitzer kämen in den Genuss.

Autos vor dem Bundeskanzleramt
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Autos vor dem Bundeskanzleramt

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In der Bundesregierung gibt es Überlegungen, zumindest einen Teil der Dieselflotte mit sogenannten SCR-Katalysatoren nachrüsten zu lassen. Die Aktion soll zunächst jene Diesel betreffen, für die es bereits Nachrüst-Sets gibt. Das sind vor allem jene Modelle, die auch in die USA exportiert werden und dort viel strengere Schadstoffgrenzwerte einhalten müssen. Die Nachrüstung soll zudem nicht flächendeckend kommen, sondern zunächst nur in Regionen, die besonders von Fahrverboten bedroht sind: Stuttgart, das Rhein-Main-Gebiet oder München. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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Heft 15/2018
Wie die Zucker-Lobby uns belügt und verführt

Seit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zu Diesel-Fahrverboten tickt die Uhr für die Bundesregierung: Ab September diesen Jahres dürfen Diesel mit der Schadstoffklasse Euro 4 aus besonders belasteten Stadtteilen ausgesperrt werden, vor allem aber der 1. September des kommenden Jahres droht zur Bewährungsprobe zu werden. Dann könnten die Fahrzeuge mit der Schadstoffklasse Euro 5 mit Fahrverboten belegt werden. Diese Gruppe ist mit fast sechs Millionen Fahrzeugen die größte. Entsprechend groß sind die Befürchtungen, dass sich der Unmut der Autofahrernation gegen die Politik in Berlin richten wird.

Für die Umrüstung überlegt die Bundesregierung nach SPIEGEL-Informationen, dass die Autokonzerne fünf Milliarden Euro in einen Fonds einzahlen. Auch die Regierung würde für die Hardware-Nachrüstung Geld zuschießen. Die zuständigen Bundesminister wollen sich gemeinsam mit der Bundeskanzlerin auf ihrer Klausurtagung kommende Woche auf Schloss Messberg über das weitere Vorgehen in der Dieselkrise abstimmen.

Bislang weigern sich die Autokonzerne, technische Nachrüstungen zu entwickeln und anzubieten. Sie argumentieren, dass dies zu teuer und zu langwierig sei. Auch gibt es kein rechtliches Druckmittel, die Hersteller dazu zu zwingen. Die Fachebene in der Bundesregierung hält solche technischen Nachrüstungen nicht nur für sinnvoll, um den Diesel-Markt in Deutschland vor weiter rückläufigem Geschäft und den Gebrauchtwagenmarkt vor Wertverlusten zu schützen.

Zudem seien die Schadstoffwerte in besonders belasteten Städten ohne diese Maßnahme in den nächsten Jahren nicht in den Griff zu bekommen. Auf Ebene der zuständigen Bundesminister herrscht bislang allerdings noch weitgehende Unentschlossenheit, insbesondere weil man der Autoindustrie als wichtigem Wirtschaftszweig keinen allzu großen Schaden zufügen will.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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soulflare 06.04.2018
1. Bitte nicht.
Mal ehrlich... was soll der Mist? Ich möchte das nicht über meine Steuerzahlungen mitfinanzieren. Es tut mir ja Leid für die Autobesitzer, die über den Tisch gezogen wurden, aber die Kosten sollten wirklich nicht auf die Allgemeinheit abgewälzt werden (auch nicht zum Teil). Betroffene Autofahrer: Setzt euch dafür ein, dass die Hersteller eurer Autos die Kosten für die Nachrüstung komplett übernehmen!
waldbrunner 06.04.2018
2. Nicht zu glauben...
Es ist nicht die Bundesregierung, welche Geld dazugibt sondern der Steuerzahler. Und dies für einen Skandal, den einzig und alleine die Autoindustrie zu tragen hat. Aber so war es schon immer: Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren. So wird es auch bleiben, zumindest so lange diese unsägliche GroKo an der Macht ist.
kuac 06.04.2018
3.
In den USA kassieren die Autobesitzer und die Regierung Geld von VW. Für das gleiche Vergehen in Deutschland zahlt die Bundesregierung Geld indirekt an VW. Fazit: der nächste Betrug ist damit vorprogrammiert. Hier zahlt der Papastaat immer, egal wer schuld ist.
Proggy 06.04.2018
4. War irgendwie absehbar
Also doch: "Auch die Regierung würde für die Hardware-Nachrüstung Geld zuschießen." Der Steuerzahler zahlt wieder einmal. Nun einen Teil der Diesel-Nachrüstung. Wieso zahlt nicht alles der Verursacher, Täuscher und Betrüger? Die Autohersteller sind nur 'Schummler', alternativlos 'systemrelevant', haben eine gut funktionierende Lobby und Politiker in den Aufsichtsräten.
zynischereuropäer 06.04.2018
5.
Es ist einfach nur lächerlich. Da haben die Hersteller die Teile im Regal liegen ("zunächst nur Modell, für die es bereits Nachrüstsets gibt z.B. für die USA, wo die Modelle viel strengere Werte (!) einhalten müssen") und dann soll auch noch die Allgemeinheit dafür zahlen, eine mittelfristig tote Technologie am Leben zu erhalten. Niemand außer den Europäern kauft Diesel. Wenn die damit aufhören, dann brechen nicht die Grenzwerte dem Diesel das Genick, sondern die Ökonomie, weil es sich schlicht nicht lohnt neue Motorengenerationen zu entwickeln. Volvo und Toyota, Porsche in Ansätzen, zeigen ja wohin die Reise geht. Dass der Diesel nicht mehr den besten Leumund hat, haben sich die Hersteller selbst zuzuschreiben mit ihrem unwürdigen Gebahren.
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