Abgasskandal Auch BMW soll Abgasreinigung manipuliert haben

Der Abgasskandal hat BMW endgültig erreicht: Neue Messungen der Deutschen Umwelthilfe legen nahe, dass in der Motorsteuerung von BMW-Fahrzeugen eine unzulässige Abschalteinrichtung arbeitet.

BMW-Chef Harald Krüger
AFP

BMW-Chef Harald Krüger


Noch auf der Automobilmesse IAA im Herbst 2017 hatte sich BMW-Chef Harald Krüger klar bekannt: "Es gibt keine Abschalteinrichtungen bei BMW". Neue Messungen Deutschen Umwelthilfe (DUH) allerdings legen das Gegenteil nahe. Sollte sich der Verdacht erhärten, hätte der Abgasskandal nun wohl auch BMW endgültig erfasst.

Wie der Berliner "Tagesspiegel" vom Dienstag und das ZDF-Magazin "Wiso" berichteten, wirft die Deutsche Umwelthilfe (DUH) nun auch BMW vor, Abgassoftware manipuliert und illegale Abschalteinrichtungen in die Abgasreinigung seiner Fahrzeuge eingebaut zu haben. Messungen der DUH hätten ergeben, dass die Emissionen von Stickoxiden bei einem neuen BMW 320 Diesel bei Messungen auf der Straße bis zu sieben Mal so hoch lagen wie im Labortest nach dem Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ).

Aus den Untersuchungsergebnissen der DUH geht den Berichten zufolge hervor, dass sich bei Überprüfungen der Motorsteuerung auch mit Hilfe externer Experten herausgestellt habe, dass die Software offenbar so programmiert gewesen sei, dass die Abgasrückführung bereits ab einer Drehzahl von 2000 Umdrehungen pro Minute reduziert und ab 3500 Umdrehungen komplett abgeschaltet werde.

Abschalteinrichtung in der Motorsteuerung

"Die vorliegenden Messergebnisse sind sehr klare Indizien dafür, dass hier Abschalteinrichtungen in der Motorsteuersoftware vorhanden sind", sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch dem "Tagesspiegel". Diese müssten komplett entfernt werden. "Autos müssen in allen normalen Betriebssituationen eine voll funktionstüchtige Abgasreinigung haben", sagte Resch. Am Dienstagvormittag will die DUH ihre Messergebnisse der Öffentlichkeit vorstellen.

BMW erklärte auf Anfrage des ZDF schriftlich, "vergleichbare Fahrzeugtypen" hätten bei einer von BMW veranlassten Untersuchung des TÜV Süd Stickoxidwerte erzielt, die "innerhalb der technisch erklärbaren sowie erwartbaren Toleranz" lägen. Weiter erklärte BMW, "dass Fahrbedingungen, die von der gesetzlich vorgeschriebenen NEFZ-Rollenprozedur abweichen, auch zu höheren Emissionen führen können und dürfen". Zu einer etwaigen Abschalteinrichtung sagte BMW demnach nichts.

Der Vorgang ist vor allem deshalb pikant, weil sich BMW im Abgasskandal bislang zum saubersten aller deutschen Hersteller erklärt hatte. Und tatsächlich betrieben die Bayern bei der Abgasreinigung bei vielen Fahrzeugen einen höheren Aufwand und verbauten sowohl ein SCR-System (Ad Blue) und einen Speicherkatalysator, wo die Konkurrenz meist nur eines der beiden Systeme verbaute. Sollten diese Systeme aber, wie die Test nahelegen, zielgerichtet abgeschaltet worden sein, wäre das für BMW doppelt peinlich.

Mehr zum Thema


insgesamt 181 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
syt 05.12.2017
1. Eigentlich müsste es schon an dem
adblue Verbrauch ab zu lesen sein,ob das Abgas gereinigt wird.Für Tausend Kilometer müsste es doch min.Wert geben,den das System verbrauchen muss,um zu arbeiten ?
FinWir.de 05.12.2017
2. Es wäre verwunderlich, wenn sie es nicht getan hätten
Fast alle Hersteller in Deutschland beziehen von Bosch die Motorsteuergeräte und da keiner von ihnen die Physik überlisten kann, werden sie alle die gleichen Tricks nutzen. BMW, Mercedes, VW, Opel stoßen allesamt auf der Straße deutlich mehr Abgase aus, als es die Grenzwerte zulassen. Da sie aber gleichzeitig zu den Top-Spendern und den einflussreichsten Wirtschaftsunternehmen in diesem Land gehören, werden sie schön geschont und kommen mit allem durch.
xees-ss 05.12.2017
3. auch eine Sichtweise der Rechtsauslegung...
>>>dass Fahrbedingungen, die von der gesetzlich vorgeschriebenen NEFZ-Rollenprozedur abweichen, auch zu höheren Emissionen führen können und dürfen".
midastouch 05.12.2017
4. Clickbait - Mal wieder
Reißerische Überschrift und im Text steht dann nur etwas davon, dass irgendjemand etwas gemessen hat und das etwas "nahe legt". Die Aussage "Der Abgasskandal hat BMW endgültig erreicht" ist an Lächerlichkeit nicht zu überbieten. Meldet euch wieder, wenn die Staatsanwaltschaft in dieser Sache ermittelt. Und dann noch einmal, wenn das Urteil gesprochen wurde. Ansonsten spart euch bitte diese nervtötenden Clickbait-Überschriften, die nicht zum Inhalt des Artikels passen!
iffelsine 05.12.2017
5. Wann bitte kommt ein BMW im Staddtverkehr auf 2.000 Umdrehungen ?
Meine Automatik schaltet schon viel früher. Abgesehen davon ist mir das so lange egal, wie die Politiker meinen Wagen nicht stilllegen oder die Steuern erhöhen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.