Gutscheine und Bargeldzahlungen EU fordert von VW Entschädigung europäischer Kunden

In den USA zahlt VW an vom Abgasskandal betroffene Autobesitzer jeweils 1000 Dollar. Jetzt hat die EU-Kommission den Hersteller aufgefordert, auch Kunden in Europa zu entschädigen.

VW-Chef Müller: Brüssel setzt Wolfsburg unter Druck
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VW-Chef Müller: Brüssel setzt Wolfsburg unter Druck


Brüssel will die Aufarbeitung des VW-Abgasskandals weiter vorantreiben. EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska pochte bei einem Treffen mit Volkswagen-Chef Matthias Müller am Donnerstag darauf, betroffene Volkswagen-Kunden in der EU genauso wie US-Kunden zu entschädigen. In den USA bekommen VW-Kunden je 1000 Dollar bestehend aus Bargeld und Gutscheinen für VW-Händler.

Den Forderungen nach einer Entschädigung durch Einkaufsgutscheine wie in Amerika erteilte der Konzern sofort eine Absage. Die Situation in den USA und Kanada sei nicht mit der in anderen Märkten vergleichbar, teilte VW am Donnerstag mit. "Dort werden die Kunden wahrscheinlich länger auf geeignete Lösungen warten als in den meisten anderen Ländern." Einen ersten Plan von VW zum Rückruf betroffener Modelle in den USA hatte die kalifornische Umweltbehörde Carb abgelehnt. Daher könne die Entschädigungsaktion von dort nicht einfach auf andere Märkte übertragen werden.

Die EU-Kommissarin habe von Müller Details dazu gefordert, wie der Konzern die entstandenen Probleme beheben will, teilte eine Sprecherin nach dem Treffen in Brüssel mit. Zudem wolle Bienkowska Klarheit über die Abweichungen beim CO2-Ausstoß und Spritverbrauch von betroffenen Autos. Müller sicherte laut EU-Kommission hier seine Kooperation zu.

Volkswagen hatte mithilfe einer Software Schadstoffwerte bei Abgastests von weltweit elf Millionen Dieselfahrzeugen geschönt. Später hatte der Konzern zunächst auch Unregelmäßigkeiten bei CO2-Messungen von 800.000 Pkw eingestanden, die Zahl der betroffenen Autos dann aber nach unten korrigiert.

Den Skandal deckten US-Umweltbehörden im vergangenen Jahr auf. Europas größter Autohersteller wird nun von den Vereinigten Staaten verklagt; in Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft unter anderem wegen Betrugsverdachts. In beiden Ländern gibt es auch Zivilklagen gegen den Konzern.

In Deutschland sind etwa 2,4 Millionen Autos von den Manipulationen betroffen. Laut Volkswagen wird der Konzern Ende nächster Woche damit beginnen, diese Autos zurückzurufen.

EU-Parlament richtet Untersuchungsausschuss ein

Auch das Europäische Parlament will Konsequenzen aus der Abgasaffäre ziehen und hat in Straßburg die Mitglieder eines 45-köpfigen Untersuchungsausschusses benannt. Er soll möglichen Verstößen der Autoindustrie gegen das Unionsrecht für Emissionsmessungen nachgehen, wie das Parlament mitteilte. Zudem soll der Ausschuss vermutete Versäumnisse der EU-Kommission und der Mitgliedstaaten untersuchen.

Ein Zwischenbericht soll binnen sechs Monaten vorliegen, der Abschlussbericht mit endgültigen Ergebnissen spätestens Anfang 2017. Zu den Mitgliedern gehören unter anderem die deutschen Europaabgeordneten Rebecca Harms (Grüne), Ismail Ertug (SPD) und Sven Schulze (CDU). Der Ausschuss wird seine erste Sitzung für Februar einberufen und den Vorsitzenden und dessen Stellvertreter wählen.

cst/dpa

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insgesamt 105 Beiträge
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Harald Schmitt 21.01.2016
1. Wofür denn
Was ist denn bisher für ein Schaden entstanden? Eigentlich müssten die Politiker Entschädigung bezahlen für jahrelanges wegschauen! Es ist ja schon traurig, dass ein deutsches Institut den Ammis den Tipp geben muss und Dobrindt weiter seine illegalen Mautpläne schmiedet und so tut als ob er von nichts weiß! Was ist denn nun mit den anderen Herstellern gibts da nun Verdacht oder nicht oder haben die kein Interesse an einer wirklichen Aufklärung? Den Ammis haben sie doch nur Geld zugesteckt damit die nicht klagen! Die Ammis sollten auch mal bei sich selbst vor der Tür kehren. Wozu braucht man tonnenschwere Pickups und Musclecars mit 500PS um dann mit 65Meilen in der Stunde über den Highway zu brettern?!
Badischer Revoluzzer 21.01.2016
2. Die EU will Geld
die USA will Geld. Und das alles nur wegen einer Trickserei. Es ist allgemein bekannt, daß zum Beispiel bei allen Herstellern die Verbräuche nimals stimmen. Da geht es dem Verbraucher echt ans Geld. Da s wird aber nicht geahndet. Weiter hat zum Beispiel FORD durch defekte Zündschlösser 120 tote verschuldet. Strafe 90 Millionen und nicht 90 Milliarden wie bei VW. Und bei VW gabe es keine Toten. Ich bin mir sicher, daß hier gezielt ein Unternehmen geschwächt werden soll.
unglaubelich 21.01.2016
3. Ab jetzt
... wird mir die EU aber richtig sympathisch! Wer betrügt soll auch entschädigen!!!! Aber hört der Spaß bei der EU nun bei VW auf??? Ich befürchte es heute schon......:-(((
apfeldroid 21.01.2016
4. EU = 0, hat nichts zu sagen
VW wird das Auto abholen und irgendwas in Richtung weniger Leistung - mehr Ausstoß werkeln und das Auto mit deutlich verringertem Wiederverkaufswert abgeben. Ich als betroffener Touranfahrer dachte, mein nächstes Update wird entw. Touran oder gar Sharan - nein es wird ein Honda Odyssey in Vollausstattung. Tja, vielleicht werden die satten VWler und Audianer wieder hungriger und es in den Großräumen etwas entspanntere Wohnungsmarktsituation, die verdienen sich echt satt!
Georg_Alexander 21.01.2016
5. Schadensersatz - für was?
Bezüglich der Abgase ist vor allem die Umwelt betroffen. Ein Schadensersatz müsste dann aber an alle (letztlich wohl an den Staat) gehen... Bezüglich Spritverbrauch sollte es allerdings eine generelle Regel geben, da hier direkt das Portemonnaie des Käufers betroffen ist. Die trifft dann aber alle Hersteller!
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