Abgasskandal Private Nachrüst-Initiative meldet großen Zulauf

Aus Angst vor Fahrverboten wollen mehr als tausend Dieselbesitzer ihre Autos selbst mit besserer Abgas-Reinigungs-Hardware nachrüsten lassen. Die Rechnung geht an die Hersteller.

Axel Friedrich, Mitbegründer der Nachrüstungs-Initiative
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Axel Friedrich, Mitbegründer der Nachrüstungs-Initiative

Von Jürgen Pander


Die kürzlich in Berlin vorgestellte Nachrüst-Initiative für ältere Dieselfahrzeuge, die extrem viele Schadstoffe ausstoßen, erhält großen Zulauf. Auf der Website der Initiative hatten sich bis Donnerstag 1492 Autobesitzer registriert, um ihren Diesel-Pkw mit einem SCR-Katalysator samt Zusatztank für die Harnstofflösung namens AdBlue nachrüsten zu lassen.

Die Technik soll die Stickoxidemissionen um mindestens 90 Prozent senken. Die entsprechend ausgerüsteten Fahrzeuge würden damit alle Grenzwerte einhalten und wären nicht von etwaigen Fahrverboten betroffen.

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Hardware-Nachrüstung: Ist das die Lösung?

Der Vorstoß zur jetzt anlaufenden Nachrüst-Initiative kam von einem Bündnis aus Zivilgesellschaft und Industrie, zu dem der ehemalige Abteilungsleiter des Umweltbundesamtes, Axel Friedrich, der ehemalige Richter und Landtagsabgeordnete Hartmut Bäumer, das Aktionsbündnis Gerechtigkeit im VW-Abgasskandal und die auf Abgastechnik spezialisierte Firma Twintec Baumont aus Königswinter gehören.

Verkehrsminister Scheuer gegen flächendeckende Nachrüstung

Es geht den Protagonisten um weniger Schadstoffe in der Atemluft und um eine Gegenmaßnahme zum Wertverlust Hunderttausender Diesel-Pkw durch Fahrverbote und zweifelhafte Software-Nachrüstungen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sträubt sich nach wie vor gegen eine wirksame, flächendeckende Hardware-Nachrüstung von Dieselautos, da diese unter anderem juristische Probleme mit sich bringe.

Die Initiative bereitet die Nachrüstung der registrierten Diesel-Pkw bereits vor. Endgültig mit SCR-Kats nachgerüstet werden die ersten Auto jedoch erst, wenn unter den angemeldeten Fahrzeugen mindestens tausend VW-Modelle sind; die Zahl lag zuletzt aber erst bei 462 Registrierungen. Eine vierstellige Zahl dieser Autos ist nötig, um die Nachrüstsysteme für alle Fahrzeuge zum anvisierten Preis von knapp 2000 Euro anbieten zu können.

Erst zahlen, dann zurückfordern

Die Fahrzeugbesitzer sollen - so der Plan der Initiative - die Nachrüstung zunächst vorfinanzieren. Im Anschluss dann sollen die Kosten auf dem Klageweg vom jeweiligen Fahrzeughersteller zurückgefordert werden. Dass dies juristisch funktioniert, ist nicht sicher. Ex-Richter Hartmut Bäumer ist aber optimistisch: "Im Grunde handelt es sich um eine typische Nachbesserung, wie sie auch im Schadensersatzrecht vorgesehen ist."

Politisch kommt nun offenbar auch Bewegung in die Nachrüst-Debatte. Der Vorsitzende der Verbraucherschutzministerkonferenz, Saarlands Verbraucherschutzminister Reinhold Jost (SPD), sagte dem "Handelsblatt", notfalls müsse eine Hardware-Nachrüstung für alte Dieselautos gesetzlich vorgeschrieben werden.

Kurz zuvor hatte bereits CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer angesichts der jüngsten Gerichtsentscheidung zu Fahrverboten in Frankfurt am Main für Hardware-Nachrüstungen bei Dieselfahrzeugen ausgesprochen, wo dies "sinnvoll und machbar" sei. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat eine Entscheidung zu großflächigen Hardware-Nachrüstungen bis Ende September angekündigt.



insgesamt 85 Beiträge
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RedEric 13.09.2018
1. Nachbesserung...
...nur bei den sogenannten Betrugsdiesel könnte das funktionieren. Nicht bei Diesel die einfach altere Euronormen haben und diese auch einhalten. Aber gerade diese betrifft ja ein Fahrverbot hauptsächlich.
toll_er 13.09.2018
2. Erst zahlen
2000 € erst einmal selber zahlen! Der Unsinn , diese alten Kisen umzurüsten, spült richtig viel Geld in das Unternehmen, dass diese Nachrüstung anbietet. Ja, ich verstehe, dass viele an ihren Dieseln hängen, nur haben die da Schuss noch nicht gehört. Der Diesel ist leider auf Dauer tot. Die Automobilbauer verabschieden sich doch jetzt schon einer nach de anderen. Und, Entschuldigung, so blauäugig kann doch niemand sein und glauben, er bekommt das Geld zurück.
claus7447 13.09.2018
3.
Zitat von toll_er2000 € erst einmal selber zahlen! Der Unsinn , diese alten Kisen umzurüsten, spült richtig viel Geld in das Unternehmen, dass diese Nachrüstung anbietet. Ja, ich verstehe, dass viele an ihren Dieseln hängen, nur haben die da Schuss noch nicht gehört. Der Diesel ist leider auf Dauer tot. Die Automobilbauer verabschieden sich doch jetzt schon einer nach de anderen. Und, Entschuldigung, so blauäugig kann doch niemand sein und glauben, er bekommt das Geld zurück.
Sie haben Recht - aktuell kostet die Umrüstung. Diese könnten jedoch um die Hälfte Reduziert werden, wenn die Hersteller den Umrüstern endlich Rabatte einräumen würden - aber die müssen den LISTENPREIS bezahlen. Für alle PKWs die auch (oder deren Motoren) in die USA verkauft wurden gibt es Serienteile - und kommen sie nicht dass die nicht passen. Die notwendigen Einbuchtungen auf der Unterseite sind da - oder glauben sie, dass die Hersteller für USA Modelle eigene Chassis gepresst haben?
jasper366 13.09.2018
4.
Ich als Hersteller würde denen etwas husten. Die Fahrzeuge entsprachen zum Zeitpunkt der Zulassung den gültigen Abgasvorschriften. Selbst bei der Autobild hat man das inzwischen wohl kapiert, es gelten ausschließlich die Werte die auf dem Prüfstand ermittelt wurden. ---Zitat--- ...Gemessen wurde ausschließlich auf dem Prüfstand, und zwar nach dem veralteten und sehr realtitätsfernen NEFZ-Zyklus. Auch wenn sie den Grenzwert auf der Rolle locker erfüllen, pusten diese Euro-6b-Diesel im realen Fahrbetrieb auf der Straße im Schnitt aber auf jedem Kilometer 507 Milligramm NOx in die Luft! Und das – sieht man einmal von den manipulierten Volkswagen-Fahrzeugen ab – völlig legal... ---Zitatende--- Im Text ist zwar nur Euro 6b erwähnt, aber das gilt natürlich auch für 5 und 4. Wenn das Bundesumweltamt nun gerne hätte, das die Fahrzeuge Werte auf der Straße erfüllen, die erst mit Euro 6d-temp (Inkl. RDE Test) erfüllt werden müssen, dann muß halt der Staat zahlen. Der Verkehrsminister weigert sich nicht umsonst die Nachrüstung zu fordern. Die Kosten auf die Hersteller abzuwälzen ist juristisch wohl in der Tat nicht haltbar.
Bruno Bug 13.09.2018
5. Die Regierungen sind Schuld
So ein Unsinn. Zuerst verabschiedet die europäische und deutsche Regierung, auf Druck der grünen Lobby, völlig unrealistische und unsinnige Luftgrenzwerte, wissend, dass die zu der Zeit nie eingehalten werden können. Dann werden relativ lasche Grenzwerte und ebenso lasche Prüfbedingungen bei Autos verabschiedet, wissend, dass man damit die Luftgrenzwerte nie wird einhalten können. Und jetzt sollen die Autobesitzer und die Hersteller dafür büßen, dass die Regierungen Mist gebaut haben. Die feige grüne Lobby hat hintenrum und demokratisch völlig unlegitimiert ihre Politik auf dem Rücken der Autofahrer gemacht. Nein, nicht Fahrverbote für Auto, sondern die Luftgrenzwerte müssen für 10 Jahre ausgesetzt werden.
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