Abgasaffäre Kraftfahrt-Bundesamt genehmigt Dieselkatalysatoren zum Nachrüsten

Verkehrsminister Scheuer hält nichts von Nachrüstsets für ältere Dieselautos. Dabei käme die Technik den Besitzern zugute. Nach SPIEGEL-Informationen hat das Kraftfahrt-Bundesamt nun erste Systeme genehmigt.

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Nach außen hält die Bundesregierung beim Thema Diesel-Nachrüstung eisern ihre Linie. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) lehnt sogenannte SCR-Katalysatoren, die sich in ältere Dieselfahrzeuge einbauen lassen, als zu teuer ab. Es bringe doch nichts, in alte Autos zu investieren, statt in neue, moderne Diesel, befindet der CSU-Politiker. Für wohlsituierte Dienstwagenbesitzer stimmt das auch. Sie lassen sich von ihrem Arbeitgeber einfach ein neues Auto anschaffen, unterstützt vom Rest der Steuerzahler. Doch alle, die ihren Diesel hart erspart haben und jetzt wegen drohender Fahrverbote hohe Wertverluste an ihrem Auto erleiden, lässt Scheuer im Regen stehen. Im Bundeskanzleramt wächst deshalb die Furcht vor diesen Wählern. Rund um die Kanzlerin nimmt die Zahl der Befürworter von Hardware-Nachrüstungen zu.

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Jetzt gerät die Bundesregierung in dieser Frage weiter unter Zugzwang. Denn das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg hat nach Informationen des SPIEGEL kürzlich eine Allgemeine Betriebserlaubnis für zwei Hersteller erteilt, die jene SCR-Katalysatoren entwickelt haben. Bei den Firmen handelt es sich um die finnische Technologiefirma Proventia und den Mittelständler HJS mit Sitz im Sauerland.

Die Technik soll den Stickoxidausstoß von Dieselfahrzeugen so weit senken, dass sie nicht mehr von innerstädtischen Fahrverboten betroffen wären. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigt sich in dieser Frage offener: Bis September will sie von Scheuer und einer Expertenkommission wissen, ob die Hardware-Nachrüstung eine sinnvolle Maßnahme gegen zu hohe Stickoxidwerte wäre. Diese Lösung könnte Städten mit hoher Schadstoffbelastung wie Stuttgart oder München entgegenkommen. Die Landesregierung von Baden-Württemberg hat Scheuer bereits aufgefordert, per Verordnung zu ermöglichen, nachgerüstete Wagen so zu kennzeichnen, dass die Polizei sie bei Fahrverboten in gesperrten Stadtgebieten verkehren lassen könnte.

Bündnis will Dieselfahrern ebenfalls Nachrüstungen anbieten

Diese Woche hat ein Bündnis, angeführt vom Katalysatorenhersteller Twintec, eine Nachrüstlösung offiziell vorgestellt. Für unter 2000 Euro bietet das Unternehmen unter anderem VW- und Skodafahrern die Umrüstung ihrer Dieselautos an. Twintec hat deshalb ebenfalls einen Antrag auf eine Allgemeine Betriebserlaubnis für sein Reinigungssystem gestellt, bei dem Harnstoff (Markenname "AdBlue") in einen Katalysator eingesprüht wird und Stickoxide unschädlich macht.

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