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Abgasskandal

Hersteller sollen Diesel-Nachrüstungen anbieten müssen

Jetzt also doch: Dieselautos sollen nicht nur ein Software-Update erhalten, sondern nach SPIEGEL-Informationen gegebenenfalls sogar nachgerüstet werden. Dabei könnten auch die Kunden zur Kasse gebeten werden.

Von

DPA

Voller Parkplatz

Samstag, 07.10.2017   12:18 Uhr

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Vor einigen Wochen zögerte Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) noch, den Herstellern von Dieselautos harte Maßnahmen zur Abgasreinigung ihrer Fahrzeuge vorzuschreiben. Doch jetzt haben sich die Befürworter von Nachrüstlösung in seinem Ministerium offenbar durchgesetzt: Nach SPIEGEL-Informationen sollen die Konzerne dazu gebracht werden, eine Hardware-Umrüstung für Dieselautos anzubieten, deren Stickoxidausstoß auf der Straße zu hoch ist.

Darauf haben sich Experten und Beamte des Bundesverkehrsministeriums verständigt. Ursprünglich hatte die Industrie nur eine Anpassung der Software angeboten. Die nun getroffene Einigung sieht vor, dass externe Sachverständige Dieselmodelle darauf überprüfen sollen, ob die nachträgliche Ausstattung eines Katalysators mit einer Harnstoff-Einspritzung (sogenanntes AdBlue) technisch möglich und finanziell sinnvoll ist. So soll Druck auf die Autobauer ausgeübt werden, einen Nachrüstsatz anzubieten. Die Einigung wurde in einer von vier Arbeitsgruppen erzielt, die auf dem Dieselgipfel im August eingesetzt worden waren. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Unklar ist aber noch, wer die Nachrüst-Sets für die Dieselautos bezahlt. Ein Teil der Kosten könnte auf die Kunden abgewälzt werden. Verpflichtend wäre der Umbau nicht - aber es soll einen anderen Anreiz dafür geben: Die Aussicht, um Fahrverbote herumzukommen. Denn sollte sich an der hohen Stickoxidbelastung in den Städten nichts ändern, drohen in vielen Kommunen die Einrichtung von Sperrzonen für Diesel-Pkw.

Auch Busse sollen modifiziert werden

Dass die Grenzwerte ohne aufwendige Änderungen an den Motoren kaum eingehalten werden können, wurde schon kurz nach dem sogenannten Dieselgipfel Anfang August deutlich: Das Umweltministerium und das Umweltbundesamt stellten eine Modellrechnung vor, die Zweifel an den zunächst beschlossenen Maßnahmen aufkommen ließ.

Durch die Software-Updates und eine Umtauschaktion älterer Dieselmodelle sinke die Belastung mit gesundheitsschädlichem Stickoxid höchstens um bis zu sechs Prozent, heißt es in der Studie. Das bedeutet: Nur in etwa 20 der betroffenen Städte fallen die Stickoxidwerte unter die kritische Marke von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresmittel - während die Luft in fast 70 Städten weiterhin schmutziger als erlaubt bleibe.

Mehrere Zulieferer haben bereits Nachrüst-Sets für Dieselautos entwickelt. Dennoch wehrten sich VW, Mercedes und BMW auf dem Dieselgipfel mit der Bundesregierung noch gegen solche Umbauten.

Auf ähnliche Weise sollen auch ältere Stadtbusse modifiziert werden, die als eine weitere große Schadstoffquelle in den Innenstädten gelten. Das Geld für dieses Sofortprogramm soll aus einem Fonds kommen, der mit Beteiligung der Bundesländer und der Autoindustrie auf Bundesebene geschaffen werden soll.

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