Abgasmanipulationen Kraftfahrtbundesamt ordnet Rückruf von BMW-Luxusautos an

Jetzt ist es amtlich: Das Kraftfahrt-Bundesamt hat einen Rückruf für zwei Dieselmodelle von BMW angeordnet. Der Autobauer hatte Manipulationen am Abgassystem bislang stets bestritten.

7er-Fertigung bei BMW
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7er-Fertigung bei BMW

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Als der SPIEGEL Ende vergangenen Monats das erste Mal über den Verdacht von Abgasmanipulationen bei BMW berichtet hatte, tischte der Münchner Autobauer eine erstaunliche Ausrede auf: Angeblich sei "korrekt entwickelte Software" für ein Modell auf ein anderes Modell "irrtümlich" aufgespielt worden. Ein ärgerlicher Fehler sei das, der da einem Mitarbeiter unterlaufen sei, hieß es aus dem Konzern. Und das, obwohl BMW so stolz auf seine Qualitätskontrolle ist? Experten waren schon damals wenig überzeugt. Jetzt haben sie recht bekommen.

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat nach Informationen des SPIEGEL einen amtlichen Rückruf für über 11.000 Luxusmodelle von BMW angeordnet. Betroffen sind davon die Modelle 750d und M550d. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) begründet den Schritt der Behörde damit, dass die in der Motorsteuerung vorhandenen, "unzulässigen Abschalteinrichtungen entfernt" werden müssen. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Damit scheint jetzt amtlich, was der Münchner Autobauer beharrlich zu leugnen versucht: Dass auch BMW Manipulationen bei Diesel-Fahrzeugen vorgenommen hat. Der Vorstandsvorsitzende Harald Krüger hatte dies stets bestritten.

Ein 7er-BMW war erstmals im Mai vergangenen Jahres bei Messungen der Deutschen Umwelthilfe mit drastisch überhöhten Stickoxid-Emissionen aufgefallen. Damals stritt der Hersteller ab, das Abgassystem manipuliert zu haben. Erst als das KBA Anfang dieses Jahres einen Wagen messen wollte, kam der Fall ins Rollen. Der Händler, bei dem der Wagen besorgt werden sollte, hatte eine Meldung an den Konzern gemacht. Daraufhin wollten die Münchner Ingenieure das Fahrzeug erst einmal zu einem vermeintlichen Service ins Werk zurückbeordern. Das Verhalten kam den Beamten verdächtig vor, sie bestellten die BMW-Verantwortlichen zu einer Anhörung in ihr Haus nach Flensburg.

Dort gaben die Ingenieure eben jene Entschuldigung an, wonach es sich um die falsche Software handelt, die eigentlich für andere Modelle vorgesehen war. Man wolle im Rahmen einer Serviceaktion die richtige Software auf den Wagen installieren. Nach Informationen des SPIEGEL plant die Behörde, auch jene Modelle zu kontrollieren, für die die Software angeblich entwickelt worden ist. Der Verdacht der Kontrolleure: Auch hier könnte eine Abschalteinrichtung aktiv sein.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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insgesamt 93 Beiträge
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Seite 1
geschneider 30.03.2018
1. Sowas kommt von sowas
Die Autoindustrie hat jahrelang von ihren Handpuppen namens Ramsauer und Dobrindt (Beide CSU) profitiert und einfach nicht glauben wollen, dass nicht die ganze Welt so leicht zu haben ist. Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen und selbst die neue Marionette namens Scheuer (CSU) nutzt nichts. Man könnte sagen: Massiver Managementfehler.
redrat69 30.03.2018
2. Amtlicher Betrug?
BMW hatte eine Selbstanzeige gemacht aufgrund einer beim Fahrzeugservice nachträglich irrtümlich aufgespielten nicht für diese Motortypen korrekten Software und angekündigt, die Fahrzeuge zurückzurufen zu wollen und die korrekte Software aufzuspielen. Dies kann BMW nicht einfach so machen, sondern muss übers KBA bestätigt werden. Genau das ist jetzt passiert. Dies ist somit immer noch kein seitens SP0N so gern gewünschten Beweises. Bitte bleibt bei den Fakten und interpretiert bzw populistiziert da nicht mehr hinein, so lange keine Beweise für solche Behauptungen auf den Tisch liegen.
lausemann 30.03.2018
3. Versehentlich aufgespielte Software
Hoffentlich sind nicht noch mehr Features versehentlich in die Modelle von BMW eingebaut worden. Z.B. ein Brotbackprogramm, das den Kofferraum versehentlich auf 250 Grad Celsius aufheizt.
allmale 30.03.2018
4. Sie lügen wie gedruckt, ALLE!
Daß sich BMW eine so dämliche Ausrede einfallen ließ ist nicht zu begreifen. Die ganze Branche hat sich fast tot gelacht über so viel Dummheit. Und das bei dem angeblich niemals manipulierenden und grundehrlichen Hersteller. Ich habe nichts mit der Autoindustrie zu tun, aber als Ingenieur schäme ich.
Referendumm 30.03.2018
5. Entdecke den Widerspruch
Kontrolleure des Kraftfahrt-Bundesamtes? Häh? Wie bitte? Seit wann kontrolliert denn das KBA? Die sind doch eh zu dumm, überhaupt was zu peilen. Und wenn, kehren die mit Wonne alles unterm Teppich. Darüber hinaus sollte man die Kirche mal im Dorf lassen: "Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat nach Informationen des SPIEGEL einen amtlichen Rückruf für über 11.000 Luxusmodelle von BMW angeordnet." Beim VW-Konzern sind es rund 11 Millionen! Man merke sich die ganz kleine aber feine Differenz. Allein dieser SPON-Beitrag nennt Zahlen in der Größenordnung von knapp 1 Millionen: http://www.spiegel.de/auto/aktuell/abgasskandal-audi-kuendigt-weitere-rueckrufe-an-a-1197356.html Zudem täte mich mal diese "unzulässige Abschalteinrichtung" bei BMW interessieren. Dass, was die DUH mal tat, ist indiskutabel - ein Fahrzeug in hohen und höchsten Drehlzahlbereichen orgeln und dann messen, ist ja interessant, aber vollkommen bedeutungslos. Ja, auch BMW kann betrogen haben, aber bis jetzt ist die Datenlage dazu mehr als extrem dürftig. Da täten mich solche Berichte - mal weiter recherchiert von SPON - viel mehr interessieren: https://www.bild.de/geld/wirtschaft/abgas-skandal/so-lief-es-wirklich-ab-46901028.bild.html Staatsanwalt Eric Schneiderman: „Es ist schockierend, was wir bei unseren Ermittlungen herausgefunden haben. Hier wurde wissentlich und willentlich, gerissen und zynisch betrogen. Und die Betrugssoftware wurde mit Wissen des Top-Managements entwickelt. Mitwisser war auch der ehemalige Konzernchef Winterkorn.“ "Schon 2006 soll der aktuelle VW-Boss Matthias Müller – damals noch Chef des Projektmanagements bei Audi – in einer Mail davon erfahren habe, dass die Harnstofftanks in Amerika größer sein müssten als in Europa, um die Abgaswerte einzuhalten. Auch der ehemaige Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn – damals Audi-Chef – soll kurz zuvor von dem Problem informiert worden sein." "Viele VW-Manager sollen in die internen Diskussionen eingebunden worden sein. Die Klage nennt zum Beispiel: Frank Tuch (2010-2015 Chef Qualitätsmanagement, hat direkt an Martin Winterkorn berichtet), Bernd Gottweis (2007-2014 Chef der Produktsicherheit und Winterkorns „Feuerwehrmann“), Rudolf Krebs (2005-2007), Jens Hadler (2007-2011), Heinz-Jakob Neusser (2011-2013) und Friedrich Eichler (2013-2015)." "Die Entwicklung der Betrugssoftware (defeat device) soll schon 1999 bei Audi erfolgt sein. Diese soll in den 3,0-Liter-V6-Motoren von 2004 bis 2008 in Europa eingebaut sein. Sie wurde „Akustikfunktion“ genannt." Ja, ja, aber Winterkorn macht immer noch auf die drei Affen: Nix wollen gesehen haben, nix wollen gehört haben und nix wollen gesprochen haben. Statt im Knast, sitzt der Typ zu Hause und lacht sich über die Deutsche Justiz scheckig.
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