Neuer Abgasskandal Manipulierte Lkw verursachen massive Umweltschäden

Neue Recherchen zeigen: Bei einer großen Anzahl an Lkw aus Osteuropa ist die Abgasanlage manipuliert. So sparen Speditionen Millionenbeträge - und könnten für deutlich größere Schäden sorgen als der VW-Skandal.

Lkw-Schlange (Symbolbild)
DPA

Lkw-Schlange (Symbolbild)


Der VW-Abgasskandal hat die Automobilindustrie erschüttert und beschäftigt sie bis heute. Nun gibt es einen Schwindel in der Speditionsbranche, der die durch VW verursachten Umweltprobleme bei Weitem übertreffen könnte. Durch verdeckte Recherchen des ZDF und polizeiliche Kontrollen in Polen ist eine offenbar weit verbreitete kriminelle Manipulation von Lkw bekannt geworden.

Verändert wird dabei der Einsatz des Harnstoffs AdBlue. In modernen Dieselmotoren wird er in den Abgasstrang eingespritzt und senkt den Stickoxidausstoß. Um die Kosten für die Anschaffung der Zusatzlösung zu sparen, kaufen kriminelle Speditionen Geräte, die die Harnstoffeinspritzung lahmlegen und der Bordelektronik des Lkw gleichzeitig vorspielen, mit AdBlue zu fahren - obwohl der Stoff gar nicht verwendet wird. Dabei handelt es sich um kleine Elektronikbauteile, sogenannte AdBlue-Killer.

Dass diese Emulatoren eingesetzt werden, um die AdBlue-Anlage auszuschalten, ist dabei gängige Praxis und nicht per se illegal. Zum Beispiel, wenn ein Lkw mit integriertem AdBlue-System in ein Land verkauft wird, das dessen Einsatz nicht per Abgasverordnung vorschreibt. In diesen Fällen wird die Umrüstung allerdings in offiziellen Werkstätten vorgenommen und der Vorgang genau dokumentiert. Durch die Umrüstung verlieren die Lkw allerdings auch das Anrecht auf Vorteile bei Steuer- oder Mautabgaben, die sie bei aktiver AdBlue-Anlage hätten. In Osteuropa geschieht der Umbau deswegen oft, ohne dass er festgehalten wird.

Gut 20 Prozent aller osteuropäischen Lkw betroffen

Der Betrug ist kein Einzelfall. In einer Studie der Universität Heidelberg im Auftrag des ZDF und des Verbands für die Transportbranche, Camion Pro, fand Prof. Denis Pöhler heraus: Gut 20 Prozent osteuropäischer Lkw fahren mit extrem auffälligen Abgaswerten.

Die Betreiber profitieren doppelt: Sie sparen zum einen bei der Anschaffung von AdBlue. Gleichzeitig zahlen sie zu wenig Mautgebühren. Die unterschiedlichen Mautklassen hängen auch vom Schadstoffausstoß eines Lkw ab. Die Fahrzeuge, die nun einen geringeren Ausstoß vortäuschen, fahren demnach in einer falschen, für die Speditionen günstigeren Klasse, als sie eigentlich müssten. Dadurch sparen die Betreiber Abgaben in Höhe von bis zu 110 Millionen Euro jährlich, so eine Berechnung des Mautexperten Prof. Kay Mitusch.

Die Auswirkungen sind enorm, ZDFzoom und Frontal 21 liegen Messdaten und Unterlagen vor, die das Ausmaß belegen: Experten halten den Schaden für doppelt so groß wie bei den durch die Manipulationen von VW verursachten Belastungen: bis zu 14.000 Tonnen Stickoxiden zusätzlich pro Jahr.

"Wenn ihr wollt, kann ich euch die AdBlue-Anlage stilllegen"

Das Rechercheteam belegte den Betrug durch eine verdeckte Ermittlung. Andreas Mossyrsch, Vorstand von Camion Pro, gründete eine Scheinfirma in Bukarest und lud Fahrer, Disponenten und Geschäftsführer zum Vorstellungsgespräch für seine angebliche Spedition ein. Ein Jobsuchender erklärte: "Wenn ihr wollt, kann ich euch die AdBlue-Anlage stilllegen", wie ZDFzoom-Reporter Christian Bock sagte.

In Rumänien demonstrierte ein Spediteur dem Team, wie einfach ein Lkw zu manipulieren ist und erklärte: "In Deutschland muss man keine Angst haben. Die Polizei kennt das nicht." Die anschließenden Testfahrten ergaben, dass entsprechend manipulierte Lkw deutlich höhere Abgaswerte hatten als unveränderte Fahrzeuge.

"Frontal 21" berichtet über den Fall am Dienstagabend (21 Uhr, ZDF). Am Mittwoch (22.45 Uhr) folgt die 30-minütige "ZDFzoom"-Doku "Die Lüge vom sauberen Lkw - Abgasbetrüger und ihre Dreckschleudern".

Anm. d. Red: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir ein Symbolbild verwendet, das den Eindruck erwecken konnte, dass die darauf zu erkennenden Fahrzeuge und deren Speditionen zu den im Artikel beschriebenen, illegalen Praktiken greifen. Dies ist nicht der Fall. Wir haben das Bild deswegen ausgetauscht und bitten, den Fehler zu entschuldigen.

aev

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insgesamt 92 Beiträge
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Seite 1
ackergold 17.01.2017
1.
Die osteuropäischen Schrottlaster und Seelenverkäufer sollten uns eigentlich schon länger ein Dorn im Auge sein. Sie dienen ausschließlich der Hintergehung von Arbeitsschutzrichtlinien und Sicherheitsvorschriften. Außerdem prellen sie massenhaft die Maut. Es wird Zeit, dass die Politik hier massiv vorgeht. Das wäre doch endlich mal eine sinnvolle Aufgabe für Herrn Dobrindt.
dreamrohr2 17.01.2017
2. eigentlich klar...
es war nur eine Frage der Zeit, bis man auch hinter dieses Geheimnis kommt. Die Polizei hat nun schon ziemlich vieles unter Beobachtung, was mit dem Transport und LKW zu tun hat, die Kontrollen erfolgen schon ziemlich intensiv. Jedoch ist kein einziges Fahrzeug der Polizei mit fahrbaren Abgastestern ausgestattet, so könnte man sowohl der LKW, als auch der PKW- Diesel-Abgase-Prellerei auf die Schliche kommen. Die Politik gaukelt den polizeibeamten vor, man wolle alles sauber haben, aber angesichts dieser drastischen Nichtstuerei seitens der Politik, insbesondere sichtbar im Falle Betrug-Abgasskandal VW, muss man als Steuerzahler einfach davon ausgehen, dass es keiner Sau kümmert, was da auf den Straßen los ist.... bis ein Team Journalisten mal was aufdecken, dann werden die schlafenden Hunde wach und bellen leise. Angesichts der Schäden die da entstehen (Maut) ist es unverständlich, weshalb sich unsere Politik um nichts kümmert.
dipl.inge83 17.01.2017
3. Destilliertes Wasser
frisst das System auch klaglos. Wird vom Zoll aber schon verstärkt kontrolliert. Da ist die Variante mit der Änderung des Datenstandes schon cleverer. Aber eben nur mit entsprechendem Equipment durchführbar.
spon-1242648555320 17.01.2017
4. Logik
Die Betreiber profitieren nicht doppelt! Entweder sie sparen sich die Kosten für den Zusatzstoff AdBlue oder sie zahlen eine zu geringe Maut, aber nicht beides! Nochmal drüber nachdenken SPON.
Karlie 17.01.2017
5. Wunschdenken
So lange der Markt so ist, dass da um jeden EURO gekämpft wird, so lange wird manipuliert. Und es sind leider nicht nur die Spediteure die hier einen illegalen Vorteil ziehen, die Verlader sollten sich auch mal fragen, ob sie nicht dazu beitragen, dass bald jeder in der Transportbranche fünf gerade sein lässt. Billige Preise werden mit Umweltschäden, lausigen Arbeitsverträgen, schlechtem Lohn und nicht vorhandener Verkehrssicherheit erkauft. Aber Hauptsache man kriegt seine Fracht für einen Apfel und ein Ei durch halb Europa kutschiert.
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