Diesel-Rückruf bei Porsche Parlamentarier fordern Aufklärung vom Kraftfahrt-Bundesamt

Will das KBA den VW-Konzern und Porsche schonen? Das Vorgehen bei der Prüfung des Porsche Cayenne lässt Zweifel aufkommen - möglicherweise müssten deutlich mehr Fahrzeuge des VW-Konzerns zurückgerufen werden.

Diesel-Logo von Porsche
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Haben Porsche und das Kraftfahrtbundesamt (KBA) beim Cayenne-Rückruf getrickst? Abgeordnete fordern Aufklärung, warum trotz Nachfragen des Abgasuntersuchungsausschusses Vertreter des KBA und des Ministeriums stets behaupteten, dass nur der Porsche Cayenne Probleme mit einer Abschaltsoftware habe. "Uns kommt das im Lichte der Messungen des SPIEGEL und der nun erfolgten Rückrufaktion des Verkehrsministers alles sehr sonderbar vor", sagt Kirsten Lühmann (SPD), Sprecherin des Untersuchungsausschusses zur Dieselaffäre. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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Heft 33/2017
Wie sich das bedrohte Paradies wandelt

Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte Ende Juli für 21.500 Fahrzeuge vom Typ Porsche-Cayenne Diesel eine Rückrufaktion angeordnet und die aktuelle Produktion stillgelegt. Das Kraftfahrt-Bundesamt habe nach Messungen eine illegale Abschalteinrichtung in der Motorsteuerung aufgedeckt, lautete die Begründung.

Wie DER SPIEGEL berichtet, mehren sich genau daran Zweifel. Vielmehr könnte er Grund für die hohen Stickoxidwerte im realen Fahrbetrieb bei der Umschaltung im Automatikgetriebe, nicht in der Motorsteuerung, liegen. Die umstrittene Getriebesoftware sorgt nach SPIEGEL-Informationen dafür, dass die Autos auf dem Prüfstand wenig Stickoxide ausstoßen. Auf der Straße hingegen entfalten sie ihre volle Leistung bei entsprechend höheren Abgasen.

Die entsprechenden Getriebe wurden allerdings nicht nur im Porsche Cayenne, sondern bei VW und seinen Tochterunternehmen in mehr als 100.000 Fahrzeugen verbaut. Ein Rückruf würde das Unternehmen empfindlich treffen. Dem SPIEGEL liegen interne Papiere des VW-Konzerns vor, die belegen, dass das Schummelgetriebe bereits im Jahr 2013 für den Einbau in Oberklasselimousinen von Audi vorgesehen war. Es sollte so ausgelegt werden, dass es "auf der Rolle zu 100% aktiv ist, vor dem Kunden aber nur zu 0,01%", heißt es darin.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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rathat 11.08.2017
1. Endlich dichtmachen.
Dieses mafiöse Unternehmen hatte jetzt zwei Jahre lang Zeit den Abgasbetrug aufzuarbeiten und abzustellen. Nicht nur, dass bis heute nicht alle zugegeben betroffenen Fahrzeuge umgerüstet sind, zeigt sich, dass selbst in Neufahrzeugen noch mit Hilfe von Software fröhlich weiter betrogen wird. In Deutschland sterben mittlerweile dreimal mehr Personen durch Stickoxide als durch Verkehrsunfälle und Volkswagen trägt mit seinen hohen Zulassungsquoten gerade bei den Betrugsdieseln über-verhältnismäßig dazu bei. Aber anstatt sämtlich Diesel hardwareseitig dahingehend umzurüsten, dass die Grenzwerte in sämtlichen Fahrmodi und Außentemperaturen eingehalten werden - die Technik dafür existiert und die Chance bestand mehrfach, dass der Konzern von sich aus die Initiative zu einer Nachrüstung ergreift - wurden nur kaum wirksame Minimallösungen präsentiert: ein mit Software Update versehen Golf stößt 490mg satt 500mg NOx aus; erlaubt wären 180! Es wird Zeit, dass man diesen Laden endlich dichtmacht und wer jetzt auf die 'armen Arbeitnehmer' verweist, die ihren Job verlieren würden, dem sei gesagt, dass gerade der Betriebsrat und das Land Niedersachsen seit Bekanntwerden des Skandals dafür hätten sorgen können und müssen, dass es auch in Europa eine umfassende und saubere Lösung wie in den USA gibt. Wer sich heute noch einen neuen VW, Audi etc. kauft, macht sich die Hände genauso schmutzig, wie diejenigen, welche mit ihrem Betrug weiterhin für den Tod zehntausender Personen jährlich verantwortlich sind.
lars.manhof 11.08.2017
2.
Sie würden vielleicht diesen gewaltigen Betrug, der auch sehr viele Menschenleben gekostet hat, gerne unter dem Tisch halten. Aber gottseidank gibt es 'Journalisten, Abgeordnete, Regierungsmitglieder, Foristen'. Und da offenbar weder der Verkehrsminister, noch das BKA, noch die Mafia der dt. Kfzhersteller richtig gewillt sind, die Sache aufzuklären und vor allem - endgültig abzustellen - ist es dringend nötig, nicht locker zu lassen. Wenn die Mafia es so will, dann werden die derzeitigen Arbeitsplätze für die Reparatur bzw. den Umbau der Fahrzeuge nötig und keine Glitzerkisten mit Betrugssoftware mehr hergestellt.Die Schuld haben nicht die Journalisten und die Foristen.
sheesh 11.08.2017
3. Ein paar...
... Vermutungen, ein paar aus dem Zusammenhang gerissene E-Mail-Schnipsel, fertig ist der neue Dohmen-Trautfetter-Artikel. Der Sachverhalt ist doch deutlich komplizierter. Die Schaltstrategie bei Automatikgetrieben ist nunmal abhängig von Kurven- und Bergfahrt und "lernt" auch in Abhängigkeit des Fahrstils des Fahrers. Welche Schaltstrategie wird nun auf dem Prüfstand im NORMzyklus eingesetzt? Das muss doch immer die gleiche sein. Bei Handschaltern ist schließlich auch vorgegeben, bei welcher Geschwindigkeit auf dem Prüfstand in den nächsten Gang geschaltet werden muss. In der Realität schaltet vermutlich auch keiner so wie dort vorgegeben, schaltet am Berg oder beim Überholen zurück etc. Von diesem aus Blickwinkel gesehen, ist nichts Verwerfliches an dem schon wieder herbeigeschriebenen Skandal zu erkennen.
brutus972 11.08.2017
4. Cayenne Rückruf war doch nur eine Alibiaktion
Wer glaubt denn, dass Dobrindt der Autoindustrie weh tun würde? Der plant doch schon für die nächste Kariere. 20 000 Autos, und Stilllegung, damit kann man Aktion vortäuschen!
dbrown 11.08.2017
5. Wie doe FIFA:
vollkommen durchsetzt mit alten Seilschaften. Dieser Laden gehört neu erschaffen mit stetigem Wechsel der Positionen, damit sich keiner mehr festsetzen kann, um Connections zu knüpfen, und stetiger Kontrolle durch echt unabhängige personen
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