Abgasskandal Autohersteller trödeln bei Softwareupdates

Um Fahrverbote zu vermeiden, sollten Softwareupdates mehr als fünf Millionen manipulierte Dieselautos schnell sauberer machen. Nun zeigt sich: Die Hersteller werden ihr Versprechen kaum halten können.

Softwareupdate in Werkstatt
DPA

Softwareupdate in Werkstatt


Die Autohersteller hinken bei Softwareupdates für manipulierte Dieselautos ihrem eigenen Zeitplan hinterher. Dieselkunden drohen damit erhebliche Verzögerungen bei der Umrüstung. Bis zum Jahresende sollten nach Zusagen der deutschen Hersteller 5,3 Millionen Fahrzeuge fertig umgerüstet werden - bisher sind es aber nur 3,75 Millionen, wie das Verkehrsministerium nun mitteilte.

Die Hersteller "laufen damit Gefahr, ihr Versprechen zu brechen. Ich fordere eindringlich, dass sie schnellstmöglich die restlichen Fahrzeuge abarbeiten. Ansonsten verspielen sie erneut Vertrauen", sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU).

Betroffen von den Maßnahmen waren rund 3,8 Millionen Pkw von Volkswagen, über 900.000 von Daimler und mehr als 300.000 Autos von BMW sowie Autos von Opel und anderen Herstellern. Mit den Softwareupdates sollen der Schadstoffausstoß gesenkt und die Luftqualität verbessert werden. Vielerorts werden Grenzwerte für Stickstoffdioxid überschritten, Gerichte haben deswegen in mehreren Städten Fahrverbote angeordnet.

Hersteller haben Unterlagen noch nicht an das KBA geliefert

Auf dem Dieselgipfel der Großen Koalition im Oktober wurden auch Hardwarelösungen mittels eines sogenannten SCR-Katalysators als Alternativlösung in Aussicht gestellt. Im SCR-System wird Harnstofflösung eingespritzt, um das giftige Stickoxid unschädlich zu machen. Mangels zugelassener Lösungen können Dieselbesitzer auf eine Hardwarenachrüstung aber frühestens im Jahr 2020 hoffen. Daher greifen viele Kunden auf die Softwarevariante zurück, müssen nun aber länger warten als geplant.

Dass noch nicht alle betroffenen Autos fertig umgerüstet sind, liegt nach Darstellung des Ministeriums daran, dass die Hersteller zu ihren Anträgen auf Freigabe des Softwareupdates zum Teil noch technische Unterlagen an das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) liefern müssen. Man erwarte, dass dies für alle Anträge schnellstmöglich erfolge, hieß es.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) sieht den Grund für die Verzögerung nicht nur bei seinen Mitgliedern. "Vor allem aber kommt es darauf an, dass die Kunden auch in die Werkstätten kommen, denn es ist eine freiwillige Aktion", so ein VDA-Sprecher. Der Aufwand für Softwareupdates sei zudem erheblich, denn es ginge um die Entwicklung, Prüfung und Freigabe hunderter Softwarevarianten.

cfr/dpa



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