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Neuer Abgastest: Die dreckige Wahrheit über Dieselautos

Abgase aus einem Auspuff: "Im Schnitt mehr als doppelt so hoch wie der Grenzwert" Zur Großansicht
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Abgase aus einem Auspuff: "Im Schnitt mehr als doppelt so hoch wie der Grenzwert"

Die Abgastests für Autos gelten als realitätsfern. Ein neues Verfahren soll für ehrlichere Werte sorgen. Forscher haben 32 Dieselfahrzeuge jetzt auf diese Weise untersucht. Das Ergebnis ist für viele Hersteller blamabel.

Autos mit Dieselmotoren verbrauchen im Vergleich zu Ottomotoren weniger Sprit, zudem ist Dieselkraftstoff in Deutschland viel billiger als Benzin. Kein Wunder, dass hierzulande fast die Hälfte der Neuzulassungen auf Selbstzünder entfällt. Die Abgase dieser Fahrzeuge enthalten aber besonders viel Stickoxid und sind deshalb extrem schädlich für Menschen - und viele Dieselautos verpesten die Umwelt laut einer Studie viel schlimmer, als die Hersteller angeben. (Lesen Sie hier mehr zum Thema im neuen SPIEGEL.)

Die Stickoxidwerte werden derzeit noch im sogenannten Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) ermittelt. Dieses Testverfahren wird seit Langem kritisiert. Zum einen bietet es den Herstellern zahlreiche Schlupflöcher, die es ermöglichen, die Autos auf Testbedingungen hin zu optimieren. Zum anderen sind die Bedingungen realitätsfern. Ein neues Verfahren soll den NEFZ deshalb ersetzen: Im sogenannten World-Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure (WLTP) ist zum Beispiel eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h statt bisher 120 km/h vorgesehen, außerdem eine stärkere Beschleunigung sowie eine Temperatur in der Testanlage von 23 statt 30 Grad.

Die ICCT hat mit Hilfe des Autoklubs ADAC nun bei 32 Diesel-Pkw von zehn verschiedenen Herstellern verglichen, wie diese in den beiden unterschiedlichen Testverfahren abschneiden. Das Ergebnis: Im altem NEFZ hielten alle Autos die gültige Euro-6-Norm ein. Sie entspricht einem Grenzwert von 80 Milligramm Stickoxide pro Kilometer (mg/km). Im WLTP fielen dagegen 22 Fahrzeuge durch.

Volvo schneidet am schlechtesten ab

"Die Stickoxid-Emissionen der getesteten Fahrzeuge lagen im neuen Testverfahren im Durchschnitt mehr als doppelt so hoch wie der Grenzwert", sagte ICCT-Europa-Geschäftsführer Peter Mock. Erschreckend ist teilweise das Maß der Überschreitung: Die Autos von Volvo lagen demnach um fast das 15-Fache über dem Grenzwert, bei Renault um rund das Neunfache und bei Hyundai um das fast Siebenfache. Fahrzeuge von Audi lagen um mehr als das Dreifache über dem Limit, Autos von Opel schnitten fast genauso schlecht ab. Mercedes verfehlte den Grenzwert knapp.

Anders beispielsweise die Autos von BMW: In beiden Testverfahren unterboten sie nach Angaben des ICCT die Grenzwerte. Haben die Münchner ihre Tricks vielleicht schon den WLTP-Bedingungen angepasst? "Nach unseren bisherigen Erkenntnissen sieht es so aus, als ob die Autos von BMW tatsächlich sauberer sind als die der Konkurrenz", sagte Peter Mock gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Die genauen Modellbezeichnungen der getesteten Autos werden in der Studie nicht genannt. Das ICCT begründet das mit Vereinbarungen zwischen anderen Forschungseinrichtungen und den Herstellern, die Daten über die jeweiligen Autos zur Studie beigesteuert haben.

Die Industrie will weitertricksen

So richtig glücklich sind auch die Hersteller nicht über den NEFZ. Schließlich sorgen Untersuchungen immer wieder dafür, dass die Kunden sich von den offiziellen Angaben zu den Emissionen getäuscht fühlen. Für eine einheitliche Bewertung, so die Entschuldigung der Autobauer, sei aber nun mal ein Standardverfahren nötig.

Ein solches wäre auch der WLTP - doch die Industrie wehrt sich trotzdem dagegen: Während die EU-Kommission den neuen Test ab September 2017 einführen will, fordern die Hersteller laut Peter Mock eine Aufschiebung bis 2020.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 227 Beiträge
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1. Elektroautos
Drohnenpilot 04.09.2015
gekoppelt mit Solar-oder Windenergie sind die einzige saubere Alternative. Zumindest Hybridfahrzeuge mit mindestens 50km elektrischer Reichweite dürften in spätestens fünf Jahren für Fahrten in Großstädten als Einzige noch erlaubt werden. Die Gesetzesvorlagen sollten dann rechtzeitig zur IAA vorgelegt werden. Das würde helfen.
2. Stinkt zum Himmel
foxtrottangohamburg 04.09.2015
Die ganzen Tests erscheinen mir von der Industrie mittlerweile eh mehr als Marketinginstrument missbraucht, denn als Anhaltspunkt dem Verbraucher zu dienen, Vergleiche ziehen zu können. Siehe auch Normverbrauche. Anstatt aber in sinnvolle, innovative Innovationen zu investieren, führen die Autohersteller Grabenkämpfe mit elektronischen Spielereien, die meist eh niemand wirklich haben will. Das ist dann wie bei Apple. Willst Du mitreden können, musst Du Dich unterordnen. Ansonsten müssten die Fahrzeughersteller wohl einsehen, dass ihre Autos seit 30 und mehr Jahren ganz innovativ so viel verbrauchen wie immer. Vielleicht wäre es mal eine Option auf der Zubehörliste, auf Gadgets zu Gunsten des Verbrauchs verzichten zu dürfen. Was aber nur geht, wenn man die Wahl hat. Die hat man - und kann umsteigen. Auf Alternativen wie Carsharing oder besser noch: aufs Rad.
3. Gut gebruellt Loewe
c218605 04.09.2015
"Verpesten", ist keine wissenschaftliche Studienaussage. Und den Link zur Studie dabei weglassen passt zu dieser Plattheit. Empfehle dem Autor South Park "Smug Alert" http://www.southpark.de/alle-episoden/s10e02-snobwarnung
4. Kein Wort über LKWs
wp40548 04.09.2015
Komisch, nicht ein Wort über die LKW-Lawine auf unseren Strassen. Fahren die inzwischen alle mit Wasserstoff?
5.
MatthiasPetersbach 04.09.2015
Naja, irgendeinen Sinn wird das alles haben, was da immer veröffentlicht wird. Hier wahrscheinlich die Vorbereitung auf die Erhöhung der Dieselsteuer. Und der Krieg Dieselfahrer gegen Benzinfahrer, der jetzt wahrscheinlich gleich ausbricht. Wobei beide nicht merken, daß sie beide ver*rscht werden. UMWELT dürfte da nicht die treibende Kraft sein. Sonst würde man die Tatsache, daß ein 20%iger Minderverbrauch beim Dieselauto auch 20% weniger Zulieferverkehr bedeutet. Und daß weniger Spritverbrennen auch weniger andere Schadstoffe (und verbrannten Sauerstoff) bedeutet. Und daß es weniger auf die relative Menge, sondern auf doie tatsächliche Menge ankommt. Und da liegt jeder mit nem schlechten Rußwert, aber 5000 km im Jahr Fahrleistung deutlich besser als jemand, der 30 000 km im Jahr fährt. Einfach schlicht alles auf den Benzinpreis abwälzen - wer mehr fährt oder braucht, zahlt auch mehr. Und wenn man die Karre stehen lässt, dann kostet sie auch nix. Zur Zeit wird quasi der Besitz der Fahrzeuge besteuert. Ein Schwachsinn.
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