Neuer Abgastest EU wirft Autoherstellern manipulierte Abgaswerte vor

In der EU wird es für Neuwagen bis 2025 strengere Abgaswerte geben. Erstmals müssen Hersteller aber keinen Zielwert erfüllen, sondern den Schadstoffausstoß prozentual verringern. Das schafft Raum für neue Tricks.

Eine Abgasprüfung im Straßenverkehr (Symbolbild)
DPA

Eine Abgasprüfung im Straßenverkehr (Symbolbild)


Die EU-Kommission hat Medienberichten zufolge Hinweise auf neue Abgasmanipulationen durch Autohersteller. Nach Vorabberichten der "Financial Times" und des "Handelsblatts" vom Dienstag geht es um die Einhaltung der ab 2025/2030 geltenden Grenzwerte. Der Vorschlag der EU-Kommission sieht bisher vor, den Kohlendioxidausstoß (CO2) von Fahrzeugen bis zum Jahr 2025 durchschnittlich um 15 Prozent, bis 2030 um 30 Prozent zu senken.

Dabei klingt der neue Trick der Hersteller zunächst abwegig, um die immer strengeren CO2-Vorschriften einzuhalten. Laut EU hätten einige Hersteller ihre Testfahrzeuge nun so konfiguriert, dass die Messwerte höher ausfallen.

Dass diese Methode dennoch Sinn ergibt, hat mit der Einführung eines neuen Messverfahrens zu tun - und der erstmals prozentualen Reduzierung von CO2 statt eines festen Zielwertes wie in der Vergangenheit. Ab dem 1. September gilt für alle Fahrzeuge verbindlich das Prüfverfahren WLTP. Dieser Test orientiert sich stärker am wirklichen Fahrverhalten als ältere Messmethoden. Da die Verbrauchswerte nach dem neuen Testzyklus erst einmal ansteigen werden, hätte das zur Folge, dass die Autohersteller die Emissionen stärker senken müssten, um absolute Ziele zu erfüllen. Daher hat sich die Kommission erstmals dazu entschlossen, keinen fixen Zielwert für die Zeit nach 2020/21 zu vereinbaren, sondern lediglich prozentuale Angaben zu machen.

Angegebene Werte um 4,5 Prozent zu hoch

Der CO2-Wert nach dem neuen Prüfverfahren WLTP ist der Bezugswert für eine prozentuale Reduzierung bis 2030. Wer mit einem künstlich erhöhten Wert startet, müsste also weniger reduzieren. Im Durchschnitt hätten die von den Herstellern angegeben Emissionen um 4,5 Prozent über dem tatsächlichen Ergebnis gelegen, zitiert das "Handelsblatt" aus dem Papier. Mit den überhöhten Werten solle die Ausgangsbasis für künftige verpflichtende Einsparungen zugunsten der Hersteller manipuliert werden, lautet deshalb auch der Vorwurf an die Firmen. Der Bericht basiert auf Einschätzungen von Experten des "Joint Research Centers", einer Forschungseinrichtung der Kommission. Diese war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

Durch die Tricksereien ergebe sich das Risiko, dass die geplanten EU-Einsparziele für den Flottenausstoß bis 2025 und 2030 unterlaufen würden.

ene/rtr

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Seite 1
jsavdf 25.07.2018
1. Keine Techniker von den Autofirmen vor haben
Deswegen darf bei den ganzen Tests kein einziger Techniker Ingenieur oder sonst etwas von den Herstellern vor Ort sein. Dem Prüfer muss man wahrscheinlich auch eine Million im Jahr bezahlen damit er unbestechlich ist. Warum macht das eigentlich nicht der ADAC? Achso, man darf ja nur abgenickte Kritik ins Heft schreiben, sonst bekommt man keine Testautos mehr.
Leser161 25.07.2018
2. And the needle returns...
...to the start of the song and we all sing along as before. Vor einigen Jahren gab es dieses Auflasten (oder gibt es das immer noch?) wo man sein eh schon schweres und ineffizientes Auto noch ineffizienter und schwerer machen liess um weniger Steuern zu zahlen. Jetzt gibt es halt eine prozentuale Verringerung wo die belohnt werden, die bisher besonders wenig auf Schadstoffarmut geachtet haben. Sorry, das sind dann halt schlechte Regeln. Und wer macht die schlechten Regeln? Die EU wohl. Da ist es doch ein Hohn wenn die EU sich beschwert. Sollen die halt vernünftige Regeln machen. Ist doch wie beim Abgasskandal. Wäre auch nicht passiert wenn man vernünftige Tests definiert hätte.
frummler 25.07.2018
3. 20 jahre zuspät
wieso denn erst jetzt? jeder wusste das die nicht stimmen können das fing schon damit an das plötzlich von heute auf morgen dieselautos weniger sprit verbrauchen sollten??? nur komisch das man dann im normalbetrieb mit dem eneun das selbe verbrauchte als vorher mit dem vorgänger modell! muss eigentlich immer erst ein skandal den nächsten jagen bevor man mal sein hirn anschaltet und den hintern hoch bekommt?
Trockenfisch 25.07.2018
4. Jaha, genau
Zitat von Leser161...to the start of the song and we all sing along as before. Vor einigen Jahren gab es dieses Auflasten (oder gibt es das immer noch?) wo man sein eh schon schweres und ineffizientes Auto noch ineffizienter und schwerer machen liess um weniger Steuern zu zahlen. Jetzt gibt es halt eine prozentuale Verringerung wo die belohnt werden, die bisher besonders wenig auf Schadstoffarmut geachtet haben. Sorry, das sind dann halt schlechte Regeln. Und wer macht die schlechten Regeln? Die EU wohl. Da ist es doch ein Hohn wenn die EU sich beschwert. Sollen die halt vernünftige Regeln machen. Ist doch wie beim Abgasskandal. Wäre auch nicht passiert wenn man vernünftige Tests definiert hätte.
Da hat mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Autolobby wieder zugeschlagen. Das lässt sich nur mit Polititikern ändern die wirklich nur ihrem Gewissen verpflichtet sind und die sind nicht leicht zu finden, auch nicht bei der AfD die als erste die Händer aufhalten würden. Woher nehmen? Echt, ich hab keine Ahnung.
ptb29 25.07.2018
5. 4,5%, gibt es auch noch Fertigungstoleranzen?
Es geht in allen Beiträgen nur noch darum, die Automobilindustrie zu verteufeln.
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