Abgefahren: Motorsägen-Dragster und Trennscheiben-Racer

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Abteilung spinnerte Engländer: Zum fünften Mal fanden im englischen Somerset die jährlichen Meisterschaften im Power Tools Drag Racing statt - ein wahnsinniges Wettrennen der wildgewordenen Werkzeuge. Sieger war ein Sieben-Kreissägen-Kart.

Abgefahren: Motorsägen-Dragster und Trennscheiben-Racer Fotos
Toolstation

Antreten durfte wieder alles, was es im Baumarkt zu kaufen gibt: Motorsägen, Bandschleifmaschinen und Laubgebläse. Hauptsache es kommt schnell - und vielleicht auch geräuschvoll - von A nach B, ohne all zu viele Menschen zu gefährden. Dem Sieger winkt eine kleine Aufwandsentschädigung und ewiger Holzfällerruhm.

Die Rennen am vergangenen Wochenende fanden in zwei Kategorien statt: mit und ohne Fahrer. In der Veranstaltungshalle fuhren führerlose Werkzeuge eine Holzbahn entlang, im Freien röhrten die spektakuläreren Ungetüme. Favorit in der Kategorie "Fahrbar": Barry Lee und sein Kreissägen-Dragsterkart "Bolt Lightning".

Gleich sieben (bis kurz vor dem Rennen waren es nur sechs) 40-cm-Kreissägen treiben "Bolt Lightning" an - gemeinsam liefern sie eine Leistung von 42 PS. Das reicht aus, um das leichte Fahrzeug auf einer 100-Meter-Rennstrecke auf bis zu 112 Stundenkilometer zu beschleunigen. So schnell fährt Lee allerdings nur im Notfall - zum Rennen am Wochenende beschleunigte er "Bolt Lightning" auf knapp über 60 Stundenkilometer - aus Angst vor Verletzten? " Unser Kart ist radikal", sagte Lee einer Lokalzeitung nach dem Sieg: "Es ist eine außergewöhnliche Mischung aus konventionellen Ideen und Cutting-Edge-Ingenieurskunst." Möglich war das auch durch das Sponsoring eines Baumarkts.

"Bolt Lightning" ist Teamarbeit. Monatelang bastelte Lee mit seinem Kollegen aus dem örtlichen Baumarkt an der Trenn- und Rennmaschine. Schon vor dem Rennen war ihnen deswegen klar: "Wir haben unserer Konkurrenz voraus, dass wir Zugang zu den neuesten und stärksten Elektro- und Benzinwerkzeugen auf dem Weltmarkt haben."

Schon im Vorjahr sind Lee und sein Team bei den Werkzeug-Wettrennen angetreten - mit einem deutlich zahmeren Projekt: Ihr Toolstation Kart, angetrieben von zwei Makita DPC8112 Scheibentrennern erreichte zwar vergleichsweise moderate 72 Stundenkilometer. Für Platz Eins in der Fahrbar-Kategorie reichte das trotzdem locker - trotz Profi-Konkurrenz einer TV-Show und eines Teams aus Amerika.

Glück für Lee und sein Team: Der einzig ernstzunehmende Gegner war nicht vor Ort, die deutsche Comic-Legende Rötger "Brösel" Feldmann und seine Höllenmaschine Dolmette. Im September 2004 forderte er damit Rennfahrerin Christina Surer in ihrem Abt Audi AS400 zu einem Rennen heraus. Feldmann fuhr ein gut vier Meter langes Motorrad, das von 24 Kettensägen-Motoren angetrieben wurde, von denen jeder 7,1 PS leistete.

Von ersten Testfahrten mit einer zehnmotorigen Version wurde berichtet, dass "die Pflastersteine vibrierten". Die Lärmentwicklung der Metall gewordenen Zeichnerphantasie beschrieb Brösel als "totales Inferno". Ein Entwickler des Sägenherstellers sagt: "Die Maschine ist lauter als ein Airbus."

Wegen eines Fehlstarts musste Brösel damals das Rennen knapp verloren geben - aber vielleicht sind ihm die Videos der nächsten Seiten Anlass genug, die Anlasser mal wieder zu betätigen und den Engländern zu zeigen, wo der Hammer hängt, der Trennschneider jault und die Bandschleifmaschine um die Wette rennt.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 1 Beitrag
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1. Genial - Danke SpOn !
Realo 30.09.2010
Jetzt weiss ich endlich was ich mit meinen alten Heimwerkerkreischmaschinen anfange ! Ein paar alte Skateboards von meinem Sohn habe ich auch gerade auf dem Boden gefunden. Das wird spannend.......
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Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.


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