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Abgefahren: Rasende Brücke soll Verkehrsprobleme lösen

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Genial oder durchgeknallt? Mit auf Schienen fahrenden Bus-Brücken will das Unternehmen HS Future Chinas Megacitys aus dem Verkehrschaos helfen. Das Konzept sei umweltfreundlich und günstig; schon bald soll ein Pilotprojekt in Peking starten.

Was tun, wenn die Stadt aus allen Nähten platzt? Wenn sogar die Busse im Dauerstau stehen und es keinen Platz und kein Geld für breitere Straßen oder U-Bahn-Tunnel gibt? Die Firma Shenzhen Hashi Future Parking Equipment (HS Future), die ansonsten Auto- und Fahrradparkplätze entwickelt, glaubt die Lösung zu haben.

Riesige Busse, die fahrenden Brücken oder rasenden Tunneln gleichen, sollen das immense Verkehrsaufkommen in Chinas Megacitys senken. Oben sitzen Passagiere, unter ihnen hindurch fahren die Autos. Geht das Konzept auf, wäre es eine günstige, umweltfreundliche Alternative zu Tunnelbohrungen oder Straßenausbau.

Verrückter Verkehr, verrückte Konzepte

Im Mai stellte HS Future auf einer chinesischen Messe zum ersten Mal den "dreidimensionalen Schnellbus" vor, jetzt erklärte Firmenchef Song Youzhou in einem Video, wie sein verrücktes Konzept funktionieren soll.

Die "3-D-Schnellbusse" fahren im Konzeptvideo wie Brücken über die Straßen. Sie transportieren bis zu 1400 Passagiere in gut vier Metern Höhe; mit durchschnittlich 40 Stundenkilometern schlängeln sie sich entlang der Autostraßen durch die Stadt.

Unter ihnen (und irgendwie auch in ihnen) fahren Autos auf zwei Spuren. Warnanlagen sollen Unfälle im Businneren vermeiden und zu große Fahrzeuge an der Einfahrt hindern. Die Busse selbst sind gerade niedrig genug, um noch durch Unterführungen zu passen. Machen die futuristischen Fahrzeuge Pause, kann unter ihnen der Verkehr einfach weiterfahren.

Wie auf Stelzen durch die Stadt

Ein wenig erinnert das Konzept an jene Hochbahn-Trassen, die in Berlin und Hamburg zum Stadtbild gehören: Durch Stelzen über den Straßen sind Autos und U-Bahn voneinander getrennt. Sie teilen sich aber dieselbe Grundfläche. Der Vorteil liegt auf der Hand: Begehrter Wohnraum muss für die neuen Fortbewegungsmittel nicht weichen, das Verkehrsaufkommen insgesamt könnte sinken.

Darüber hinaus könnte der 3-D-Schnellbus auch zur Senkung der Schadstoffemissionen in Städten beitragen. Weil er ein Elektrobus ist, könnte er seine Energie zumindest teilweise aus Photovoltaik-Anlagen gewinnen, die entlang der Strecke und in seinem Dach verbaut sind.

Das Projekt sei ferner ausgesprochen günstig, argumentiert die Firma. Die Investitionskosten lägen pro Kilometer bei 50 Millionen Yuan (5,58 Millionen Euro) - "zehn Prozent der Investitionskosten für U-Bahnen". Ein 40-Kilometer-Netz könne in nur einem Jahr aufgebaut werden.

Läuft der Bus erst mal, sei er nur noch ein Drittel so teuer wie die Autobus-Konkurrenz. Auf Hauptverkehrsadern will HS Future so die Verkehrsstaus "um 25-30 Prozent" verringern. Und erst die hohe Fahrsicherheit: ein Umkippen sei "unwahrscheinlich", bei Unfällen im Bus-Bauch seien die Fahrgäste im Stockwerk darüber nicht in Gefahr.

Was das Konzept so attraktiv erscheinen lässt, ist seine einfache Umsetzbarkeit: Statt ganz neuer Anlagen müssten nur Schienen rechts und links der Straßen verlegt werden. Die Passagiere steigen an Fußgängerbrücken ähnlichen Haltestellen zu oder aus.

Ein Testlauf "in naher Zukunft" soll nun zeigen, ob der 3-D-Schnellbus nur ein verrücktes Hirngespinst oder ein tragfähiges Zukunftsprojekt ist. Bis dahin darf man den Vergleich mit einem anderen etwas wahnsinnigen Transportprojekts wagen: Der U-Bahn, die niemals Halt macht - selbst wenn Passagiere zusteigen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Es geht auch anders
hubert_hummel 04.08.2010
In Deutschland und Mexiko hat sich eine andere Lösung bewährt: die Fahrbahn VERENGEN und dafür eine zusätzliche Busspur einführen. Seit der Ku'damm nur noch einspurig befahrbar ist, gibt es dort - paradoxerweise - so gut wie keinen Stau mehr.
2. Nur so...
vhf 04.08.2010
Mit dem Platz, den die Schienen wegnehmen, koennte man doch locker eine ganz normale zweispurige Strassenbahn bauen, oder? Was ist daran so schlimm, dass die Autos dann dran vorbei anstelle von drunter lang fahren?
3. Interessant
lalito 04.08.2010
Bilder und Animationen sind die globale Sprache. Interessante Ideen die um Investoren buhlen. Wenn es sich rechnet dann zieht das Konzept. Die gesamten Kleinigkeiten einer Infrastruktur wie Ampeln, Schilder, Lampen ect. sind auf die rasenden Tunnels abzustimmen - ginge da wo man neu baut. Hier wäre aufgrund der Genehmigungsverfahren mit Projektbeginn frühestens im nächsten Jahrhundert zu rechnen. Die Nonstop-Bahn ist eine smarte Idee, nur bei den Stoßzeiten wohl bisschen unflexibel.
4. ----
Poisen82, 04.08.2010
Zitat von vhfMit dem Platz, den die Schienen wegnehmen, koennte man doch locker eine ganz normale zweispurige Strassenbahn bauen, oder? Was ist daran so schlimm, dass die Autos dann dran vorbei anstelle von drunter lang fahren?
Man könnte es so machen wie sie es vorschlagen, aber das wäre eindeutig weniger cool.
5. ?
Scorpio2002 04.08.2010
Zitat von Poisen82Man könnte es so machen wie sie es vorschlagen, aber das wäre eindeutig weniger cool.
Es ist nicht nur weniger cool, sondern auch die bessere Lösung. Ein Schienenfahrzeug hat einen entscheidenden Nachteil, bleibt es liegen ist die Strecke für alle folgenden Fahrzeuge gesperrt. Was macht man also bei einer Baustelle auf der Strecke, einem liegengebliebenen Brückenbus oder aber einem sonstigen Hindernis. Und vor allem was passiert, wenn ein PKW unvorhergesehen die Spur wechselt und es zu einer Kollision kommt? Zum einen dürfte es zu erheblichen Beschädigungen am PKW kommen, möglicherweise auch Verletzungen für den PKW-Fahrer und das Brückenfahrzeug könnte entgleisen. Mein Fazit, interessanten und futuristisches Design, aber es gibt bereits heute bessere Lösungen.
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