Abgewürgt: Die letzten Tage von Pompös

Von Tom Hillenbrand

Riesig, klotzig, durstig: Der Hummer galt bislang als König der Geländewagen. Jetzt möchte General Motors das zunehmend unverkäufliche Trumm dringend loswerden. Das ist erst der Anfang vom Ende - die peinliche Ära der Sports Utility Vehicles neigt sich ihrem Ende entgegen.

Neulich stand ich vor einem Münchner Parkhaus hinter einem Cadillac Escalade. Das Monster hatte wegen seiner pompösen Abmessungen Probleme, durch die eigentlich üppig bemessene Einfahrt zu kommen. Irgendwann beugte sich der Fahrer mit dem ganzen Oberkörper aus dem Fenster. Die arme Wurst kam wegen der hohen Sitzposition nicht an den Ticket-Schlitz.

Ob Toyota Rav4, Porsche Cayenne oder Audi Q7 - moderne Geländewagen sind Karikaturen richtiger Autos. Das letzte Mal passierte so etwas in den Fünfzigern, als durchgeknallte US-Designer in einen absurden Wettbewerb um die größtmögliche Heckflosse traten. Wenn ich einen Cadillac Eldorado von 1959 sehe, muss ich stets schmunzeln. Haben die Menschen einst tatsächlich solche wahnwitzigen Autos gebaut? Mit surfboardartigen Aufbauten? Und sind sie dann mit ernsten Mienen darin herumkutschiert?

Hummer H3: So cool wie eine C-Klasse mit Flügele und Schwellern

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Ähnlich wird es uns in dreißig Jahren mit dem Cadillac Escalade und seinen übergewichtigen Geschwistern gehen. Dann wird uns klar werden, wie grotesk unsere Karossen früher waren. Wie die Dinosaurier sind unsere Pkw immer größer geworden. Und jetzt sterben ein paar von ihnen hoffentlich endlich aus.

"Im Moment", hat der Modedesigner Tom Ford neulich angemerkt, "durchlaufen wir eine Phase, in der alles dick ist - Menschen, Autos, Brillen, Lippen, Titten. Alles ist aufgeblasen." Es spricht vieles dafür, dass dieser Trend bei Fahrzeugen vorbei ist.

Der Hummer ist nur das erste Opfer

Bester Beleg ist der Niedergang der SUV-Ikone Hummer. General Motors hat am Dienstag angekündigt, den Kultklotz loswerden zu wollen. Außerdem macht der größte US-Autohersteller vier Fabriken dicht, die SUVs und Pickups fabrizieren - weil ausgerechnet die amerikanische Stammkundschaft derartige Fahrzeug nicht mehr kauft. Der Absatz des Hummer H3 etwa brach im Mai um 60 Prozent ein.

Das ist vermutlich erst der Anfang des Dinosterbens. Drei Entwicklungen könnten dem Hummer und seinen fetten Freunden erfreulich rasch den Garaus machen. Da ist zum einen der Spritpreis, der SUVs zu einem extrem teuren Vergnügen macht. Die Benzinkosten eines Porsche Cayenne Turbo liegen im Stadtbetrieb inzwischen bei mehr als 35 Euro je 100 Kilometern. Da ist bei jedem Anfahren an der Ampel ein Euro futsch.

Menschen, die locker über 100.000 Euro für ein Auto hinlegen, könnten das vielleicht noch verschmerzen. Hinzu kommt aber, dass fast alle westlichen Industrienationen Geländepanzer inzwischen ächten: Die Niederlande erheben auf einen 385-PS-Allradler eine Strafsteuer von 38.186 Euro. Da spüren selbst Star-Anwälte ein Stechen in der Hüftgegend. Auch Stadtfahrten mit dem SUV sind kein Vergnügen mehr. Wer etwa mit seinem Cayenne aus dem Londoner Schicki-Stadteil Chelsea in die City walzt, zahlt demnächst 33 Euro. Für einen Tag, wohlgemerkt.

So stilsicher wie Sandalen mit Socken

Die Reaktion der Autoindustrie wirkt ziemlich hilflos. Sie wirft kleinere Geländewagen wie den Audi Q3 auf den Markt. Auch den todgeweihten Hummer sollte eine Schrumpfkur retten. Noch im Januar zeigte GM in Detroit den HX. Der Juniorpanzer kommt mit nur 304 PS und einem 3,6-Liter-Motor aus. In der absurden Welt der Allradler gilt das als Mäßigung. Das ist etwa so, als würde Keith Richards ankündigen, künftig nur noch mit einer Flasche Jack Daniel's pro Tag auszukommen.

Helfen wird es nichts. Umbringen werden den SUV nämlich nicht seine Verbrauchs- sondern seine schwindenden Sympathiewerte. Hallo, Ihr Architekten aus Grünwald, Ihr Kommunikationsberater aus Pöseldorf? Ist euch eigentlich schon aufgefallen, dass die Mehrheit der Bevölkerung Eure Wagen für mordspeinlich hält?

Vor zehn Jahren war ein Hummer vielleicht einmal der Gipfel der Coolness. Heute ist dem SUV-Kapitän dagegen Hohn und Spott sicher. In London werden große Geländewagen als "Chelsea Tractor" veräppelt. Zu recht. Stars mit Stil wie George Clooney haben das schon vor längerem begriffen. Sie würden im Traum nicht daran denken, in solch einen Klotz vorzufahren (Clooney hat ein Elektroauto). Zuletzt zockelte nur noch Franjo Pooth in seinem weiß lackierten Hummer die Düsseldorfer Kö auf und ab - ein klarer Kontraindikator.

Schon bald werden die fetten Autos verschwinden. Wenn dann auch noch die dicken Brillen und die dicken Lippen das Zeitliche segnen, wäre das nicht nur ein Sieg der Ökologie, sondern auch einer des guten Geschmacks.

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1. So stilsicher wie Sandalen mit Socken
Barbapapa 04.06.2008
Heidi Klum is everywhere.
2. SUV + Spritfresser --> runter damit von der Straße
gsfx 04.06.2008
Zitat von sysopRiesig, klotzig, durstig: Der Hummer galt bislang als König der Geländewagen. Jetzt möchte General Motors das zunehmend unverkäufliche Trumm dringend loswerden. Das ist erst der Anfang vom Ende - die peinliche Ära der Sports Utility Vehicles neigt sich ihrem Ende entgegen. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,557662,00.html
Na endlich. Mal schauen, wann die Botschaft auch in Ingolstadt, Wolfsburg, Stuttgart, Zuffenhausen und München ankommt. Meiner Ansicht nach sind Q7, X5, Touareg, M-Klasse, Cayenne und wie sie alle heißen total überflüssige Autos. Man möchte fast meinen, dass diese Fahrzeuge von Männern gefahren werden, die andere (körperliche) Mängel kompensieren müssen. Zielgruppe Nummer 2 von SUVs: Frauen ohne Selbstbewusstsein, denen schon der Gedanke an den Straßenverkehr schlaflose Nächte bereitet. Was soll diese Zielgruppe denn jetzt fahren? Da werden bald ganze Horden von Menschen den Psychatern dieser Welt ihr Leid klagen. Hoffen wir, dass die Botschaft bald noch weiter geht und auch die Hersteller konventioneller Kfz merken, dass wir nicht 500 PS im Audi A4 benötigen, sondern effiziente, sichere und vor allem sparsame Fahrzeuge.
3. was solls....
acitapple 04.06.2008
ich konnte diesen dingern noch nie was abgewinnen. mit nem rav4 oder einem land rover defender könnt ich mich ja noch irgendwie anfreunden (fürs gelände), wenn ich aber sehe, daß man bei einem "geländewagen" wie dem touareg fürs gelände extra geländereifen aufziehen muß, finde ich das recht lächerlich. dann am besten noch mit 88-zoll-chromfelgen usw... schon die groteske tatsache, daß solche dinger bis 280km/h stabil laufen, aber auf einem feldweg krepieren...naja, aber dann "sports" utility vehicle - schon klar. wems gefällt.
4. Wenn
abita 04.06.2008
ich sehe, wie junge Mütter ihre Sprösslinge mit einem Porsche Cayenne in die ca. 200 Meter weit entfernte Schule bringen, dann wird es Zeit diesen Ökoblödsinn zu stoppen.
5. Die schwärfsten Kritker der Elche ...
drefa 04.06.2008
...waren frueher selber welche. Nun ruempfen sie wieder alle das gepuderte Naeschen und fahren super oekologisch mit ihrem Elekroauto herum. Grad als obs noch was nuetzen taet. Weil, diesen Sommer ist Klimaschutz voll trendy.
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  • Mittwoch, 04.06.2008 – 16:05 Uhr
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