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Abgewürgt: Mit dem Phaeton zum Aldi

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Er hat keine Grandezza und ist so wertbeständig wie ein koreanischer Laptop: Als Neuwagen ist VWs Luxuslimousine Phaeton eine ziemliche Enttäuschung. Als Gebrauchter ist das Auto hingegen ein Schnäppchen - mit Features, die eigentlich jede Familienkutsche haben sollte.

Es gibt Geldanlagen, mit denen man sein Vermögen besonders schnell eindampfen kann. US-Immobilienfonds gehören dazu, Aktien von Daimler - und der VW Phaeton. Der Wagen ist ein Phänomen: Kein in Deutschland angebotenes Auto verliert rascher an Wert als die Luxuslimousine aus Wolfsburg. Wer sich diese 100.000-Euro-Kutsche zulegt, verliert binnen zwei Jahren laut Schwacke-Prognose - Ka-Tsching! - die Hälfte seines Einsatzes. Nach drei Jahren ist der Phaeton - Ka-Tsching! - nur noch ein Drittel wert. Da sind Bobby-Cars wertbeständiger. Am raschen Verschleiß kann es kaum liegen - die Qualität des Phaeton ist tiptop. Das Problem ist eher, dass Käufer einer Oberklasse-Limousine auch Grandezza, Status und Blingbling erwerben wollen. Der etwas dröge geratene Phaeton versprüht jedoch den Charme eines Sparkassen-Filialleiters. VW-Nestor Ferdinand Piëch wollte für VW unbedingt ein Luxusgefährt - doch es war von vornherein keine gute Idee, Luxus und Volkswagen zu kombinieren. Das ist so, als ob C&A versuchte, 3000-Euro-Anzüge zu verkaufen.

Ferdis Resterampe

Weil der Phaeton nicht nur als Neuer mäßig läuft, sondern sich vor allem als Gebrauchter mies weiterverkauft, ist im Internet eine beeindruckende Entwicklung zu beobachten: Man bekommt Phaetons regelrecht hinterhergeschmissen. Auf der Gebrauchtwagenplattform Mobile.de etwa sind Hunderte Fahrzeuge im Angebot, viele davon für deutlich unter 20.000 Euro.

Angesichts der Tatsache, dass man für einen neuen Golf mit ein bisserl Schnickschnack mehr hinblättern muss, ist der gebrauchte Luxusliner ziemlich verlockend. Einen scheckheftgepflegten Phaeton mit V6-Motor, Lederausstattung und zahllosen Extras fand ich für 16.900 Euro. Das Auto hatte nicht einmal 100.000 Kilometer auf dem Buckel. Selbst die V8-Variante gab es, mit 76.000 Kilometern im Jahr fünf nach der Erstzulassung für unter 20.000 Euro.

Der Haken sind natürlich die laufenden Kosten, die denen eines 7er BMWs oder einer Mercedes S-Klasse entsprechen. Andererseits bietet sich hier die seltene Gelegenheit, ein Auto zu fahren, wie man es als Normalsterblicher sonst nie zu sehen bekommt. Beim Test des Phaeton V8 war ich schwer beeindruckt. Auf dem Armaturenbrett und am Lenkrad zählte ich insgesamt 76 Knöpfe und Schalter. Außerdem zwölf Airbags.

Zwölf! Ich bin mir nicht sicher, ob ich derart viele Sockenpaare besitze. Dem Datenblatt entnahm ich fernerhin, dass der Wagen nicht nur ESP und ABS hat, sondern auch EBV, ASR und ADR. Vermutlich kann man diese esoterischen Funktionen über die 76 Buttons ein- und ausstellen. Ich bin nicht ganz dahintergekommen.

Der Kofferraum ist wahrer Luxus

Eigentlich ist mir dieser Klimbim auch schnurz - als Familienkutsche ist der Phaeton aber auf jeden Fall interessant. Mit seinen 5,06 Metern ist er zwar etwas lang und passt bei Aldi nur schlecht in die Parklücke. Sein Fahrverhalten ist jedoch tadellos, und die in meinem Testvehikel enthaltene Multimedia-Konsole wäre ideal, um nölende minderjährige Hinterbänkler während der Fahrt ruhigzustellen. Und falls das nichts hilft, dann sind da ja auch noch die 76 Buttons, mit denen sich Kinder ebenfalls eine Weile beschäftigen können.

Der leise V8-Motor ist ebenfalls ein Traum, das gleiche gilt für die Beschleunigung. Etwas beunruhigend ist lediglich die Display-Anzeige "Momentaner Verbrauch". Beim lustvollen Durchtreten des Gaspedals springt sie mitunter auf über 45 Liter. Der kombinierte Verbrauch liegt bei 12,1 Litern - aber wo gehobelt wird, fallen eben Späne. Wenn eine vierköpfige Familie sowie die monatlichen Grundnahrungsmittel-Einkäufe vom Discounter an Bord sind, müssen eben 2,5 Tonnen bewegt werden.

Das allerbeste am Phaeton ist jedoch sein Kofferraum. Er allein ist meines Erachtens ein Kaufgrund und rechtfertigt es, über den obszönen Spritverbrauch hinwegzusehen. Auf dem Schlüssel befindet sich ein Knopf, nach dessen Betätigung sich die Heckklappe wie von Geisterhand öffnet. Ich stand beim ersten Mal mehrere Minuten dümmlich grinsend am Heck und ließ die Klappe immer wieder auf und zu fahren.

Es war fantastisch. Wer schon einmal mit Einkaufstüte, Anzügen von der Reinigung und einem greinenden Kleinkind auf dem Arm fluchend vor seinem Kofferraum gestanden hat, der versteht, das solch ein Deckelservo nicht mit Gold aufzuwiegen ist. Wieso hat der neue Golf VI so etwas eigentlich nicht? Vermutlich, damit wir alle die alten Phaetons kaufen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 139 Beiträge
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1. Piechs Denkmal
Mojito Diver 06.08.2008
Der Phaeton ist das in Blech gepresste Denkmal eines größenwahnsinnigen Mannagers der deutschen Industrie und "fährt" für das selbstherrliche Schalten und Walten dieser Egomanen. Man möchte nicht wissen, wieviel Arbeitsplätze dieses Projekt gekostet hat. Anstatt ein ökologisches und ökonomisches Fahrzeug der Zukunft zu konstruieren und zu bauen, welches in riesigen Stückzahlen weltweit vertrieben werden wird, läßt ein diktatorischer Psychomane ein Modell auf die Kundschaft los, welches niemand braucht. Stattdessen fahren den deutschen Arbeitnehmern und Arbeitslosen ein Aygo, Fiat500 oder Toyota iQ um die Ohren. Und wer unbedingt ein Ersatzphallus in Garage und auf linker Autobahnspur haben will, könnte im Konzern auch einen A8 oder Q7 kaufen. Wofür steht Q7? Für IQ 7.
2. Einfach nur dümmlich
desireless, 06.08.2008
Dieser schlecht recherchierte Artikel zeigt dem halbwegs informierten Leser auf groteske Art und Weise, wie einzig und allein die Schwacke-Liste zum Inspirieren solcher Stammtischparolen herhält. Der Phaeton wurde im gleichen Zeitraum seit Markteinführung öfter verkauft als der A8, der am Anfang den gleichen Spott über sich ergehen lassen musste. Und dass Luxus und VW nicht zusammenpassen ist ebenfalls falsch. Der Touareg im gleichen Preissegment - mit Preisen bis über 100.000 € - verkauft sich prächtig. Das Problem des Phaeton ist gleichzeitig das Problem anderer Luxusklassen. "Das Problem ist eher, dass Käufer einer Oberklasse-Limousine auch Grandezza, Status und Blingbling erwerben wollen." Das wollen auch Menschen erwerben, die so etwas selber nicht haben - aus dem entsprechenden Milieu. Das führt dazu, daß der Phaeton kaum als tiefergelegtes, verspoilertes ungetüm in Rotlichtvierteln herumfährt so wie es bei den etablierten Marken üblich ist. Der niedrige Preis ist das einfache Resultat aus niedriger Nachfrage und hohem Angebot, ein Problem das andere Marken genauso haben und auf andere Art und Weise kaschieren. Der Fahrzeugtyp Luxuxlimousine ist eben gerade nicht in Mode aufgrund der sich ändernden Steuergesetze, geringerer Budgets für Fahrzeugflotten in Unternehmen und CO2-Diskussionen. Aber wie will man das einem erzählen, der zum erstem mal in seinem Leben eine Servo-Kofferraumschließung sieht, dies es schon seit über 6 Jahren gibt. Wer auch noch zugibt, immer im Golf zum Discounter zu fahren, sollte solche Artikel besser nicht schreiben.
3. hehehe
K1llaH 06.08.2008
Klasse Artikel ! Der Verbrauch wäre pers. mir zu hoch, aber trotzdem sehr nett !
4. Grandezza bei BigCars?
ichbinesnur 06.08.2008
Sehr schön beschrieben, das Phaenomen Phaeton, aber ich denke, diese Entwicklung wird sich bald auch bei den anderen "Premiumherstellern" (negatives Umweltimage) zeigen, obwohl hier das Markenimage (noch immer) zieht. Vielleicht kriegen wir dann auch bald die restlichen BigCars und SUV's beim Aldi, Lidl o.ä. dazu?! Dann brauchen wir wenigstens keine Tüten mehr!!
5. -
werner51, 06.08.2008
Zitat von Mojito DiverDer Phaeton ist das in Blech gepresste Denkmal eines größenwahnsinnigen Mannagers der deutschen Industrie und "fährt" für das selbstherrliche Schalten und Walten dieser Egomanen. Man möchte nicht wissen, wieviel Arbeitsplätze dieses Projekt gekostet hat. Anstatt ein ökologisches und ökonomisches Fahrzeug der Zukunft zu konstruieren und zu bauen, welches in riesigen Stückzahlen weltweit vertrieben werden wird, läßt ein diktatorischer Psychomane ein Modell auf die Kundschaft los, welches niemand braucht. Stattdessen fahren den deutschen Arbeitnehmern und Arbeitslosen ein Aygo, Fiat500 oder Toyota iQ um die Ohren. Und wer unbedingt ein Ersatzphallus in Garage und auf linker Autobahnspur haben will, könnte im Konzern auch einen A8 oder Q7 kaufen. Wofür steht Q7? Für IQ 7.
Keine Ahnung. Da sich sich aber in diesen Regionen bewegen, gestehe ich Ihnen das bessere Urteil zu.
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