Acabion Der Plan von der Abschaffung der Flügel

Peter Maskus hat einen Traum. Er träumt davon, dass sich Individualreisende dereinst mit Tempo 450 über spezielle Hochstraßen bewegen. Das nötige Fahrzeug dazu entwickelt er gerade. Acabion heißt sein Miniflitzer fürs 21. Jahrhundert.

Von Jürgen Pander


Rund 120 Jahre nach der Erfindung des Automobils sei es allmählich an der Zeit, ein fundamental neues Vehikel für den individuellen Transport zu nutzen. So ungefähr lässt sich die Motivation zusammenfassen, mit der Peter Maskus sein Projekt Acabion vorantreibt. Rund 30 Millionen Euro hat der 45-jährige Ingenieur, der seinen Beruf schon für Mercedes, Porsche und BMW ausübte, nach eigenen Angaben in den vergangenen zwölf Jahren in das Zukunftsmobil gesteckt. Beim Genfer Auto-Salon stellt er das stromlinienförmige Gefährt nun erstmals einer breiten Öffentlichkeit vor.



Die Grundidee scheint nicht neu. "Schmal statt breit, leicht statt schwer, wahrhaft bionisch und strömungsgünstig statt aerodynamisch unförmig" - so sollte nach Maskus' Worten das Individualfahrzeug der neuen Generation entwickelt werden. "Es ist Ausdruck eines neuen Denkansatzes." Er konstruierte einen Zweisitzer, der aussieht wie ein Segelflugzeug, dem Flügel und Leitwerk gekappt wurden. Die Konstruktionsprinzipien stammen aus dem Flugzeugbau, doch weil das Modell später im Straßenverkehr mitmischen soll, finden derzeit die nötigen Abnahmen beim TÜV statt. Denn natürlich soll kein plumper Außenspiegel die perfekte Form stören, kein Blinker sich über die Kunststoffhaut wölben.

Weil der Fahrer aber dennoch erkennen muss, was hinter dem Acabion vor sich geht und weil ein Blinker im Alltagsverkehr durchaus zweckmäßig ist, wird derzeit nach innovativen Lösungen gesucht, die Ästhetik, Hightech und Straßenverkehrsordnung in Einklang bringen.

Wer will, erhält bis zu 700 PS Motorleistung

Im derzeitigen Prototypen, der auch in Genf stehen wird, leistet ein durch einen Turbolader aufgezwirbelter Suzuki-Motorrad-Motor zirka 360 PS. Es seien auf Kundenwunsch sogar 700 PS möglich, teilt Maskus mit. Doch das wird gar nicht nötig sein. Schon die 360-PS-Version wird aufgrund ihrer nur 359 Kilogramm Leergewicht und eines cW-Wertes von 0,18 bis zu 450 km/h schnell, ehe die Beschleunigung elektronisch abgeregelt wird. In diesen Bereichen ist das Acabion als Zweirad unterwegs. Die beiden Stützräder - offiziell als Landefahrwerk bezeichnet - bleiben nur bis 30 km/h ausgeklappt.

Bei Testfahrten auf einem Flugplatz in Groß Dölln in der Nähe von Berlin wurden nach Auskunft eines Firmensprechers Geschwindigkeiten bis zu 360 km/h erreicht. Der Clou des Acabion ist aber nicht das schiere Tempo, sondern der dabei sehr niedrige Verbrauch. Zwar teilt Maskus keine konkreten Zahlen mit, sagt aber, dass das Acabion bei "beispielsweise 200 km/h weniger als die Hälfte des Treibstoffverbrauches eines aktuellen Hightech-Diesel-Kompaktautos aufweist".

Bis zur Straßenzulassung sei es nur noch ein kleiner Schritt, heißt es. In Genf hofft Maskus, dessen Firma Mikova Systems im schweizerischen Root bei Luzern beheimatet ist, auf erste Kunden. Noch in diesem Jahr, so die offizielle Auskunft, könne das erste Kundenfahrzeug ausgeliefert werden. Der Preis dürfte sich irgendwo in der Gegend von 500.000 Euro einpendeln. Getüftelt und gebaut wird am Acabion bislang dezentral: Der Motor stammt aus England, manche Teile aus der Schweiz. Die Endmontage findet in Steinwand in der Rhön statt.

Spezielle Stelzen-Straßen für das Acabion

Selbstverständlich ist dem Visionär Maskus nicht entgangen, dass ein Acabion mit Tempo 300 oder mehr im normalen Straßennetz ein arger Fremdkörper wäre. Also entwarf der Ingenieur ein zum Fahrzeug passendes Verkehrswegesystem gleich mit. Er träumt davon, dass sich in einigen Jahrzehnten Acabion-Modelle auf schmalen, auf Stelzen angebrachten Fahrbahnen über weite Strecken schnell und bei Bedarf automatisch fortbewegen. Alle Autos würden mit Hightech-Elektronik "bereits für einen späteren vollautomatischen Betrieb auf langen Strecken vorbereitet", so Maskus.

Zusätzlich erhält jedes Modell neben dem scharfen Suzuki-Motor noch einen Elektroantrieb für den umweltfreundlichen Kurzstreckenbetrieb. Zum Beispiel, wenn der Reisende der Zukunft nach einer rund zweistündigen Acabion-Reise von Hamburg nach Paris noch ein wenig die Champs-Elysées auf und ab fahren möchte. Obwohl er schon Tausende von Entwicklungsstunden in sein Lebenswerk gesteckt hat und noch immer ziemlich am Anfang steht, ist Peter Maskus davon überzeugt: "Das Acabion ist der mobile Trendsetter des 21. Jahrhunderts."

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