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ADAC-Analyse: Autohersteller machen es Tacho-Betrügern leicht

Manipulationsgerät: Weniger Sekunden reichen, und der Gebrauchte ist wie neu Zur Großansicht
ADAC

Manipulationsgerät: Weniger Sekunden reichen, und der Gebrauchte ist wie neu

Durch Tacho-Tricksereien entsteht ein Schaden von sechs Milliarden Euro pro Jahr. Ein simples Gerät und 30 Sekunden reichen, um die Kilometerleistung zu halbieren. Der Gebrauchtwagen-Käufer ist der Dumme.

Hamburg/München - Autohersteller schützen ihre Modelle unzureichend gegen Tacho-Tricksereien. Zu diesem Schluss kommt eine gemeinsame Analyse des ADAC mit der Uni Magdeburg, die der Verkehrsclub heute in München vorgestellt hat. "Viele Autos sind bereits ab Werk für Manipulationen vorbereitet", kritisieren die Experten. Die Elektronik beinhalte nur unzureichend abgesicherte Software-Funktionen und biete demzufolge keinen vernünftigen Schutz. Und das, obwohl es problemlos möglich sei, die Fahrzeuge besser zu sichern. Für die Studie haben die Wissenschaftler einen Audi Q7, eine Mercedes E-Klasse und einen VW Passat untersucht.

Tatsächlich zählen Tacho-Manipulationen in Deutschland zum Volkssport - zu Lasten der Gebrauchtwagenkäufer. Die Folgen sind immens: Laut Polizei beläuft sich der volkswirtschaftliche Schaden auf etwa sechs Milliarden Euro jährlich, jeder dritte Gebrauchtwagen ist betroffen.

Dabei wäre der Kampf gegen Tacho-Trickser weder teuer noch aussichtslos: Die Autohersteller und Zulieferer müssten nur aktuelle Sicherheitstechnik einsetzen, so der ADAC. Einige von diesen Technologien seien schon heute in den Steuergeräten der Fahrzeuge integriert, aber nicht aktiviert. Pro Auto bedeute ein besserer Schutz Mehrkosten von etwa einem Euro.

Hersteller liefern sich mit Tacho-Tricksern einen Wettstreit

Der ADAC führt die mangelhafte Sicherung des Kilometerzählers unter anderem auf die Probefahrten zurück, welche die Hersteller vor der Fahrzeugauslieferung zur Qualitätskontrolle unternehmen. Anschließend werden die Kilometer gelöscht, um den Kunden ein Auto wie frisch aus der Fabrik zu übergeben. Und weil den Autobauern kein Schaden durch die Tacho-Trickser entsteht, sei ihr Interesse an einer Lösung des Problems gering. Damit steht das Einfallstor für Betrüger offen.

Ein Daimler-Sprecher wehrt sich gegen die Vorwürfe: "Bei jeder neuen Fahrzeuggeneration bauen wir die aktuell modernsten Systeme ein", sagt er. "Das Aufrechterhalten des Manipulationsschutzes ist ein ständiger Wettlauf zwischen der gesamten Automobilindustrie und den Betrügern."

Bei diesem Wettstreit haben die Verbrecher offenbar einen Vorsprung: Innerhalb nur weniger Sekunden lassen sich die meisten Autos drastisch verjüngen. Dazu muss der Täter nur einsteigen, ein Manipulationsgerät an die Diagnose-Buchse des Autos anschließen, den neuen Kilometerstand eingeben. Das war es meist dann schon. Die Manipulationsgeräte sind dazu noch frei im Internet erhältlich. Selbst Laien können diese bedienen, sagt der ADAC.

ADAC fordert strengere Vorschriften

Die Fälle von manipulierten Kilometerständen sind oft spektakulär. So entdeckte die Polizei im Rahmen einer großangelegten Razzia im Jahr 2011 einen BMW in München mit 700.000 Kilometern, der mit 150.000 Kilometern auf dem Tacho verkauft wurde. Mehr als 500 Polizeibeamte durchsuchten damals 150 Werkstätten und Wohnungen in Deutschland und dem europäischen Ausland.

Der ADAC hat eine Initiative gegen Tacho-Betrug ins Leben gerufen. Der Verkehrsclub setzt sich dafür ein, den Kilometerzähler in die EU-Typgenehmigung aufzunehmen. Bisher gibt es nämlich keine Vorschriften, wie ein Tacho auszusehen hat. Laut Gesetz, so der ADAC, müsste er nicht einmal im Auto eingebaut sein.

mhu

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insgesamt 70 Beiträge
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    Seite 1    
1. Nachfrage an alle
Monsterkuh 28.10.2013
Wie kann man in einem solchen Fall den volkswirtschaftlichen Schaden errechnen?
2. Wo liegt das Problem ?
galaxy2525 28.10.2013
Fakt ist, dass anscheinend keiner will, dass Tacho-Betrug nicht mehr möglich ist. Denn die technische Lösung ist mehr als simpel und einfach. Doch dazu muss man nur wollen. Aber will da jemand wirklich ? Ach ja, falls jemand einen Tipp braucht, wie die technische Lösung ausschaut: einfach mal in Richtung Infrastruktur Mobilfunk schauen. Und einfach mal über den Tellerrand schauen. Und auch hier gilt wieder: Die Bürger sollen für dumm verkauft werden, dass es keine Möglichkeit gibt, Tacho-Betrug einzudämmen.
3. Recherche und Formulierung
RobMcKenna 28.10.2013
Liebe SpON-Redaktion, bitte besser recherchieren bzw. formulieren! Selbstverständlich ist ein Tacho in PKW in Deutschland vorgeschrieben - siehe § 57 StVZO (dort im schönsten Amtsdeutsch "Geschwindigkeitsmessgerät" genannt.) Was in der Tat nicht zwingend vorgeschrieben ist, ist ein "Wegstreckenzähler" um dessen Manipulation es hier geht.
4. Tacho-Betrug
rolandjulius 28.10.2013
Volkswirtschaftlich total irrelevant, denn der Betrüger bekam doch sein Geld, und der wohnt ja im selben Land
5. Km-Zählerrücksetzungen lohnen sich nur....
zensorsliebling 28.10.2013
bei Leasingfahrzeugen oder - wenn es um normale Gebrauchtwagen geht - bei erheblichen Strecken. Wer nicht komplett blind nach Km-Stand kauft findet schon noch Anhaltspunkte, die die tatsächliche Laufleistung in etwa nachvollziehbar machen. Klar versuchen viele Fähnchenhändler ihre alten Mähren als Rentnerfahrzeug dastehen zu lassen. Wer aber einen 530d mit 6 Jahren und 15000km kauft ist selber Schuld.
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