Drohende Fahrverbote ADAC beweist Wirksamkeit von Dieselnachrüstungen

Technische Nachrüstungen können gebrauchte Dieselautos um bis zu 70 Prozent sauberer machen, ergaben Messungen des ADAC. Die Autoindustrie will davon trotzdem nichts wissen.

Dieses Bauteil wurde im Zuge der Umrüstung im Motorraum eines Testfahrzeuges eingebaut.
DPA

Dieses Bauteil wurde im Zuge der Umrüstung im Motorraum eines Testfahrzeuges eingebaut.


Eine um 25 Prozent bessere Luftqualität in Städten, bis zu 88 Prozent weniger Stickoxide aus dem Auspuff: Die Hardware-Nachrüstung von Euro-5-Dieseln könnte laut ADAC die Luftqualität enorm verbessern. Das hat der Autoklub in einer Untersuchung errechnet. "Der Test hat die Fake News der Industrie endgültig widerlegt: Hardware-Nachrüstung funktioniert", sagte Dieter Roßkopf, Chef des ADAC Württemberg.

Für die Untersuchung wurden vier Testfahrzeuge mit einem sogenannten SCR-System ausgestattet. Bei diesen Systemen werden Stickoxide mithilfe von Harnstofflösung, sogenanntem AdBlue, zu großen Teilen in harmlosen Stickstoff und Wasserdampf umgewandelt. Innerorts sank der Stickoxidausstoß der Testfahrzeuge dadurch um bis zu 70 Prozent, außerorts sogar um bis zu 88 Prozent.

Autoindustrie hält an Softwarelösung fest

Die Autoindustrie setzt bisher allerdings auf eine Softwarelösung, sie soll eine Reduzierung der Stickoxide von etwa 25 bis 30 Prozent bringen. Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) sieht die Hersteller deshalb in der Pflicht. "Sie haben immer gesagt: Geht nicht, funktioniert nicht, ist zu teuer. Jetzt ist bewiesen: Es geht, es funktioniert, es hat den doppelten Effekt wie eine Software-Nachrüstung." Seit Monaten stünden die Hersteller in der Kritik, sagte Hermann, nun müssten sie die Verantwortung und auch die Kosten übernehmen.

Die Kosten für eine Hardware-Nachrüstung sollen zwischen 1400 und 3300 Euro pro Fahrzeug liegen. Autohersteller wie VW und BMW bezweifeln das, sie gehen von höheren Kosten aus und lehnen deshalb auch über ihren Lobbyverein, den Verband der Automobilindustrie (VDA), Hardware-Nachrüstungen ab. Außerdem seien zwei bis drei Jahre nötig, um zu prüfen, ob Qualität und Sicherheit bei der Nachrüstung gewährleistet seien, hieß es beim Autohersteller Daimler, da es zu den Auswirkungen der Nachrüstung auf die Fahrzeugeigenschaften noch keine langfristigen Erkenntnisse gebe.

ADAC testete auch im normalen Verkehr

Bei den vom ADAC getesteten Autos handelte es sich um Gebrauchtwagen, in denen weitverbreitete Euro-5-Dieselmotoren mit unterschiedlichen Hubräumen verbaut sind: Umgerüstet wurden ein Mercedes B 180 CDI mit einem Hubraum von 1,5 Litern, ein Opel Astra CDTI Sports Tourer mit 1,7 Litern Hubraum, ein VW T5 Multivan 2.0 TDI sowie ein Fiat Ducato 130 Multijet 2,3 D. Dabei wurden die Emissionen der Fahrzeuge vor und nach der Umrüstung sowohl auf dem Prüfstand als auch im Realbetrieb auf der Straße getestet.

ene/dpa



insgesamt 339 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Baustellenliebhaber 21.02.2018
1.
Herauswinden wo es nur geht......man kann es nicht mehr hören liebe Autoindustrie. Es ist doch völlig klar das der Verbraucher in diesem Spiel mal wieder der Dumme ist.
OrgwMwerg 21.02.2018
2. Adac?
Wer glaubt noch dem ADAC?
herm16 21.02.2018
3. gerade der ADAC
dumme Frage, was ist eigentlich aus dem Motorschäden durch den E10 Kraftstoff geworden. Warum soll ich jetzt dem ADAC glauben?
werlesenkann 21.02.2018
4. Ich bin gespannt...
...was die zuverlässigsten und treuesten Interessenvertreter der Autoindustrie, Kraftfahrbundesamt und Verkehrsminister, dazu sagen werden. Die Marschrichtung sollte eigentlich klar sein: alle Dieselhersteller werden verpflichtet, diese Nachrüstungen kostenfrei zu installieren. Zuwiderhandlungen werden mit hohen Geldbußen belegt. Aber ich fürchte, das ist nur Verbraucher-Wunschdenken.
LapOfGods 21.02.2018
5. Na und?
Matthias Wissmann beweist Wirksamkeit von Lobbyismus.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.