Rücktritt von ADAC-Präsident Meyer Das reicht nicht

Peter Meyer tritt als ADAC-Präsident zurück - ist das der ersehnte Befreiungsschlag für den Autoclub? Überhaupt nicht. Will der Club endlich aus der Krise kommen, muss er drei Bedingungen erfüllen.

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Ex-ADAC-Präsident Meyer: Schaute bei vielen internen Skandalen weg
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Ex-ADAC-Präsident Meyer: Schaute bei vielen internen Skandalen weg


Der Rücktritt von ADAC-Präsident Peter Meyer sagt viel über das bisherige Selbstverständnis des ADAC: Meyer tritt zurück, aber nur ein bisschen. Denn - und da fasst man sich an den Kopf - Chef seines Heimatverbands Nordrhein will er bleiben. Im Klartext: Meyer will die Macht, aber keine Verantwortung übernehmen.

Der gelernte Speditionskaufmann, der sich so gerne im Glanz von Top-Managern der großen Autohersteller sonnte, hat es satt, länger den Kopf hinzuhalten "für Fehler und Manipulationen von hauptamtlichen Führungskräften". Dass die Verantwortung für das Handeln der Führungskräfte laut ADAC-Satzung zu seinen Aufgaben gehört, schreibt er in seiner Rücktrittserklärung nicht. In keinem einzigen Satz räumt er ein, Teil des Problems gewesen zu sein. Meyer bleibt selbst bei seinem Abschied selbstherrlich und uneinsichtig. Er trat erst zurück, als die Führungsspitze bereits seine Suspendierung beschlossen hatte.

Meyer ist also weg von der Spitze des ADAC. Das ist die gute Nachricht. Es ist aber nur ein erster Schritt, ein Aufatmen, das endlich einen ehrlichen Neuanfang erlaubt. Nun muss Europas größter Autoclub an seine verkrusteten Strukturen ran, vor allem an den Ämterfilz.

Der Club braucht eine neue Unternehmenskultur

Erst die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, wie viel von Meyer im ADAC tatsächlich steckt. Es war nicht der "Vereinsmeyer" allein, der großzügig mit Rettungshubschraubern durch die Gegend flog. Der es selbstverständlich fand, dass die netten "Gelben Engel" bei hilflosen Pannenopfern vielleicht noch intakte Batterien tauschten.

Nach dem Kommunikationschef Michael Ramstetter, der die Abstimmung beim "Gelben Engel" im großen Stil manipulierte, ist Meyer das zweite Gesicht der Krise. Es gibt aber noch ein weiteres: Geschäftsführer Karl Obermair. Auch er gehört in die Pflicht genommen.

Will der ADAC einen echten Neuanfang, kommt ein Kraftakt auf den Verein zu. Der Automobilclub gehört runderneuert wie ein abgefahrener Reifen.

Erstens: Der Verein und seine wirtschaftlichen Töchtergesellschaften müssen voneinander getrennt werden.

Zweitens: Es muss ein Aufsichtsgremium wie in einer Aktiengesellschaft eingerichtet werden.

Das ist die juristische und die wirtschaftliche Seite. Es gibt aber noch eine dritte Seite - und die kann nicht von Wirtschaftsprüfern oder Beratern verordnet werden: Der ADAC braucht eine neue Vereins- oder Unternehmenskultur.

Die vergangenen Wochen haben gezeigt, wie der als machtvoll gefürchtete Verein plötzlich hilflos dastand, als Mitarbeiter und Ehemalige auspackten. Sie hatten es statt, unterdrückt, übergangen oder von Vorgesetzten sogar angeschwärzt zu werden. Was über den Club nach außen drang, erinnerte an eine Firmen-Diktatur. Beim ADAC ist ein Klima der Angst verbreitet - offenbar so weit, dass sich die Informanten lieber den Medien als ihren Vorgesetzten anvertrauten.

Ob der ADAC verlorenes Vertrauen zurückgewinnen kann, drinnen wie draußen, hängt maßgeblich davon ab, wie konsequent er sich ändert. Ein Präsident, der zurücktritt, aber als Regionalfürst weiter geduldet wird, wäre ein Fehlstart.

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insgesamt 89 Beiträge
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Seite 1
Luna-lucia 10.02.2014
1. als Regionalfürst weiter geduldet
Zitat von sysopDPAPeter Meyer tritt als ADAC-Präsident zurück - ist das der ersehnte Befreiungsschlag für den Autoclub? Überhaupt nicht. Will der Club endlich aus der Krise kommen, muss er drei Bedingungen erfüllen. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/adac-kommentar-zum-ruecktritt-von-praesident-peter-meyer-a-952593.html
der dürfte nicht mal mehr zahlendes Mitglied sein! ER! hat ja diesen ganzen Mist zu verantworten. Sagt aber voll FEIGE auf Fragen in einer Talkshow, >>> davon weiß ich nix ... ist mir nicht bekannt ... darüber bin ich nicht unterrichtet worden ... ja wozu ist dann ein Chef beim ADAC noch notwendig? Jeder Helipilot wäre ein besserer Repräsentant! Denn die haben echt was drauf! Und sind Könner! Keine DUMMSCHWÄTZER wie dieser Meyer
nemesis_01 10.02.2014
2. Naja reicht ja auch,
als Präsident zurückzutreten. Als Regionalchef kann er doch weiter die Helis brummen lassen. Solange die Mitglieder zahlen, seh ich da kein Problem. Als ev. steht der ADAC juristisch auf der gleichen Stufe wie ein Taubenzüchterverein, will sagen die können da beschliessen was sie wollen, da haben die Mitglieder halt Pech, wenn die Mehrheit entschieden hat. Wenn die Satzung es hergibt, ist das eben so. Ausserdem ist die Kritik doch völlig überzogen. Selbst wenn die Herren da mal ein bisschen Heli fliegen, das war doch gut für die Kranken. Die konnten dann zu Fuss gehen und jeder weiss doch, frische Luft ist gesund.
ihawk 10.02.2014
3. Adac
Interessant dürfte doch sein, ob es persönliche Vorteilsnahme gab, die diese Manipulationen ermöglicht haben. Bei der intensiven Lobbyistenarbeit der Industrie halte ich das nicht für ausgeschlossen.
CHANGE-WECHSEL 10.02.2014
4. ADAC ist nur die Spitze des Eisbergs
So wie im wirtschaftlich geführten und Gewinn orientierten ADAC geht es doch in jedem Unternehmen zu. Es herrscht überall ein Klima der Angst. Deshalb auch die dramatisch steigende Zahl von psychisch kranken Mitarbeiter. Die Manager sind schon lange selbstherrlich und uneinsichtig, wie auch in diesem Artikel zu lesen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/bonus-zahlungen-der-commerzbank-sollen-gewinn-uebersteigen-a-952523.html Der ADAC ist nur die Spitze des Eisbergs.
Proggy 10.02.2014
5. Gut
dann kann ja unser ehemaliger BP Wulff das Amt übernehmen. Qualifiziert, ist er ja bekanntlich - und alles kann so weitergehen, wie bisher.
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