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ADAC-Manipulation: Experte kritisiert auch Pannenstatistik

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Pannenstatistik: Das Zuverlässigkeitsranking gerät ebenfalls in die Kritik

Nach Bekanntwerden der Manipulation beim Autopreis "Gelber Engel" geraten auch andere Methoden des ADAC ins Visier. Branchenkenner kritisieren vor allem das Vorgehen bei der Erhebung der sogenannten Pannenstatistik: Diese bilde nicht die Realität ab.

Die Kritik am ADAC, dem größten Automobilclub Europas, reißt nicht ab. Nach dem Geständnis, beim renommierten Autopreis "Gelber Engel" manipuliert zu haben, fordern Branchenkenner wie der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer eine völlig neue Organisationsstruktur. "Es gibt keine Kontrolle beim ADAC. Man schottet sich ab", sagte Dudenhöffer am Montag im "Bayerischen Rundfunk" und warf dem Verein "Arroganz und Selbstherrlichkeit" vor. Es gebe Verflechtungen, die mit der Unabhängigkeit von einer Testorganisation nichts zu tun hätten, sagte er.

Bereits in der Vergangenheit hatte Dudenhöffer, Professor an der Universität in Duisburg-Essen, dem Club Intransparenz vorgeworfen. Der Autoexperte kritisierte unter anderem die Pannenstatistik des Automobilclubs als nicht objektiv.

Die Statistik, die der ADAC seit 1978 jährlich erstellt, bilde hinsichtlich der Anzahl der Ausfälle nicht die Realität ab, lautete sein Vorwurf. Grund dafür seien sogenannte Mobilitätsgarantien, welche die Autobauer ihren Kunden anbieten. Bei diesen Angeboten wählen Kunden dieser Marke im Falle einer Panne nicht die Nummer des ADAC, sondern die des markeneigenen Pannenservices. Dieser beauftragt aber oft genug auch die Gelben Engel des ADAC, der mit den Herstellern kooperiert.

Eine kaum zu durchschauende Organisation

Der Knackpunkt: Pannen, die vom ADAC im Rahmen dieser Mobilitätsgarantien bearbeitet werden, fließen nicht mit in die Pannenstatistik ein. In gewisser Weise erhalten die Hersteller dadurch die Möglichkeit, das prestigeträchtige Zuverlässigkeitsranking völlig legal zu frisieren. Aktuell arbeitet der ADAC unter anderem mit Opel, Peugeot, Ford, Honda, Jaguar/Land Rover, Kia, Mercedes, Nissan und Volvo zusammen. Dienstleister ist die ADAC Service GmbH.

"Was der ADAC macht, ist ein Balanceakt", sagt ein Unternehmensberater. Auf der einen Seite helfe der Autoclub den Mitgliedern bei einer Autopanne, auf der anderen unterstützt er die Autohersteller mit der Mobilitätsgarantie dabei, Zuverlässigkeit vorzutäuschen.

Nach Ansicht von Dudenhöffer sollte der ADAC genau deswegen in einen Pannenservice und ein Wirtschaftsunternehmen aufgeteilt werden. Zwar sieht die derzeitige Struktur des Automobilclubs diese Trennung de facto schon jetzt vor, aber die Organisation ist kaum noch zu durchschauen. Kosmetische Änderungen genügten nicht mehr, so Dudenhöffer, wenn der Club seine Glaubwürdigkeit nicht verlieren wolle.

Am Beispiel der Pannenstatistik wird diese Vermischung zwischen kommerziellen und nichtkommerziellen Interessen besonders deutlich. Die Hilfe der Gelben Engel vor Ort ist eine Leistung des Vereins, der Mobilitätsservice gehört zu den Wirtschaftsleistungen. Mit diversen Wirtschaftsaktivitäten wie Versicherungen setzte der Automobilclub 2012 mehr als eine Milliarde Euro um. "Eine größere Transparenz beim ADAC wäre wünschenswert", sagte der Experte für gute Unternehmensführung, Professor Manuel René Theisen.

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1.
kdshp 20.01.2014
Zitat von sysopDPANach Bekanntwerden der Manipulation beim Autopreis "Gelber Engel" geraten auch andere Methoden des ADAC ins Visier. Brachenkenner kritisieren vor allem das Vorgehen bei der Erhebung der sogenannten Pannenstatistik: Diese bilde nicht die Realität ab. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/adac-manipulation-experte-kritisiert-pannenstatistik-a-944440.html
Das sehe ich auch so. So habe ich bis heute 7 Ford modelle gefahren und hatte mit keinem wirkliche mängel oder bin liegengeblieben. Wenn hatte ich mal einen platten oder nach 200.000 km ist mal die lichtmaschine kaputt gegangen. Also mehr ein natürlicher verschleiß. Aber bei den ADAC pannenstatistiken taucht Ford immer im unteren mittelfeld auf. Ist schon komisch.
2. Dreimal dürfen Sie raten
noalk 20.01.2014
"Es gibt keine Kontrolle beim ADAC. Man schottet sich ab", sagte Dudenhöffer ... --- Zitatende --- Na, wer will sich da wohl als Kontrollör ins Gespräch bringen?
3. Die große Verarsche
les2005 20.01.2014
Daß die Mobilitätsgarantien der Hersteller nicht in die Statistik einfließen und die Pannenstatistik des ADAC speziell für deutsche Hersteller daher zu optimistisch ist, habe ich schon oft in Leserbriefen an die diversen Medien, die diese gerne zitieren, erwähnt. Nicht daß es jemand interessiert hätte anscheinend. Mir waren damals nur die gelegentlich gesichteten BMWs, Audis etc im Kopf, die sichtbar Pannenhilfe leisten. Daß die Hersteller aber teilweise wiederum den ADAC mit dieser Pannenhilfe beauftragen UND dies trotzdem nicht in die Pannenstatistik einfließt, schlägt dem Faß allerdings den Boden aus. Der ADAC nimmt also letztlich Geld dafür, daß er die Statistik frisiert. Da müßten allerdings noch ein paar mehr Leute ihren Hut nehmen, bevor ich diesem Verein wieder über den Weg traue.
4. Suspekte Pannenstatistik
syssifus 20.01.2014
Zitat von sysopDPANach Bekanntwerden der Manipulation beim Autopreis "Gelber Engel" geraten auch andere Methoden des ADAC ins Visier. Brachenkenner kritisieren vor allem das Vorgehen bei der Erhebung der sogenannten Pannenstatistik: Diese bilde nicht die Realität ab. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/adac-manipulation-experte-kritisiert-pannenstatistik-a-944440.html
Als gut informierter Audi und VW-Fahrer weiß ich,dass es allein beim DSG-Getriebe sehr viele Probleme gibt.Bei diesen Herstellern sind deutsche PKW-Fahrer die "Testpiloten". Bei ausländischen Kunden wurde kulanterweise repariert und ausgetauscht,bei deutschen nicht.Das DSG-Getriebe hat als automatisiertes,mechanisches Getriebe nichts mit einem echten Wandlergetriebe zu tun.In meinen Augen ist es eine Fehlkonstruktion,die zu vielen hunderttausenden Ausfällen (weltweit) geführt hat.Allein diese Tatsache, hätte die Wertung dieser Fahrzeuge wesentlich verschlechtern müssen,logischerweise.
5. @kdshp
dennis_89 20.01.2014
Typischer Fall von: "Hatte nie Probleme, wie kann also so eine Statistik zusamme kommen?" - Schließen Sie nie von Ihren Erfahrungen auf andere. Ich sehe es andauernd: Die einen haben mit einer Marke (egal welche) Pech am laufenden Band und andere fahren ihr Leben lang ohne nennenswerte Probleme. Das ist bei Autos so und auch überall anders so. Ihre Aussage und Einzelerfahrung bildet deshalb weder Durchschnitt, noch Realität ab.
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