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Nachzahlungen: ADAC schließt Beitragserhöhung trotz Steuerschuld aus

ADAC-Zentrale in München: Besteuerung der Mitgliedsbeiträge wird untersucht Zur Großansicht
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ADAC-Zentrale in München: Besteuerung der Mitgliedsbeiträge wird untersucht

Der ADAC will Unruhe unter seinen 19 Millionen Mitgliedern vermeiden: Dem Automobilclub drohen zwar eine Steuernachzahlung von 500 Millionen Euro und viel höhere Abgaben als bisher - eine Erhöhung der Beiträge schließt der Verein jedoch aus.

München/Berlin - Die Nachricht hätte für den ADAC zu kaum einem schlechteren Zeitpunkt kommen können. Nach einer Reihe von Skandalen ist das Image des Vereins schwer angeschlagen, rund 286.000 Mitglieder sind ihm seit Jahresbeginn davongelaufen. Und jetzt fordert der Bund nach Informationen des SPIEGEL auch noch eine Rückzahlung von Versicherungsteuern in Höhe von fast einer halben Milliarde Euro.

Am Montag versuchte ein Sprecher deshalb, die rund 19 Millionen ADAC-Mitglieder zu beruhigen: Er versicherte, dass es trotz der drohenden Belastung für den Verein keine Beitragserhöhungen geben werde.

Dabei könnte die Vereinskasse des ADAC in Zukunft noch weitaus stärker belastet werden. "Bis zu 70 Prozent der Club-Beiträge könnten der Pannenhilfe zugerechnet werden", sagte der Vorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft, Thomas Eigenthaler, am Montag. Sie könnten damit als Versicherungsleistungen angesehen werden. Bislang zahlt der Automobilclub nach eigenen Angaben keine Versicherungsteuer auf seine einfachen Basis-Mitgliedsbeiträge.

Derzeit noch ein "Idealverein"

Die steuerliche Behandlung des Vereins ADAC ist nicht ganz unkompliziert. Der ADAC ist ein sogenannter Idealverein und muss dank dieses Sonderstatus eigentlich keine Steuern zahlen. Ein Grund für den Sonderstatus ist etwa die Pannenhilfe. Doch so einfach ist es nicht. Der Club zahlt nach einer Vereinbarung mit den Finanzbehörden auf zehn Prozent des Basistarifs der Mitgliedergebühr Umsatzsteuer. Im Klartext: Die Basismitgliedschaft kostet 49 Euro, auf 4,90 Euro davon wird Umsatzsteuer fällig.

Das ändert sich allerdings bei der sogenannten Plus-Mitgliedschaft, die in der Tat auch Versicherungsleistungen enthält. Auf die Differenz zwischen dem Basisbeitrag und der Plus-Mitgliedschaft werden 19 Prozent Versicherungsteuer fällig, die der ADAC auch gezahlt hat. 2013 etwa in Höhe von gut 56 Millionen Euro. Auch für andere Teile des Vereins zahlt der ADAC Steuern.

Der kleinere Auto Club Europa (ACE) geht ähnlich vor: Auf 50 Prozent der Mitgliedbeiträge werde Versicherungsteuer bezahlt, für unter zehn Prozent wird Umsatzsteuer fällig, und die übrigen 40 Prozent verbucht der Verein abschlagsfrei. Die Jahresabschlüsse seien von Wirtschaftsprüfern bislang nicht beanstandet worden.

Sowohl ADAC als auch ACE haben außerdem Firmen gegründet, die Geschäfte abwickeln und Umsatzsteuer abführen müssen. Beim ADAC gehören dazu etwa die Autovermietung, eigene Angebote für Versicherungen oder ein Verlag. Gebündelt sind die unter dem Dach der ADAC Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst GmbH, die 2012 einen Umsatz von 1,03 Milliarden Euro machte.

Das Zittern geht für den ADAC weiter

Die bisherige Praxis des ADAC war den Steuerfahndern laut SPIEGEL-Informationen jedoch suspekt: "Aus Sicht der Prüfer hätten sich Anhaltspunkte für eine Steuerhinterziehung ergeben", heißt es demnach in einem Vermerk des Bundesfinanzministeriums. Das Finanzministerium teilt die Auffassung nicht, ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren wurde nicht eingeleitet. Dennoch müsse der ADAC die ausstehende Steuerschuld nachzahlen.

Der ADAC hatte die Vorwürfe zunächst zurückgewiesen. Am Montag räumte ein Sprecher jedoch ein, dass die Finanzbehörden die bisherige Behandlung der ADAC-Mitgliedsbeiträge auf den Prüfstand stellen wollen. Er bestätigte, dass aktuell die Versicherungsteuern des Vereins für die Jahre 2007 bis 2009 durchleuchtet werden. "Erstmals wird seitens der Finanzbehörden thematisiert, ob die Mitgliedsbeiträge des ADAC zumindest zum Teil der Versicherungsteuer unterliegen", sagte der Sprecher. Ein inhaltlicher Austausch mit der Steuerprüfung habe bislang nicht stattgefunden.

Für den Verein steht derzeit noch mehr auf dem Spiel: Das Amtsgericht München prüft schon seit einiger Zeit den Status des ADAC als Verein. In diesen Tagen erwartet das Gericht die Stellungnahme des Clubs, danach könnte es - je nach Umfang der eingereichten Unterlagen - noch eine Weile dauern, bis das Amtsgericht eine Entscheidung fällt. So lange muss der Club weiter um seinen Status zittern.

cst/dpa

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insgesamt 33 Beiträge
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    Seite 1    
1. Kriminelle Vereinigung?
mastermaas 10.03.2014
Wenn der ADAC 500 Mio nachzahlen muss, dann ist das doch vielleicht schon ein Straftatbestand. Heißt das dann, dass alle Mitglieder ein Verfahren fürchten müssen, wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung?
2. Keine Beitragserhöhung trotz Steuerschuld
isegrim der erste 10.03.2014
Klingt gut, aber glaube ich nicht. Das ist ja gerade das Problem. Wer einmal lügt, dem ...
3. Jetzt hats der ADAC aber genau beieinand
Knackeule 10.03.2014
Der ADAC hat gerade erst seine Mitgliedsbeiträge drastisch (über 10 % Steigerung) erhöht. Durch die Dummheit und Unfähigkeit der bisherigen ADAC-Führung ist der ADAC jetzt in diese beschissene Lage gekommen, dass Politik und Finanzbehörden sich jetzt trauen, beim ADAC ins Eingemachte zu gehen. Die Mitglieder können nichts dafür, sie sind ja noch nie gefragt worden und konnten auch noch nie einigermaßen demokratisch mitbestimmen. Das muß sich jetzt endlich ändern. Falls jetzt auch noch die Mitgliedsbeiträge nochmals erhöht werden sollten, um die Unfähigkeit der ADAC-Führung auszugleichen, dann trete ich und bestimmt auch einige andere aus diesem Klub aus. Dann reicht es endgültig.
4. Das wäre ja auch noch schöner!
Mr.Slytherin 10.03.2014
Die Beiträge WURDEN JA gerade erst ERHÖHT!!! Basismitgliedschaft von 44,50 EUR auf 49,00 EUR gestiegen seit 01.01.2014!!! Das hätte im Artikel ruhig noch erwähnt werden können...
5. wenn Vereinsmitglieder sich untereinander helfen
sok1950 10.03.2014
soll dies eine Versicherungsleistung sein? Dann müssten 99% der Vereine als Versicherung eingestuft werden. Das ist doch der Sinn eines Vereins - Leute mit gleichen Interessen organisieren sich um sich gegenseitig zu unterstützen und zu helfen.
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