"Gelber Engel"-Skandal Kündigungswelle beim ADAC hält an

Die Skandale beim ADAC zeigen weiter Wirkung: Mehr als eine Viertelmillion Menschen mehr als im Vorjahr kündigten in den ersten vier Monaten 2014 ihre Mitgliedschaft. Das sind 1,5 Prozent der Mitglieder.

Bloß weg hier: Viele Mitglieder verlassen nach dem Skandal den ADAC
DPA

Bloß weg hier: Viele Mitglieder verlassen nach dem Skandal den ADAC


Hamburg - Auf die Frage nach der Kündigungswelle wehrt sich die Pressestelle des ADAC tapfer: "Wir hatten im April aber auch 71.316 Neuzugänge!" Das mag sein, aber der Vergleich mit den Neueintritten im April des Vorjahres zeigt, wohin der Trend für den ADAC nach dem Skandal um den "Gelben Engel" zeigt: nach unten. Auch wenn der Club seit Jahresbeginn insgesamt um 17.415 Mitglieder gewachsen ist - im Vergleich zu rund 83.000 Neuzugängen im April 2013 ist auch die vermeintlich frohe Botschaft von den Neuzugängen im April 2014 eher eine schlechte.

Jetzt gibt es wieder neue Zahlen, wie sich die Affäre um die Manipulationen beim Publikumspreis "Gelber Engel" und die darauffolgenden Enthüllungen über private Hubschrauberflüge und Abzocke bei der Pannenhilfe auf die Gemütslage der Mitglieder auswirkt. Rund 290.000 Mitglieder hätten dem Club in den ersten vier Monaten des Jahres 2014 den Rücken gekehrt, gab der ADAC-Interimspräsident August Markl in einem Interview mit dem Wochenmagazin "Die Zeit" zu.

Transparenzbemühungen: mangelhaft

Ganz so viele sind es nicht, die Pressestelle des Automobilclubs bestätigte 278.000 Kündigungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Gesehen auf die Gesamtmitgliederzahl beträgt der Schwund 1,5 Prozent. Trotzdem sind die Austritte ein Signal, auf das der Club vielleicht noch deutlicher reagieren sollte als auf die Affäre.

Am kommenden Samstag wird der ADAC auf seiner Hauptversammlung in Saarbrücken über seine Zukunft debattieren. Der neue Beirat, zu dem ein ehemaliger Verfassungsrichter und die Vorsitzende von Transparency International gehören, hatte auf seiner ersten Sitzung vor Ostern jedoch nicht den Eindruck, dass der Club eine Transparenzoffensive starten werde (Lesen Sie den kompletten Artikel hier im aktuellen SPIEGEL.)

Vielmehr drängt die ADAC-Spitze die Frage, welche Maßnahmen erforderlich sind, um die Rechtsform eines eingetragenen Vereins zu bewahren. Das Registergericht München prüft dieses Privileg, das dem ADAC Vorteile einräumt, seit Wochen. Mit seinen Dutzenden Tochterfirmen machte der Verein im Jahr 2012 insgesamt 983 Millionen Euro Umsatz und 84,9 Millionen Euro Gewinn. Demnächst steigt der Club ins Werkstattgeschäft ein, mit 150 Filialen nach dem Franchise-Prinzip.

mhe

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insgesamt 49 Beiträge
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Seite 1
persor 07.05.2014
1. Werde der nächste sein..
..der kündigt: An der Politik des ADAC, den VW-Konzern oder dt. Autos generell bei den Test zu bevorzugen, hat sich nichts geändert - konnte ich erst beim aktuellen Zeitschrift gestern lesen - rein für diese Volksverdummung werde ich austreten aus diesem Verbrecher-Verein..
Butenkieler 07.05.2014
2. ADAC immer noch besser,
als all seine Konkurrenten. Ich bleibe! Allen Unkenrufen zum Trotz. Es gibt für mich keine Alternative!
Ratzbär 07.05.2014
3. Wer
Wer, bitteschön, lässt denn das Auto nach dem ganzen Dreck, der da hochgekommen ist, in einer ADAC-Werkstatt reparieren? - Ich würde die nicht mal mehr an mein plattes Rad lassen.
UdoL 07.05.2014
4.
Schätze, das stört den ADAC höchstens vorübergehend. Den meisten Mitgliedern geht es doch nur um die Pannenhilfe, und was die angeht, sind andere Anbieter m.W. weder besser noch vertrauenswürdiger.
outsider-realist 07.05.2014
5.
Zitat von sysopDPADie Skandale beim ADAC zeigen weiter Wirkung: Mehr als eine Viertelmillion Menschen mehr als im Vorjahr kündigten in den ersten vier Monaten 2014 ihre Mitgliedschaft. Das sind 1,5 Prozent der Mitglieder. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/adac-skandal-kuendigungswelle-haelt-an-a-968026.html
Das einzige was mich beim ADAC wirklich aufregt ist, das sie auf einem riesigen Vermögen sitzen und sich der Vorstand und die Manager das Geld gegenseitig in den Hintern blasen, aber bei den Mitarbeitern an allen Ecken gekürzt und gespart wird. Ein Bekannter von mir hat es dort einen Monat ausgehalten und hat aufgrund des sehr schlechten Betriebsklimas und der Bezahlung schnell wieder das Weite gesucht. Manche Firmen ( bzw. "Vereine") merken einfach immer noch nicht, das zufriedene und loyale Mitarbeiter das größte Kapital sind.
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