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Manipulationsvorwürfe beim ADAC: Die Unschuldsengel

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ADAC-Preis "Gelber Engel": Dementi vor großem Publikum Fotos
DPA

"Kompletter Unsinn", ein "Skandal für den Journalismus". Bei der Preisverleihung des "Gelben Engel" wehrt sich der ADAC mit markigen Worten gegen Manipulationsvorwürfe. Doch den Beweis für eine saubere Kür des beliebtesten Autos der Deutschen liefert der Club nicht.

München - Die vier Buchstaben des Automobilclubs leuchten auf dem großen Monitor, die Gäste in der Allerheiligen-Hofkirche sitzen auf ihren Plätzen. Es kann also losgehen mit dem pompösen Festakt des ADAC in der einst königlichen Residenz in München. VW-Chef Martin Winterkorn ist gekommen, auch der BMW-Vorstandsvorsitzende Norbert Reithofer ist am Donnerstag dabei und Nina Ruge führt durchs Programm. Ein bisschen Glamour kann nicht schaden, wenn der ADAC zum inzwischen zehnten Mal seinen "Gelben Engel" verleiht.

Es handelt sich dabei, wie es sich für einen Verband mit rund 19 Millionen Mitgliedern gehört, natürlich um den "wichtigsten Autopreis Deutschlands". So sagt es jedenfalls der ADAC selbst. Man will hier also ein bisschen feiern. Wenn da nur nicht diese ärgerliche Berichterstattung wäre, die zwei Tage zuvor den Festakt des ADAC in ein merkwürdiges Licht setzte - und für einigen Ärger beim Automobilclub sorgte.

ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair sieht sich am Donnerstag dazu veranlasst, vor den Hunderten Gästen aus Industrie und Politik ein paar Worte zu dem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zu sagen, wonach der ADAC seine Umfragedaten zur Abstimmung der Mitglieder über das "Lieblingsauto der Deutschen" reichlich aufgehübscht haben soll. Statt der angeblich ausgewiesenen 34.299 Stimmen für den VW Golf hätten lediglich 3409 Mitglieder des Verbandes für das Auto gestimmt, hatte die Zeitung unter Berufung auf ADAC-interne Unterlagen berichtet.

Obermair spricht in der Allerheiligen-Hofkirche von "Unterstellungen und Unwahrheiten". Der Bericht sei "kompletter Unsinn". Immerhin seien die vier Buchstaben ADAC korrekt abgedruckt worden, höhnt er. Auch ADAC-Präsident Peter Meyer äußert seinen Unmut. Als er von einem ARD-Team auf die Vorwürfe angesprochen wird, spricht er von einer "erfundenen" und "an den Haaren herbeigezogenen" Geschichte. Der Bericht sei für ihn ein "Skandal für den Journalismus", so Meyer.

"Ja, hier bin ich"

Es ist ein scharfer Ton, mit dem der ADAC auf die Vorwürfe reagiert. Das ist vielleicht einerseits Ausdruck von Empörung. Im Verhalten des Verbandes spiegelt sich an diesem Tag aber auch so etwas wie Nervosität wider.

Denn eigentlich wäre es für den ADAC leicht, die Manipulationsvorwürfe zu entkräften: Es müssten einfach nur die Zahl der Stimmen offengelegt und die Zählweise transparent gemacht werden. Doch der Club hält sämtliche Informationen unter Verschluss.

Die Begründung, warum man nicht damit rausrückt, klingt seltsam schwammig. Ein ADAC-Sprecher sagte SPIEGEL ONLINE, das werde "von Jahr zu Jahr" entschieden. Eine Veröffentlichung der Zahlen habe nun mal "keine Tradition". Während die Stimmen im vergangenen Jahr in einer Ausgabe der "Motorwelt" publiziert wurden, ist bei der diesjährigen Ausgabe offenbar wieder Intransparenz angesagt.

Das kommt selbst Führungskräften beim ADAC komisch vor. Vorausgesetzt, die Zahlen stimmen, gebe es "keine Gründe, diese nicht zu veröffentlichen", sagte jemand, der anonym bleiben will.

Der Mann, der im Mittelpunkt der Vorwürfe steht, schweigt an diesem Tag: "Ich werde heute in kein Mikrofon sprechen", sagt Michael Ramstetter unmittelbar vor Beginn des Festakts. Ramstetter ist ADAC-Kommunikationschef, Chefredakteur der ADAC-Zeitschrift "Motorwelt" und Erfinder des "Gelben Engel". In seinem Büro haben sich laut Informationen der "SZ" die Zahlen nach der Umfrage vervielfacht. Auf die Bühne tritt Ramstetter an diesem Tag trotzdem. "Ja, hier bin ich", sagte er, als er von Ruge nach vorn gebeten wird. Dann steht er im Rampenlicht und darf zwei Preisträger verkünden.

Die Suche nach dem Maulwurf hat begonnen

Hinter den Kulissen sieht es für den 60-Jährigen düster aus. Die Stimmung in der von Ramstetter geleiteten Abteilung sei schlecht, sagte ein ADAC-Mitarbeiter SPIEGEL ONLINE, "und das liegt maßgeblich an ihm". Zu den Manipulationsvorwürfen bei der Stimmenzählung wollte sich der Mitarbeiter nicht äußern, dieses Problem müsse intern gelöst werden. Auf Nachfrage bestätigte er jedoch, dass die Zählung der Stimmen von Ramstetter überwacht werde: "Alle anderen kriegen nur das endgültige Ergebnis mitgeteilt."

Ramstetter hat sowohl bei der "Motorwelt" als auch in der Kommunikationsabteilung des Automobilclubs seit mehr als 15 Jahren das Sagen, jetzt wagen seine Untergebenen offenbar eine Rebellion gegen ihren Chef. Die Weitergabe von internen Papieren an die "Süddeutsche Zeitung", die die angebliche Mauschelei beim "Gelben Engel" belegen sollen, wird beim ADAC als gezielte Attacke gegen Ramstetter gewertet.

Nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe am Mittwoch wurde es im Unternehmenssitz in der Münchner Hansastraße noch am selben Tag hektisch, sagte eine ADAC-Führungskraft, die nicht namentlich zitiert werden möchte. Umgehend habe die Suche nach dem Maulwurf begonnen, Mitarbeiter seien zum Einzelgespräch gebeten worden.

Ein ADAC-Sprecher wollte diese Schilderung nicht kommentieren. Lieber äußert er sich überschwänglich über den Festakt in München: "Wir freuen uns über diese tolle Veranstaltung." Beim ADAC gibt es dazu auch andere Meinungen unter den Führungskräften. Es sei eine "ungewöhnliche Art", mit den Vorwürfen umzugehen.

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insgesamt 116 Beiträge
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1. ist doch eigentlich ganz einfach
SlackNSlooth 16.01.2014
... solange der ADAC nicht mit den Informationen rausrückt wie er zu den Ergebnissen kommt, gilt es als Manipuliert. Die Unschuldsvermutung gilt vielleicht vor Gericht, aber nicht bei mir.
2. Katalysator
Niewana 16.01.2014
Tja, eben ein Sprachrohr der dt. Auto-Industrie! Vor Jahren war der Katalysator nach ADACs Meinung der Untergang der dt. Autoindustrie, da zu teuer. Die Amis haben´s jedoch vorgemacht - und alle haben den Erfolg heute :-)
3. Selbst schuld!
bluebear 16.01.2014
Wie schlecht dieser Verein ist, merkt man ja schon am peinlich schwachen Krisenmanagement. Aber die Medien (auch SPON) tragen selbst eine Mitschuld, dass dieser Club so hochgejazzt wurde. Wenn zu jedem Autothema immer gleich der ADAC zitiert wird, ist es kein Wunder, dass Millionen von Autofahrern glauben, hier handele es sich um die wichtigste Instanz in Mobilitätsfragen. Dabei gibt es andere Clubs wie beispielsweise den ACV, die professionell gemanagt werden, dasselbe leisten (Schutzbrief, Pannendienst, Reise- und Rechtsberatung etc.) und dafür auch noch niedrigere Gebühren verlangen.
4. Sprachrohr der Autoindustrie
grünbeck,harald 16.01.2014
Der ADAC ist ein Sprachrohr von VW, BMW, AUDI und Mercedes. Schon die Monatszeitung zeigt mir das. Diese Autos stehen im Mittelpunkt, Autos für Geringverdiener, also mit kleinen Preis, stehen hinten an. So wie im Aoto-BILD. Deswegen bin ich nicht in diesen autoritären Club.
5. Jetzt sind wir aber überrascht!
knürken 16.01.2014
Haben wir doch tatsächlich geglaubt, dass z.B. im Markenranking des ADAC BMW in der Kundenbeliebtheit wirklich ganz weit vorn liegt. Und das obwohl die Gelben Engel dafür einen Krämerladen von Ersatzteilen (z.B. Zündspulen) immer an Bord haben, weil sie "das Problem schon kennen." Um zu manipulieren braucht es immer zwei – einen der´s tut und einen der´s mit sich machen lässt.
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