Streit über zu kleine Autos Polizei in NRW erhält Familienkutschen für den Streifendienst

Kein Platz für Pistolen und "schwere Jungs" - jahrelang hatte die Polizei in Nordrhein-Westfalen öffentlich über ihre zu kleinen BMWs geklagt. Nun sollen die Autos ab 2019 ausgetauscht werden.

Die Testfahrzeuge der Polizei in NRW
DPA

Die Testfahrzeuge der Polizei in NRW


Autos wie der BMW Gran Tourer, Ford S-Max, Mercedes Vito, Opel Zafira oder auch der Volkswagen Touran sind Traumwagen für Mamas und Papas - nicht zuletzt, weil sie viel Platz für Kinder und Gepäck bieten. Aber auch die Polizei in Nordrhein-Westfalen fährt auf diesen Typ von Auto ab. Ein fünfwöchiger Test habe gezeigt, dass Vans und Minibusse für den Streifendienst "absolut praxistauglich" wären, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). "Deshalb starten wir in Kürze die europaweite Ausschreibung für solche Fahrzeuge."

Polizisten hatten den erst im Herbst 2015 eingeführten Streifenwagen kritisiert, weil er nicht ausreichend Platz für größere Beamte und zu wenig Stauraum für die neuen Ausrüstungen für Amok- und Terrorlagen biete. In einer jetzt veröffentlichten Antwort auf eine AfD-Anfrage erklärte Reul, der derzeit eingesetzte BMW aus der 3er-Serie erlaube für die Personenbeförderung lediglich 360 Kilogramm. Das Gewicht der Einsatzmaterialien betrage 136 Kilogramm.

Der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in NRW, Stephan Hegger, sagte, dies könne bei der üblichen Zweier-Besetzung knapp werden. Das wäre der Fall, wenn ein Auszubildender mit dabei sei und unterwegs noch jemand aufgegriffen und zur Wache befördert werden müsse - zumal unter den "schweren Jungs" auch gerne mal Bodybuilder seien.

Ab 2019 soll der Austausch der Fahrzeuge beginnen

Bei dem vorherigen Streifenwagen sei die Decke vier Zentimeter höher gewesen. "Wenn wir jetzt einen Betrunkenen, der sich wehrt, in den Streifenwagen befördern wollen, muss man mehr Gewalt anwenden." Ein weiteres Problem: "Wir stoßen mit den Pistolen gegen den Mitteltunnel im Wagen." Ab 2019 sollen die rund 2000 kleinen Streifenwagen nach und nach gegen größere Fahrzeuge ausgetauscht werden.

mhu/dpa



insgesamt 99 Beiträge
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wiesenflitzer 27.07.2018
1. Öffentlicher Dienst/Polizei live
Immer erstmal klein und billig einkaufen, bloß nicht auf die hören, die die Autos fahren müssen. Dann feststellen, dass wieder Murks gekauft wurde, dann alles wieder neu machen. Immer und immer wieder das gleiche Theater. Und das, obwohl man wie in diesem Fall, die Anforderungen doch vorher genauestens kennt, Umfragen bei den Polizisten gemacht usw. Dass Polizisten auch mal zu dritt fahren (Azubi) und sich dann noch eine vierte Person (Festgenommener) dazugesellt; alles normal und nichts neues. Nur bei den Verantwortlichen, kommt das nie an. Weil auch hier die Führung letztlich zu weit weg ist von den eigentlichen Arbeitern, genau wie die Politiker Lichtjahre von den Bedürfnissen/Problemen ihres Volkes entfernt sind.
iwes69 27.07.2018
2.
Tja, was für Außendienstler und Lifestyler erste Wahl ist, muss für die Polizei nicht unbedingt taugen. Aber das hätte man doch vorher wissen können, oder?
exHotelmanager 27.07.2018
3. Die Fahrzeuge sind geleast
und damit ist dies keine Belastung für den Steuerzahler.
mantrid 27.07.2018
4. Schwachpunkt Materialbeschaffung
Bei der Polizei herrscht anscheinend das gleiche Elend wie bei der Bundeswehr. Die Verantwortlichen für die Beschaffung sind entweder nicht fähig oder nicht willens vernünftige Lasten- und Pfichtenhefte zu erstellen, d.h. vernünftig zu beschreiben, welche Anforderung Material erfüllen muss. Wenn mit drei Personen und der Ausrüstung das Zuladungslimit erreicht ist, ist das Fahrzeug nicht geeignet.Für eine solche Erkenntis ist nicht einmal ein Studium notwendig. Und ein Polizist mit schusssicherer Weste und sonstiger Ausrüstung benötigt entsprechend Platz. Das Problem könnte man einfach lösen, in dem man einen kräftig gebauten Polizeibeamten in voller Montur mal Probesitzen lässt, statt aus dem bequemen Bürosessel heraus zu entscheiden.
Flachlandprophet 27.07.2018
5. ohne Frage...
....wenn es der Polizei an irgend etwas mangelt, dann sollte man schleunigst nachbessern. Wir können froh sein, dass überhaupt noch jemand diesen Job macht - da muss man ihm das Leben nicht noch unnötig schwer machen.
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