Airbus-Experiment mit Taxidrohne Wer wird denn gleich in die Luft gehen?

Carsharing hebt ab: Der Flugzeughersteller Airbus will ein autonom fliegendes Auto entwickeln, das den Stadtverkehr entlasten soll. Kann das funktionieren?

AP/ Airbus

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Vollgestopfte Straßen, überfüllter Nahverkehr - der Flugzeughersteller Airbus arbeitet an einer ziemlich spektakulären Lösung: Er will in den kommenden Jahren eine autonom fliegende Taxidrohne auf den Markt bringen. Was nach Science-Fiction klingt, hat Unternehmenschef Tom Enders jüngst vorgestellt: "Vor hundert Jahren verschwand der Stadtverkehr unter der Erde, wir haben nun die technischen Möglichkeiten, ihn in die Luft zu bringen", sagte Enders im Januar auf der Internetkonferenz DLD in München.

Tatsächlich hat die permanente Leistungssteigerung und Verkleinerung von Computerchips und die Entwicklung kleinster, aber hochsensibler Lagesensoren vieles vereinfacht. Anschauliches Beispiel: Während das Fliegen mit einem ferngesteuerten Hubschrauber noch vor zehn Jahren nur Könnern vorbehalten war und ein kleines Vermögen kostete, kann heute jeder Dilettant mit einem Ready-to-Fly-RC-Heli für 30 Euro in die Luft gehen. Sogenannten Kreisel- oder Gyro-Systeme, die das Luftfahrzeug selbstständig stabilisieren, sei Dank. Dieses Prinzip lässt sich natürlich auch vergrößern - bis hin zum Transport von Menschen. Zumindest theoretisch.

Abheben per App

Airbus hatte deswegen mit seiner neu gegründeten Abteilung "Urban Air Mobilty" bereits im vergangenen Jahr an Lösungen für derartige Vehikel geforscht und mit "Vahana" einen ersten Prototypen vorgestellt. Dieser soll nun weiterentwickelt und bis Ende diesen Jahres getestet werden. Zunächst will Airbus eine Art Taxibetrieb mit einem Piloten testen, später soll sogar ein autonomer Betrieb mit bis zu vier Fluggästen möglich sein.

Die Idee: weniger Verkehr und Umweltverschmutzung auf den Straßen, trotzdem mehr Mobilität. Ähnlich wie beim Carsharing sollen Verbraucher über eine App eine Fahrt in so einem Vehikel buchen können. Noch befinde man sich aber in der Experimentierphase, sagte Enders. Wie viel Airbus für den Forschungsbereich "Urban Air Mobility" ausgibt, ist offen.

Der Flugzeugbauer ist nicht das einzige Unternehmen, das den Traum vom fliegenden Auto wahr werden lassen möchte. Seit Längerem gibt es einen Wettstreit zwischen mehreren Firmen, die an einer vollautomatischen Taxidrohne arbeiten. Der chinesische Entwickler Ehang will mit seinem Produkt "Ehang 184" bereits in diesem Jahr die Zulassung für den Flugbetrieb in Dubai beantragen.

Das ehrgeizige Vorhaben hat Tücken

Wann Airbus mit seinem Flugtaxi an den Markt gehen will, ließ Enders unbeantwortet, zumal wichtige Fragen bislang ungeklärt sind. Nach Einschätzung von Experten fehlen derzeit beispielsweise noch taugliche Batterien für einen solchen Betrieb. Aktuell verfügbare Lademittel hätten lediglich das Potenzial für 15 bis 30 Minuten Flugzeit. Auch Lärmbelästigung und Umweltverträglichkeit müssen berücksichtigt werden.

Airbus ist mit seinen Plänen nicht allein. Google forscht im Silicon Valley mit seinen Tochterfirmen Kitty Hawk und Zee Aero ebenfalls an sogenannten VTOL-Mobilen (für Vertical Take-off and Landing). Und der umstrittene Taxi-Konkurrent Uber warb jüngst den Nasa-Forscher Mark Moore ab, der sich intensiv mit dem Thema beschäftigt. Sie alle eint der Traum vom schnellen, leisen "Morning-Commute", dem Weg zur Arbeit ohne lästigen Stau.

Doch ungeklärte technische Fragen wie die Akkukapazität sind längst nicht alle Hürden, die dem Ziel der Entwickler im Wege stehen. Für die Umsetzung müssten entsprechende Gesetze erlassen werden, die es erlauben, mit flugfähigen Fahrzeugen auf einer Autobahn oder gewöhnlichen Straßen zu landen. "Die große Herausforderung ist, ob wir ein Fahrzeug bauen können, das an den Orten zugelassen würde, wo die Menschen es nutzen wollen", sagte John Hansman vom Massachusetts Institute of Technology dem "Handelsblatt".

Genau hier liegt ein grundsätzliches Problem aller Flugautos, egal ob selbstgesteuert oder vom Piloten. Automatisch denkt man bei Flugautos an "James Bond: Der Mann mit dem goldenen Colt", in dem Bösewicht Scaramanga seinem 1974 AMC Matador ein paar Flügel verpasst und im wahrsten Sinne des Wortes davondüst. Doch so einfach ist es nicht, wie alle Tüftler wissen, die dem Traum von fliegenden Fahrzeug umzusetzen versuchen.

Das Superspielzeug

Der niederländische Entwickler des Flugautos "PAL-V", eines Tragschraubers, dessen Rotor und Leitwerk sich zusammenklappen lässt und sich danach in ein gekapseltes Dreirad verwandelt, weist auf seiner Website mehrfach auf die gesetzlichen Regularien hin. Verfügbare Landebahnen seien Voraussetzung für den Betrieb, eine Pilotenlizenz ebenfalls. Auf der Autobahn spontan die Flügel ausfahren und abheben, nur mit dem Autoführerschein? Nix da.

Starten und landen muss man auch mit einem Flugauto immer auf einem zugelassenen Flugplatz. Und eine Pilotenlizenz, die nicht mal eben absolviert ist, braucht es auch. Und in diesem Licht betrachtet, ist das Flugauto plötzlich keine coole Erleichterung, sondern ein ziemlich fauler Kompromiss: Weder taugt es als Alltagsfahrzeug, noch ist es ein wirklich gutes Flugzeug.

Auch die Versprechen der autonom fliegenden Taxidrohne verblassen bei genauerer Betrachtung: Bis der Verkehr und die Umwelt durch derlei Lösungen nachhaltig entlastet werden, gehen vermutlich noch Jahrzehnte ins Land. Denkbar sind sie als Ersatz für den innerstädtischen Helikopterbetrieb in vom Verkehrskollaps geplagten Metropolen wie Sao Paolo. Und wären damit aber erst mal nur eine Spielerei für Superreiche.

Den Prototypen "Vahana", "PAL-V" und weitere Umsetzungsversuche von fliegenden Autos sehen Sie in unserer Fotostrecke.

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13  Bilder
Fliegende Autos: Über den Wolken
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insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
karin_mainz 08.02.2017
1.
Einige Probleme sind im Artikel bereits angesprochen worden. Selbst wenn die juristischen und technischen Probleme gelöst werden, glaube ich kaum, dass sich ein solches Gefährt wird wirtschaftlich betreiben lassen. Zumindest nicht in kurz- und mittelfristiger Zukunft. Es wird - wenn es denn überhaupt zum Einsatz kommt - ein Prestigeobjekt für Betuchte bleiben.
rouvino 08.02.2017
2. Gold ist ja schon fast richtig
Interessante Idee, aber ich denke da nicht an "James Bond: Goldfinger" da gab zwar auch die Fliegerstaffel, aber Scaramanga taucht da nirgends auf. Ich geh mal von einem Freudschen Verschreiber aus, sonst könnte man hier ja wieder behaupten, es würden "Alternative Fakts" von der "Lügenpresse" verbreitet werden ;-) - - - - Vielen Dank für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert. K. Bonte/Redaktion
Msc 08.02.2017
3.
Airbus schafft es ja nichtmal ein "normales" Transportflugzeug so zu bauen, dass es Hin UND Zurück schafft ohne gleich in die Werkstatt zu müssen. Jetzt soll man denen bei automatisierten Helikoptern vertrauen? Hauptsache mit Steuergeldern subventioniert! Hängen ja Arbeitsplätze dran.
dr.könig 08.02.2017
4. durchaus praktikabel
Eine bestechende Idee. Super..... Dazu eine entsprechende Flughöhe, etwa 300 m, so als Korridor. In der Science Fiktion schon länger Wirklichkeit, diese " Lufttaxis ". Sofort beginnen mit der Serienproduktion.
smartphone 08.02.2017
5. Schon klar
da hypt man die "Drohnen" als ach so hochgefährliches Luftgut hoch..... WIll den Modellflug plattmachen , nur weil ein paar Airbusspinner - analog A400 solche Dinger . Die sollten mal liber Ihre Ahusaufgaben machen . ggfs mal bei ein langjährig erflogreichen "Drohnen"flieger mal ein paar Einstellungsunterlagen vorbeischicken ---damit das nihct auch wiedr zum Desaster mutiert.
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