Alcolocks Wegfahrsperren mit begrenzter Wirkung

Neuer Anlauf für den Alkoholwächter im Auto: Politiker von FDP und Union wollen den sogenannten Alcolocks zum Durchbruch verhelfen. Die Methode ist durchaus hilfreich, kann jedoch leicht umgangen und schon gar nicht verpflichtend für alle vorgeschrieben werden.

Lkw-Fahrer beim Alkoholtest: Die Verantwortung trägt der Fahrer immer noch selbst
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Lkw-Fahrer beim Alkoholtest: Die Verantwortung trägt der Fahrer immer noch selbst

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Berlin - Die Perspektive klingt verlockend für Alkoholsünder am Steuer: Die Zeit des Führerscheinentzugs würde verkürzt, Punkte in der Verkehrssünderkartei würden schneller abgebaut. Lastwagenfahrer setzten bei einer Fahrt nach einem Zechgelage nicht gleich ihre berufliche Existenz aufs Spiel. Unter einer Bedingung: Die Delinquenten müssten künftig in ihrem Wagen einen elektronischen Wächter einsetzen, der den Wagen stilllegt, wenn der Alkoholgehalt im Atem des Fahrers eine bestimmte Konzentration überschreitet.

Überlegungen zur Einführung solcher sogenannter Alcolocks gibt es in den Reihen von FDP und Union. Einem Bericht der "Saarbrücker Zeitung" zufolge soll Verkehrsminister Peter Ramsauer den Einsatz dieser Geräte prüfen. So sollen gerade Fahrer zur Vernunft gebracht werden, die wegen Trunkenheit am Steuer wiederholt aufgefallen sind.

Wie eine Regelung für den Einsatz von Alcolocks formuliert werden könnte, zeigt das Beispiel Schwedens. Dort schreibt der Staat die Nutzung nicht zwingend vor, stellt aber seinen Bürgern frei, sich selbst dazu zu verpflichten. Spediteure machen von der Regelung immer häufiger Gebrauch und installieren die Geräte in ihren Lkw. Auch in Ländern wie Finnland und Frankreich steigt das Interesse an der Sicherheitseinrichtung.

Hohe Preise im Zubehörhandel

Seine Kunden sähen Alcolock zunehmend als Mittel der Qualitätssteigerung, sagt Carl Johan Almqvist, der bei Volvo-Trucks für Verkehrs- und Produktsicherheit zuständig ist. "Diese Geräte bieten die Gewähr, dass die Fahrer der Spedition nüchtern fahren", erklärt Almqvist. Volvo bietet derzeit als einziger Autobauer Alcolocks ab Werk an - für rund tausend Euro Aufpreis. Besitzer von Fahrzeugen anderer Marken müssen dagegen auf den Zubehörhandel zurückgreifen. Dort sind die Geräte zu Preisen von 1500 bis 2000 Euro zu haben.

Auch in der deutschen Bevölkerung stoßen Alcolocks grundsätzlich auf Zustimmung. Einer Umfrage des Technik-Branchenverbands Bitkom zufolge würden rund 50 Prozent einem Promille-Check vor jeder Fahrt zustimmen, nur vier Prozent lehnten ihn ab.

Trotzdem findet selbst der relativ preisgünstige Volvo-Alcoguard bislang kaum Abnehmer. "Die Nachfrage in Deutschland ist sehr gering", räumt Volvo-Deutschland-Sprecher Olaf Meidt ein. Seit der Einführung in Deutschland vor einem Jahr hätten sich nur sehr wenige Kunden dafür entschieden.

Das liegt sicherlich daran, dass es leichtfällt, sich Situationen auszumalen, in der der Alcolock wirklich lästig wird: wenn er etwa eine Fahrt unterbindet, obwohl der Fahrer nur an einem Glas genippt hat. Und das womöglich noch, wenn der Wagen in einem Halteverbot steht, das am Morgen des nächsten Tages wirksam wird.

Rechtliche Unsicherheiten

Auch aus rechtlicher Sicht bleiben noch einige Fragen zu klären, sagt Simone Klipp von der Bundesanstalt für Straßenwesen. Die Wissenschaftlerin macht sich für eine verpflichtende Einführung in Deutschland zumindest für die Problemgruppen stark. "Natürlich werden die Geräte nicht flächendeckend zur Pflicht werden, das ist auch gar nicht mit dem Grundgesetz vereinbar." Aber sie seien eine sinnvolle Ergänzung zu bereits vorhandenen Maßnahmen wie dem Führerscheinentzug oder der Fahreignungsprüfung.

Vom positiven Effekt der Alcolocks ist Klipp überzeugt: "Amerikanische Studien zur langfristigen Wirkung der Alcolocks haben gezeigt, dass man mit den Geräten gefährliche Alkoholfahrten wirksam unterbinden kann."

Einem Missverständnis sollten Fahrer jedoch nicht unterliegen: Der elektronische Alkoholtester stellt ihm keinen Persilschein aus. "Wenn es zu einer Kontrolle kommt, und die Polizei ermittelt einen Alkoholspiegel, der über dem Grenzwert liegt, dann gerät der Fahrer in Erklärungsnot", erklärt der Bonner Rechtsanwalt Klaus Hovemeyer. Am Ende sei jeder Fahrer selbst dafür verantwortlich, was er tue.

Die Begründung ist nicht nur der Juristenlogik geschuldet, schließlich können die Alcolocks letztlich auch nicht garantieren, dass sich gusseiserne Trinker nicht ans Steuer setzen. "Die Systeme sind ganz einfach zu umgehen, wenn zum Beispiel ein Freund oder die Ehefrau in das vorgesehene Röhrchen pustet", erklärt Almut Schönermarck vom ADAC. Hartgesottene seien auf diese Weise also nicht zu stoppen.



insgesamt 38 Beiträge
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bundespiepmatz 20.04.2011
1. Klasse!
Das ist doch mal wieder ein supertolle Erfindung. E10 tanken, mit dem Alkohol, und dann einfach dem Testschnorchel die Luft aus dem Fahrzeuginnenraum zufächeln. Wenn der Innenraum nicht absolut gasdicht zum Motorraum isoliert ist, in dem es vom E10 her dünstet, dann blockiert der Alktester das Fahrzeug. Eine sinnvolle Ergänzung zum E10?
moby17 20.04.2011
2. Wie passend,
ausgerechnet die "Freiheitskämpfer" der FDP fordern weitere Regulierung. Schaltet bei denen mal einer das Hirn ein?
Medianet 20.04.2011
3. Oh man
Völlig schwachsinnige Idee. leicht auszuhebeln.....untauglich.
Zucchi_Magico 20.04.2011
4. Heissluftgebläse
Zitat von sysopNeuer Anlauf für den Alkoholwächter im Auto: Politiker von FDP und Union wollen den sogenannten Alcolocks zum Durchbruch verhelfen.*Die Methode ist durchaus hilfreich, kann jedoch leicht umgangen*und schon gar nicht verpflichtend für alle vorgeschrieben werden. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,758212,00.html
Wie im Artikel richtigerweise am Ende steht, können diese Alcolocks Hartgesottene nicht bremsen, weil es ganz einfach immer einen Weg gibt, deren Funktion zu umgehen. Sie könnten daher lediglich eine Hilfe für diejenigen sein, die aus eigenem Antrieb dazu entschlossen sind, nicht betrunken Auto zu fahren und ihnen anzeigen, wenn sie zu viel getrunken haben. Die Idee der Politiker ist aber mal wieder typisch für unsere Rapräsentanten: Sie haben keinen blassen Schimmer von dem was sie eigentlich erreichen wollen. Denn sonst hätten sie bereits bemerkt, dass es eben die "Hartgesottenen" sind, die betrunken Auto fahren und die anderen dies zumindest nicht regelmäßig und, falls sie es tun, nicht mit 2 Promille sondern mit maximal 0,7 herumfahren. Denn nur echte Alkoholiker schaffen es, sich mit 2 Promille am Steuer zu halten.
toledo, 20.04.2011
5. ::::
Hauptsache regulieren, verbieten und teurer machen.. Schwachsinn!
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