Rennsport-Gemälde Benzinbilder in Öl

"Weniger Regeln, weniger Profitorientierung, aber viel mehr PS": Alex Wakefields Leidenschaft ist der Motorsport der Siebziger- und Achtzigerjahre. Die Kämpfe auf der Piste malt er in Öl - und erzielt für seine Werke stattliche Preise.

Alex Wakefield

Von Christian Frahm


Wie macht man Geschwindigkeit sichtbar? Diese Frage beantwortet Alex Wakefield mit klassischen Ölbildern oder Kohlezeichnungen: Die Rennautos oder Motorräder sind leicht unscharf, die Hintergründe ziehen Schlieren, das ganze Bild scheint zu vibrieren und in Bewegung zu sein. Natürlich rührt sich das Gemälde nicht um einen Millimeter, aber Wakefield versteht es, dass genau dieser Eindruck entsteht.

"Ich möchte, dass die Leute die Bilder ansehen und denken: 'Wow, das ist aufregend'", sagt Wakefield, der im US-Städtchen Jolliet südwestlich von Chicago lebt. Schon als kleiner Junge verbrachte er mit seinem Vater etliche Wochenenden an Rennstrecken, und die 500 Meilen von Indianapolis waren ein Fernseh-Pflichttermin bei den Wakefields. "Das sind meine schönsten Erinnerungen", sagt der 36-jährige, der ein Studium an der Akademie der Künste in Pennsylvania abschloss, nun in einem Fahrradladen arbeitet und daneben versucht, sich als Motorsport-Maler zu etablieren.

Jüngstes Erfolgserlebnis: Das aus der Grashalm-Perspektive gemalte Bild des Ferrari 312 PB, mit dem Brian Redman und Arturo Merzario das 1000-Kilometer-Rennen von Spa-Francorchamps 1972 gewannen, verkaufte er für umgerechnet 4700 Euro. Zu sehen ist ein rotes Monster mit weit aufgerissenen gelben Scheinwerferaugen, das sich scheinbar auch nicht von einer Leitplanke aufhalten lässt. Die Durchschnittsgeschwindigkeit der Sieger betrug damals 249 km/h.

Der Traum von der Künstlerkarriere

"Ich möchte nicht nur eine Szene nachbilden, sondern mit meinen Bildern eine Geschichte erzählen", sagt Wakefield. Am liebsten pickt er sich dafür Rennfahrer, Rennautos oder Rennen aus den Sechziger-, Siebziger- oder Achtzigerjahren heraus - als der Motorsport noch weitgehend analog und vor allem deutlich ungezähmter als heute war. "Damals gab es weniger Regeln, weniger Profitorientierung, aber viel mehr PS."

Das aktuelle Projekt Wakefields trägt den Titel "Go Fever" und ist dem großen Duell zwischen Ferrari und Ford in den Sechzigerjahren in Le Mans gewidmet. "Ich möchte mit den Bildern meine Anerkennung für diese beiden Hersteller ausdrücken. Für mich ist es der größte Kampf, den es je in der Renngeschichte zwischen zwei Kontrahenten gegeben hat." Er hofft nun, dass viele Motorsportfans das ähnlich sehen und sich deshalb einen "Wakefield" zulegen. Damit er seinem Ziel ein bisschen näher kommt: "Vielleicht muss ich irgendwann keine Fahrräder mehr verkaufen."



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insgesamt 11 Beiträge
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colinchapman 29.03.2015
1. kleine Korrektur
Bild 4 zeigt Mario Andretti, aber nicht in einem Ferrari, sondern in einem Lola-Indycar, zu erkennen an dem Schnelltankverschluß. Andretti fuhr 1982 in der Formel 1 für Ferrari, Schnelltankverschlüsse nutzte Ferrari in der Formel 1 erst ab 1983. Nicht jeder rote Monoposto ist ein Ferrari!
hgri 29.03.2015
2. Donnerwetter
Da weiß aber jemand Bescheid. Nur wo sehe ich den Tankverschluss und wenn ich ihn sähe, woran erkenne ich, dass es ein Schnellverschluss ist? Bitte Foristen helft mir. Wie soll ich ohne dieses Wissen heute Nacht in den Schlaf finden?
novoma 29.03.2015
3. zu Bild 5
Bild 5 zeigt Jo Siffert im Porsche 908-3 bei der Targa Florio 1970. In diesem Fahrzeug erkämpfte Siffert, zusammen mit Brian Redman, den Gesamtsieg.
andreas baader 29.03.2015
4. Kitsch
das ist furchtbar kitschig und technisch ziemlich mittelmäßig - wir befinden uns langsam wirklich wieder im Biedermeier. wird sich sicher glänzend verkaufen...
Bernd.Brincken 29.03.2015
5. Perspektive
Der Versuch, den Motorsport mit fine arts zusammen zu bringen, ist per se rühmlich. Die Gemälde haben allerdings eine eigenartige Ambivalenz zwischen dem Streben nach präziser Darstellung einer Szene und Ästhetisierung (der Geschwindigkeit). In der Darstellung stimmt meist die räumliche Perspektive nicht, die Räder stehen häufig krumm wie nach einem Unfall. Im Kontext der affirmativen Botschaft nicht so richtig stimmig.
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