Alfa Romeo 4C: Alpha-Tierchen für Amerika

Aus Genf berichtet Tom Grünweg

Alfa Romeo 4C: Sportliche Auferstehung Fotos
Alfa Romeo

Das war aber höchste Zeit: Kurz bevor Alfa Romeo vollends in Vergessenheit gerät, melden sich die Italiener jetzt mit dem 4C auf der Showbühne zurück. Das rassige Leichtbau-Coupé soll aber nicht nur ein flackerndes Lebenszeichen sein, sondern der Beginn einer neuen Ära.

Flatline - so nennen die Mediziner die gerade Linie, wenn das EKG keine Herztätigkeit mehr nachweisen kann. Ganz soweit ist es beim "Cuore Sportivo" noch nicht. Doch von Vitalität ist das sportliche Herz, das Alfa Romeo als Sinnbild gewählt hatte, meilenweit entfernt: Der Kleinwagen Mito und der Kompakte Giulietta sind alles, was von der großen Tradition der sportlichen Traditionsmarke geblieben ist. Doch jetzt bekommt das Herz einen Stoß: Zwei Jahr nach dem Debüt der entsprechenden Studie ist endlich der 4C fertig und feiert in Genf seine Weltpremiere.

Das rassige Coupé fährt im Windschatten des nur in Kleinserie gebauten 8C, ist aber alles andere als eine halbe Portion. Leidenschaftlich gezeichnet, aufwendig konstruiert und potent motorisiert ist der Alfa ein Showstar am Lac Leman. Und der 3,99 Meter kurze und 1,18 Meter flache Flitzer hat auch auf der Straße das Zeug zum Porsche-Killer.

Denn wo für Mito und Giulietta nur schnöde Großserientechnik aus dem Fiat-Regal schmuck verpackt wurde, hat das neue Alpha-Tierchen auch unter seiner schmucken Hülle einiges zu bieten: Nicht umsonst besteht der Wagen, der bei Maserati in Modena gebaut wird, weitgehend aus Karbon und bringt deshalb ohne Fahrer und Flüssigkeiten nur 895 Kilo auf die Waage.

Der Name ist Programm

In Fahrt bringt den 4C - nomen est omen - ein Vierzylindermotor. Er hat 1795 Kubikzentimeter Hubraum, kommt mit Turbohilfe auf 240 PS und 340 Nm und hat mit dem Zweisitzer buchstäblich leichtes Spiel: Tempo 100 sei nach 4,5 Sekunden erreicht und 250 km/h für den Wagen eine Hürde, die er mühelos nimmt, sagen die Italiener.

Zwar kann man die ersten Autos einer sogenannten Launch-Edition für glatte 61.000 Euro schon jetzt bestellen. Doch ausgeliefert wird der 4C erst im Herbst, wenn der Verkauf des normalen Modells zu Preisen um die 50.000 Euro beginnt. Dabei spielt Deutschland eine große Rolle, sagt Pressesprecher Claus Witzeck: Von den tausend für Europa vorgesehen 4C pro Jahr sind knapp 400 Exemplare für die Tedeschi vorgesehen.

Der 4C steht nicht nur für romantische Formen und rassige Fahrleistungen, sondern auch für die Wiederbelebung einer legendären Marke, die seit Jahren im Wachkoma dahindümpelt. Denn seit der kleinen Giulietta von 2010 gab es im Grunde keine Neuheit mehr. Das wird sich bald ändern, sagt Markenchef Louis-Carl Vignon und stellt für die nächsten drei Jahre gleich neun neue Modell in Aussicht, für die Konzernchef Marchionne rund eine Milliarde Euro locker macht. Damit und mit der (Rück-)Eroberung von Märkten außerhalb Europas soll die Jahresproduktion von zuletzt 110.000 bis 2016 auf 300.000 Autos gesteigert werden.

Großes Vorhaben

Zu den Neuheiten zählen neben dem bei einer Jahresproduktion von etwa 3500 Fahrzeugen eher fürs Image als die Stückzahlen wichtigen 4C unter anderem der nächste Spider, der in Kooperation mit Mazda auf der Basis des MX-5-Nachfolgers entsteht, ein viertüriger Nachfolger des Mito und einer für den längst verblichenen Alfa 166, der auf dem Maserati Ghibli basieren soll, sowie eine neue Giulia, die endlich die schmerzliche Lücke schließen soll, die nach dem Ende des 159 im Modellprogramm klafft. Sie basiert auf der sogenannten Long-Compact-Wide-Plattform, die bereits vom Dodge Dart genutzt wird und ursprünglich mal für die aktuelle Giulietta entwickelt wurde. Was nach ganz oben auf Vignons Wunschzettel steht, ist ein großer Geländewagen: "Ein SUV ist für die Marke überlebenswichtig."

Ein SUV von Alfa? Das kann man nur verstehen, wenn man die neue, globale Ausrichtung der italienischen Legende kennt. Denn bei Alfa denkt der Fiat-Konzern nicht mehr nur an Europa, sondern jetzt an die ganze Welt - und dabei vor allem an Amerika. Genau 20 Jahre nachdem sich die Italiener 1994 sang- und klanglos in den USA aus dem Staub gemacht und viele ebenso treue wie enttäuschte Fans zurück gelassen haben, wollen sie den Markt nun wieder aufrollen und den 4C als Türöffner nutzen. Ab 2014 sollen die Autos mit dem Scudetto bei den Jeep-Händlern stehen - und danach sogar den chinesischen Markt erobern.

Ein Stückweit folgt Alfa damit dem Vorbild der feinen Schwester Maserati, die in kleineren Dimensionen einen ganz ähnlichen Wachstumsplan hat und als Entwicklungspartner und Plattformlieferant dient. Dass Maserati Alfa dabei aber auch im Wege stehen könnte, befürchtet Markenchef Vignon nicht: Wir liegen in ganz unterschiedlichen Preissegmenten und bedienen allenfalls jene Maserati-Kunden, die von einem Quattroporte oder Ghibli träumen, ihn sich aber nicht leisten können, argumentiert Vignon.

Konzernchef Marchionne weiß, dass es für Alfa allerhöchste Zeit ist. Doch hetzen lassen will er sich dabei nicht. Deshalb wurden sowohl das US-Comeback als auch der neue Premierenplan in den letzten Jahren immer wieder nach hinten verschoben, um weiter am Vertriebsnetz und den Neuheiten zu feilen. Denn Fehler kann sich Fiat bei diesem Plan nicht leisten, glaubt der Chef: "Wir haben nur einen Schuss, und der muss sitzen."

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insgesamt 69 Beiträge
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1. Wie eine Elise
huettenfreak 07.03.2013
nur viel schöner! VW-Lenker Piech weiß schon warum er hinter Alfa her ist wie der Teufel hinter der Großmutter. Ich denke Fiat/Alfa ist auf einem guten Weg, auch der Fiat 500 ist in den USA ein riesiger Erfolg, allen Unkenrufen zum Trotz. Ich wünsche Fiat und Alfa viel Erfolg!
2. Hoffentlich
huettenfreak 07.03.2013
kommt dieser Alfa auch als Roadster bzw. mit Targadach.
3. Hoffentlich ist deren Carbonbäckerei
JuppZupp 07.03.2013
qualitativ ok. Optisch ist die Kiste ja wirklich purer Sex. Denke der Spider auf MX-Basis wird auch ein Knaller, bin schon sehr gespannt auf das jeweilige Styling und die Verkaufszahlen. Perfekt wäre jetzt noch konsequentes Verzinken im Schwellerbereich und Unterboden (wo wir doch gerade so schön beim Träumen sind).
4.
statussymbol 07.03.2013
Zitat von huettenfreakIch denke Fiat/Alfa ist auf einem guten Weg, auch der Fiat 500 ist in den USA ein riesiger Erfolg, allen Unkenrufen zum Trotz.
Der Fiat 500 ist eine geschickte Alternative zum aktuellen Mini - ein Fasionauto für Frauen und Hipster ;-)
5. Bild 8
artbond 07.03.2013
die Scheinwerfer sehen in Orginal schon ziemlich daneben aus...
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