Alfa Romeo Giulietta Julchen kehrt zurück

Vorübergehend stürzte Alfa Romeo etliche Autojournalisten in Verwirrung. Seit Monaten wurde der Nachfolger für das Modell 147 als "Alfa Milano" gehandelt - denkste! Mit den ersten Daten zum neuen Auto wurde nun auch der echte Name veröffentlicht: Alfa Romeo Giulietta.

Von Jürgen Pander


Auf dem Automobilsalon in Genf (4. bis 14. März 2010) wird das Auto offiziell vorgestellt. Doch weil der Kompaktwagen essentiell ist für die Zukunft von Alfa Romeo, und weil die italienische Marke im kommenden Jahr den 100. Geburtstag feiert - was ordentlich ausgewalzt werden soll - gibt es bereits jetzt erste Informationen zum neuen Modell. Die erste Überraschung: der neue Kompaktwagen, Nachfolger des Modells 147, wird einen altehrwürdigen Namen aus der Firmenhistorie erhalten, nämlich Giulietta. Alfa Romeo verabschiedet sich offenbar mal wieder von der Benennung der Baureihen mit Ziffern, der zuletzt neu vorgestellte Kleinwagen etwa erhielt den Namen Mito.

Mit der ersten Giulietta - ein Auto, das in Deutschland der Einfachheit halber "Julchen" gerufen wurde - trat das Unternehmen Alfa Romeo ein in den modernen Automobilbau. Die Ur-Giulietta debütierte am 19. April 1954 auf dem Autosalon in Turin, und zwar als Coupé mit dem Namenszusatz Sprint. Geformt von Bertone, war der Wagen der erste Alfa Romeo für den kleinen Mann, das erste auf die Großserienfertigung ausgelegte Modell der Marke, die bis dahin vor allem exklusive und teure Sport- und Luxusfahrzeuge fabriziert hatte.

Angetrieben wurde die Giulietta Sprint von einem 1,3-Liter-Vierzylinder-Motor mit zwei obenliegenden Nockenwellen, der eine Leistung von 65 PS entwickelte (später bis 100 PS) und das bildhübsche Auto auf bis zu 165 km/h beschleunigte. 1955 folgten in rascher Folge zwei weitere Karosserievarianten: die Limousine Giulietta Berlina und das Cabriolet Giulietta Spider. Auch damit vollzog Alfa Romeo schon früh eine Entwicklung, die bis heute den Automobilbau bestimmt: die Diversifikation einer Baureihe in unterschiedliche Karosserievarianten.

Giulietta-Modelle wurden von Alfa Romeo bis 1964 gebaut, und vor allem die von Zagato karossierten, besonders leichten Sprint-Modelle wurden in den späten fünfziger und frühen sechziger Jahren erfolgreich im Motorsport eingesetzt. Rund 180.000 Exemplare aller Varianten der Giulietta fertigte Alfa - so viele wie noch von keinem Modell zuvor. Unter anderem fuhren auch Stars wie Gina Lollobrigida und Sofia Loren eine Giulietta Sprint. Die Ablösung erfolgte ab 1962 durch das etwas größere und etwas stärker motorisierte Modell Giulia - ein weiteres Erfolgskapitel in der Alfa-Romeo-Geschichte jener Zeit.

Nun also knüpft Alfa Romeo zumindest dem Namen nach an den Bestseller aus vergangenen Tagen an. Die neue Giulietta basiert auf einer komplett neu entwickelten Fahrzeugarchitektur - Fahrwerk, Lenkung und Plattform sind frische Konstruktionen. Das Design spielt Alfa-typisch mit klassischen Zitaten aus dem Formenschatz der Firma und kombiniert diese mit klaren und auffälligen Linien. Der Griff für die hinteren Türen wurde auch bei diesem Modell in der C-Säule versteckt, es gibt LED-Scheinwerfer an Front und Heck und die bereits aus dem Kleinwagen Mito bekannte Fahrdynamikregelung Alfa Romeo DNA, mit der sich per Kippschalter das Fahrwerk, die Lenkung, das ESP und die Motorsteuerung verändern lassen.

Vier Turbomotoren stehen zur Wahl, die Topversion folgt später

Bei den Motoren wird anfangs unter vier Varianten zu wählen sein. Im Angebot sind zwei Turbo-Benziner mit 125 und 170 PS sowie zwei Turbo-Diesel mit 105 oder 170 PS. Ein Start-Stopp-System ist bei allen Modellen serienmäßig an Bord. Später soll das Antriebsportfolio um ein Triebwerk mit 235 PS Leistung ergänzt werden.

Was Alfa Romeo auch schon über die neue Giulietta verraten hat, sind die Maße. Der Wagen ist 4,35 Meter lang, 1,46 Meter hoch und 1,80 Meter breit; der Radstand beträgt 2,63 Meter. Und für alle, die schon eine neue, automobile Zweisamkeit planen: Der Kofferraum bietet ein Ladevolumen von 350 Liter. Weitergehende Details, insbesondere die Preise für das neue Modell, werden derzeit noch nicht genannt. Spätestens bei der Weltpremiere in Genf jedoch wird das geschehen, denn schließlich soll der Wagen noch im Frühling bei den Händlern stehen.

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insgesamt 9 Beiträge
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guenter_w 04.12.2009
1. Soap Opera
Au weia, wann sehen endlich Autos mal wieder wie solche aus? Dieses "Julchen" ist ein Paradebeispiel für das aktuelle Design: halb abgenutztes Seifestück mit Sehschlitzen, Leuchten vorn und hinten möglichst brutal groß aus Billigplaste. Das Design der 50er und 60er dagegen treibt einem die Tränen der Erinnerung in die Augen, einfach, harmonisch, schön!
glücklicher südtiroler 04.12.2009
2. Im Gegensatz zu...
Zitat von sysopVorübergehend stürzte Alfa Romeo etliche Autojournalisten in Verwirrung. Seit Monaten wurde der Nachfolger für das Modell 147 als "Alfa Milano" gehandelt - denkste! Mit den ersten Daten zum neuen Auto wurde nun auch der echte Name veröffentlicht: Alfa Romeo Giulietta. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,665125,00.html
...dem Artikel, der die Lancia Delta betraf, endlich ein fairer SPON-Artikel über ein italienisches Auto.Ich hatte früher selber einmal eine Alfa 146 und jene die das Auto für unpraktisch und unzuverlässig hielten, wurden Lügen gestraft. In 10 Jahren hatte ich lediglich einen Defekt an der Zentralverriegelung, Einen an der Hupe und Einen an einem Licht der Armaturenbeleuchtung... Irgendwo liegengeblieben bin ich mit dem Wagen nie! Die neue Alfa hat die betörende, unwiderstehliche Eleganz einer Italienerin...:-), Ihr Design hebt sich wohltuend vom automobilen Einerlei auf der Straße ab... Das schönste Kompliment ist wohl, daß sich das Auto unmöglich mit anderen Produkten verwechseln lässt;... ...Und auch die Alltagstauglichkeit (Kofferraum 350 l) bleibt trotz in Blech gepresster Lebensfreude, nicht auf der Strecke...:-) ..."che bella macchina"...:-) Bin schon gespannt auf die Vorstellung beim Händler, und auf die Probefahrt um die Technik zu testen...: ..."schön ist sie die Italienerin, mal sehen ob sie auch kochen kann..." Danke für den tollen Artikel mit historischen Hintergründen... Viele Grüße aus Südtirol...
Sapientia, 04.12.2009
3. Übrigens, Sie liegen falsch.....
Zitat von sysopVorübergehend stürzte Alfa Romeo etliche Autojournalisten in Verwirrung. Seit Monaten wurde der Nachfolger für das Modell 147 als "Alfa Milano" gehandelt - denkste! Mit den ersten Daten zum neuen Auto wurde nun auch der echte Name veröffentlicht: Alfa Romeo Giulietta. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,665125,00.html
der Name "Julchen" oder auch "Jule" stammt von der legendären Limousine: Alfa Romeo GIULIA, der mit dem eingetretenen Heck, auch eingangs Knochenheck genannt. Ihre Vorgängerin, die Giulietta Berlina, hatte noch gar keinen so großen Bekanntheitsgrad, war nur sehr selten im Straßenverkehr anzutreffen und galt als Exot. Erst die Giulia erfuhr eine große Anhängerschaft, weil sie neben einer hervorragenden Straßenlage und einer augetüftelten Aerodynamik (der 1. bei Alfa und für Großserienfahrzeuge) über Fahrleistungen bei 4-5 Sitzplätzen verfügte, an die seinerzeit allenfalls die Porsche 356 heranragten. Wollte Papi also vorne Formel 1 spielen und seine Familie dabei haben, nebenbei aber auch noch konkurrenzfähig auf Landstraße und Autobahn sein, so konnte er - wollte er sich nicht mit einer zu weichen Spiesserschleuder begnügen, für einen relativ günstigen Preis auf Porsche-Jagd gehen, jedenfalls aber erhaben sein ggü. dem Autodurchschnitt. Im übrigen galt es schon immer als etwas besonders, Alfas der Generationen: Giulietta Und Giulia zu fahren - auch heute noch.
charlyp 04.12.2009
4. Schön reden gilt nicht
Ich, der seit nun 10 Jahren Alfa (147, GT, 159SW) fahre, würde ja dem Südtiroler gerne recht geben, doch leider nicht möglich. Was heißt hier u.a. "unverwechselbarkeit". Schon mal einen 1-er BMW von hinten angeschaut? Von vorne viel zuviel MITO, wo bleibt da die Eigenständigkeit? Beim 8C passen die Scheinwerfer zu den Proportionen des Autos, aber nicht hier. Ich werde mich wohl von Alfa verabschieden, wobei ich immer noch von einem GT Nachfolger träume. Manchmal werden ja Träume war.
Reltteo 05.12.2009
5. Alfa Romeo
Zitat von charlypIch, der seit nun 10 Jahren Alfa (147, GT, 159SW) fahre, würde ja dem Südtiroler gerne recht geben, doch leider nicht möglich. Was heißt hier u.a. "unverwechselbarkeit". Schon mal einen 1-er BMW von hinten angeschaut? Von vorne viel zuviel MITO, wo bleibt da die Eigenständigkeit? Beim 8C passen die Scheinwerfer zu den Proportionen des Autos, aber nicht hier. Ich werde mich wohl von Alfa verabschieden, wobei ich immer noch von einem GT Nachfolger träume. Manchmal werden ja Träume war.
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