Vorschrift in Frankreich: Nichts als Ärger mit den Alkoholtests

Seit dem 1. Juli ist ein Alkoholtest in jedem Pkw im Nachbarland Pflicht. Doch die Liste der Beschwerden über die Testgeräte wird immer länger: Ausverkauft, zu teuer, unzuverlässig, ja sogar gesundheitsschädlich. Doch für diejenigen, die ohne Tester erwischt werden, gibt es einen kleinen Trost.

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Alkotester: Seit Anfang Juli sind die umstrittenen Alkoholtester in Frankreich Pflicht

Beim ADAC in Deutschland laufen derzeit die Telefone heiß. Täglich bitten hunderte Urlauber händeringend um Rat. Viele Besucher des Landes sind verunsichert wegen der Alkoholtest-Pflicht. Inzwischen hat der Autoclub die französische Regierung sogar aufgefordert, endlich für Klarheit und eine "praxistaugliche Lösung" zu sorgen.

Die Alkoholtests sollen bei Autofahrern das Bewusstsein dafür schärfen, sich nicht betrunken ans Steuer zu setzen. Denn fast ein Drittel der insgesamt 4000 Unfalltoten pro Jahr in Frankreich geht auf Alkohol am Steuer zurück, während dies in Deutschland zehn Prozent sind.

Doch seit ihrem Start bringt die Testpflicht nichts als Ärger. Ein Hauptproblem ist im Moment, dass gar nicht genug Alkoholtests produziert werden können, um die Nachfrage zu bedienen. Allein in Frankreich gibt es rund 40 Millionen Fahrzeuge, hinzu kommen ausländische Touristen und Geschäftsreisende. Ein Test des deutschen Automobilclub Kraftfahrer-Schutz von Ende Juli ergab, dass es "weder in grenznahen Tankstellen noch in Supermärkten" genug Geräte zu kaufen gibt. In Frankreich ist selbst im Internet oft zu lesen: "Nicht mehr vorrätig".

Die in Deutschland erhältlichen Alkoholtests entsprechen wiederum nicht der französischen Norm. In Frankreich kann entweder ein chemischer Einmaltest für mindestens rund einem Euro gekauft werden oder ein wieder verwendbares elektronisches Modell, das für den stolzen Preis von mindestens hundert Euro angeboten wird. Nach Ansicht des ADAC sollte die Regierung in Paris daher "gegebenenfalls auch Alkoholtester ohne französische Norm zulassen".

Unzuverlässige Ergebnisse

Kopfschütteln ruft bei vielen Autofahrern zudem die Tatsache hervor, dass die billigen Einwegtests offenbar wenig zuverlässig sind. Bei zehn Testpersonen kam laut ADAC bei den Röhrchen fast immer ein Wert von etwa 0,5 Promille heraus, dem Alkohol-Grenzwert in Frankreich und Deutschland. Polizeimessgeräte hätten aber jeweils niedrigere oder höhere Werte ermittelt. "Damit zeigen die Röhrchen dem Nutzer lediglich, dass Alkohol konsumiert wurde."

Kritiker der Testpflicht wandten von Anfang an ein, dass die meisten Autofahrer ja wohl selbst wüssten, ob sie Wein oder Bier getrunken hätten. Selbst Frankreichs neuer Präsident François Hollande war schon vor Monaten im Wahlkampf skeptisch, denn die "große Mehrheit der Unfälle geht auf Autofahrer zurück, die wissen, dass sie über dem gesetzlichen Limit liegen".

Hinzu kommt, dass die Einwegtests kühl und stoßfrei gelagert werden sollten, damit sie funktionieren. In einem Auto-Handschuhfach im Sommer steigt die Temperatur aber schnell einmal über 40 Grad an, wie die Präsidentin der Liga gegen Gewalt im Straßenverkehr (LCVR), Chantal Perrichon, kritisierte. Das nationale französische Labor LNE zur Überprüfung der Zuverlässigkeit der Tests weist dies allerdings zurück: Alle Tests müssten im Labor sogar noch höheren Temperaturen standhalten.

Reagiert hat die Regierung in Paris bereits auf eine andere Warnung von Umweltschützern, derzufolge die Einmaltests das krebserregende Kaliumdichromat enthalten. Nun wird geprüft, ob die Geräte als Sonderabfall abgegeben werden sollen - das System für gesundheitsgefährdende Haushaltsabfälle wie Lösemittel und Farben ist in Frankreich allerdings noch im Aufbau. Autofahrer sollten auf jeden Fall sicherstellen, dass die Röhrchen nicht in die Hände von Kindern geraten, und die Geräte daher nicht im Handschuhfach, sondern im Kofferraum verstauen.

In all dem Durcheinander gibt es einen kleinen Trost für Autofahrer: Das Bußgeld von elf Euro wird für diejenigen, die keinen Alkoholtest in ihrem Auto haben, erst ab November fällig.

rom/AFP

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