Alkolocks Was bringen Wegfahrsperren für Trinker?

Vor dem Losfahren ins Röhrchen pusten - sogenannte Alkolocks können den Verkehr sicherer machen. Fachleute empfehlen die Geräte - Studien offenbaren jedoch auch einen Nachteil.

Alkolock-Gerät
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Alkolock-Gerät


Bei 12.000 Verkehrsunfällen mit Personenschäden ist im Jahr 2017 Alkohol im Spiel gewesen. Alkohol-Wegfahrsperren, sogenannte Alkolocks, könnten einen Teil der Unfälle verhindern. Beim Verkehrsgerichtstag in Goslar wollen Experten nun über die Technik diskutieren. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wie funktioniert die Alkohol-Wegfahrsperre?

Ein Alkolocks ist ein Atemalkohol-Messgerät, das mit einer Wegfahrsperre kombiniert ist. Damit sich der Motor starten lässt, müssen Autofahrer erst pusten.

Kann man das System austricksen?

Ja, indem man jemand anderen pusten lässt. Nach Ansicht des Verkehrssicherheitsrats ist die Wahrscheinlichkeit dafür aber relativ gering. Alkolocks forderten in der Regel auch während der Fahrt zur Kontrolle auf - bis der Fahrer gepustet hat. In den USA und Australien kämen zudem Kameras zum Einsatz, die die Personen bei der Atemabgabe fotografierten.

Ist eine Alkolocks-Pflicht denkbar?

Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) plädiert für eine EU-Richtlinie, wonach alle neuen Kraftfahrzeuge mit Alkolocks auszurüsten sind. "Europaweit könnten die Geräte dann so eingestellt werden, dass ab 0,5 Promille das Starten des Fahrzeugs nicht mehr möglich ist", sagt UDV-Leiter Siegfried Brockmann. Ein Fahrer, der ohne ein solches Gerät führe, verstieße dann gegen das Gesetz. Trotz mehrerer politischer Initiativen ist eine Alkolocks-Pflicht in ganz Europa bisher nicht in Sicht.

Könnten Alkolocks Trinkern helfen?

Infrage für eine Alkohol-Wegfahrsperre kämen Fahrer, die mit einem Alkoholanteil im Blut von 1,1 bis 1,6 Promille erwischt wurden und ihren Führerschein erst nach Ablauf einer Sperrzeit zurückbekommen. "Das System kann eine Sperrfrist verkürzen oder ein Strafverfahren zur Einstellung bringen", sagt Rechtsanwalt Christian Funk von der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins. Im Jahr 2017 wurde bei bundesweit knapp 3000 Unfallbeteiligten ein Alkoholwert zwischen 1,1 und 1,6 Promille gemessen.

Welche Erfahrungen gibt es aus anderen Ländern?

Studien aus den USA und Schweden belegen nach Angaben des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR), dass Trunkenheitsfahrten mit eingebauten Alkolocks seltener werden. Es gibt jedoch einen Nachteil: Sobald das System ausgebaut ist, steigt die Zahl der Alkoholfahrten wieder. Rechtliche Grundlagen für den Einsatz von Alkolocks gibt es bereits in Frankreich, Finnland, den Niederlanden und in Polen.

Was kostet ein Alkolock-System?

Wer sich als Privatperson ein derartiges Gerät einbauen lässt, muss mehrere Tausend Euro zahlen. In Skandinavien können Alkolock-Systeme auch gemietet werden. Das wäre laut DVR auch für Deutschland eine Option, wenn die Geräte für einzelne Personengruppen vorgeschrieben werden sollten.

ene/dpa



insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
c124048 22.01.2019
1.
Zitat: Es gibt jedoch einen Nachteil: Sobald das System ausgebaut ist, steigt die Zahl der Alkoholfahrten wieder. Mal im Ernst: Das kann doch der Verfasser nicht Ernst meinen..... Ein NACHTEIL ist es, dass es nicht wirkt, wenn es nicht benutzt oder vorhanden ist? Solche Geräte retten das Leben Unschuldiger. Wer alkoholisierten Fahrern hilft dieses System zu täuschen (Hier, puste Du mal!) sollte drakonische Strafen bekommen. Auch diese USA-Geschichte mit dem Photo finde ich ganz ok. Man kann die Strasse nicht zu 100% sicher halten, aber zumindest diese verachtenswerten Alkohol-Fahrer kann man so von der Strasse fernhalten.
lehebe 22.01.2019
2. Wenn denn alle Risiken absichern..
Genau, pusten wir alle vor dem Weg zur Arbeit erstmal ins Röhrchen. Danach folgt natürlich noch ein Urintest für die Junkies unter uns. Geprüft werden muss vorher natürlich auch noch ob der Fahrer seine 8 Stunden Schlaf hinter sich hat - Sekundenschlaf ist immerhin auch ein großer Unfallverursacher. Hat der Fahrer denn auch brav seine eingetragene Sehhilfe auf? ... Wenn ich mit der gesamten Checkliste durch bin, brauche ich gar nicht mehr losfahren zur Arbeit.
o9405596 23.01.2019
3. Manipulation mit Druckluft?
Wie manipulationssicher sind diese Systeme eigentlich? Im Artikel wird nur auf die Möglichkeit einer zweiten Person, die den Alkoholtest vornimmt, eingegangen. Aber was ist z.B. mit einer kleinen Sprühdose mit Druckluft die man an das Teströhrchen hält?
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