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CO2-Grenzwerte: Altmaier rechnet mit Sieg der Auto-Lobby

Bundeskanzlerin Merkel mit Umweltminister Altmaier : "Korrekturbedarf"  Zur Großansicht
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Bundeskanzlerin Merkel mit Umweltminister Altmaier: "Korrekturbedarf"

Ein Bundesumweltminister, der sich gegen den Umweltschutz einsetzt: Mit dieser Mission ist Peter Altmaier zu einem Treffen mit seinen EU-Amtskollegen nach Luxemburg gereist. Altmaier plädiert dort für eine Aufweichung der CO2-Grenzwerte für Autos - und gibt sich schon mal siegessicher.

Luxemburg/Hamburg - Wenn Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) strengere Gesetze gegen Abgase verhindern will, klingt das so: Deutschland habe in den vergangenen Jahren beim Umweltschutz "immer eine Vorreiterrolle gespielt" - aber bei dem Vorhaben der EU, die CO2-Grenzwerte für Autos zu verschärfen, gebe "an der ein oder anderen Stelle Korrekturbedarf". So äußerte sich der Unions-Minister am Montag vor einem Treffen mit seinen Amtskollegen in Luxemburg.

Bei der Zusammenkunft sollte eigentlich über einen bereits im Juni gefundenen Kompromiss bei der Regelung des CO2-Ausstoßes abgestimmt werden. Demzufolge sollen Neuwagen ab 2020 im Durchschnitt noch 95 Gramm des klimaschädlichen Gases CO2 ausstoßen dürfen. Berlin hatte bereits zwei Mal eine Einigung zu dem Gesetz verhindert - und auch diesmal scheint sich die Regierung erfolgreich für die Autolobby einzusetzen: Altmaier rechnete jedenfalls nicht mit einem Abschluss des Streits am Montag. Er sprach von einem möglichen Ergebnis "innerhalb der nächsten Wochen".

Die Abgas-Regelung, sagte Altmaier, müsse zwar den Umweltschutz voranbringen, zugleich aber "die Interessen auch der europäischen Wirtschaft gegenüber Wettbewerbern in anderen Ländern" respektieren. Von den anderen EU-Ländern forderte er in dieser Angelegenheit ein Entgegenkommen. Auf die Bedenken der Bundesregierung müsse man "eingehen".

Berlin hat Paris und London im Visier

Nach SPIEGEL-Informationen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits dafür gesorgt, dass Deutschlands Stimme Gehör findet: Demnach haben Beamte aus dem Kanzleramt bereits Großbritannien auf ihre Seite gezogen, indem den Briten im Gegenzug ein Entgegenkommen bei der EU-Bankenunion versprochen wurde. Frankreich, bisher ein Befürworter der strengeren CO2-Gesetze, soll dagegen mit Zugeständnissen bei Reform des Emissionshandels gelockt werden. Zu diesem Zweck reiste Kanzleramtsminister Ronald Pofalla nach Informationen des SPIEGEL vergangenen Mittwoch mit drei Abteilungsleitern seines Hauses nach Paris, um die Regierung von Staatspräsident François Hollande umzustimmen.

Konkretes Ziel der Bundesregierung ist es, mehr Super-Credits als bisher geplant an die Autokonzerne zu vergeben, damit Elektroautos und Hybride mehrfach gegen den CO2-Ausstoß von Spritfahrzeugen aufgerechnet werden kann. Außerdem soll die schärfere CO2-Grenze nur für einen Teil der Pkw nach dem Jahr 2020 gelten. Der Durchschnittswert von 95 Gramm soll zu Anfang nur für 80 Prozent der Fahrzeugflotte eines Herstellers gelten, erst 2024 müssten dann 100 Prozent erreicht werden.

Gegen diesen deutschen Vorstoß wehrt sich das EU-Parlament. Die Grünen-Chefin im Europaparlament, Rebecca Harms, drängte auf einen Abschluss der Beratungen am Montag: "Es ist nicht länger hinnehmbar, dass Deutschland die Regulierung zum Schutz eines einheimischen Premiumherstellers blockiert", teilte sie am Sonntag mit. Sollte der Ministerrat Deutschlands Änderungswünschen entsprechen, muss er sich erneut mit dem Parlament einigen. Schwedens Umweltministerin Lena Ek nannte das Verhalten Deutschlands "gefährlich". Es drohten lange Verzögerungen in der Gesetzgebung.

cst/AFP/dpa

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insgesamt 174 Beiträge
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1. Sehr gut!
danido 14.10.2013
Die Autoindustrie schafft Arbeitsplätze, auch wenn das einige Leute immer noch nicht wahr haben wollen.
2. Na Bravo
schillerfocke 14.10.2013
Und mit solchen Leuten, die Neusprech dermaßen verinnerlicht haben, will die SPD seriös regieren? Niemals, es sei denn, die Parteispitze wolle Harakiri begehen.
3. Umweltschutz nach Altmaier
rainer_daeschler 14.10.2013
Umweltschutz nach Altmaiers Verständnis schützt die Wirtschaft vor der Umwelt. Schließlich dient ein Insektenschutzmittel auch nicht dem Fortleben dieser Tierchen. Kein Wunder, dass Altmaier das Umweltministerium keinem Koalitionspartner überlassen will.
4.
coopms 14.10.2013
Zitat von rainer_daeschlerUmweltschutz nach Altmaiers Verständnis schützt die Wirtschaft vor der Umwelt. Schließlich dient ein Insektenschutzmittel auch nicht dem Fortleben dieser Tierchen. Kein Wunder, dass Altmaier das Umweltministerium keinem Koalitionspartner überlassen will.
Tja, da könnte glatt jemand in das Ministerium einziehen, der Umweltschutz als Aufgabe des Umweltministers ansieht. Das muss natürlich verhindert werden.
5. Rechnung
Wellness 14.10.2013
Die Rechnung für diese "Fake Umweltpolitik" wird uns teuer zu stehen kommen.Es gab außer Töpfer keinen Fähigen Umweltminister in diesem Land.
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CO2-Ausstoß - Die Fakten
2009 hat die EU einen CO2-Grenzwert für Pkw festgelegt. Nach der gültigen Richtlinie darf der CO2-Ausstoß der Neuwagen-Flotte eines Herstellers ab 2020 durchschnittlich 95 Gramm je Kilometer nicht überschreiten. 2012 lag dieser Durchschnittswert in Europa bei 136,1 g/km, in Deutschland bei 141,8 g/km. Die EU-Regelung sieht Strafen vor, wenn die Autos ab 2020 mehr als 95 g/km ausstößen - und zwar 95 Euro je Gramm und Fahrzeug. Läge dann der durchschnittliche CO2-Ausstoß aller Autos eines Herstellers bei 105 g/km, würden pro verkauftem Auto 950 Euro fällig.

Nicht nur in Europa, auch für andere Weltregionen wurden CO2-Grenzwerte ab 2020 festgelegt. In den USA etwa 121 g/km (ab 2025 dann 93 g/km), in China 117 g/km und in Japan 105 g/km. Die deutsche Autoindustrie erklärte, der europäische Richtwert sei "sehr ambitioniert" und nur durch "erhebliche Mehrkosten" erreichbar.

Welche Typen von Elektroautos gibt es?
Reiner Elektroantrieb
Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Model S, VW E-Up, VW E-Golf, Renault Zoe, BMW i3, Ford Focus Electric, Nissan Leaf, Mercedes B-Klasse E-Drive
Hybridantrieb
Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

Beispiele: Toyota Prius, Toyota Prius+, VW Golf GTE, Porsche Panamera S E-Hybrid, Porsche 918 Spyder, Volvo V60 PiH, BMW i8
Brennstoffzellenantrieb
Bei diesen Fahrzeugen tankt man statt Benzin flüssigen Wasserstoff. In einer chemischen Reaktion wird das Hydrogen in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt, die dann das Fahrzeug antreibt. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen ist die Infrastruktur für den Wasserstoff eine ungelöste Frage. Vorteil der Brennstoffzellenfahrzeuge ist ihre größere Reichweite.

Beispiele: Hyundai ix35, Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz), Toyota Mirai
Range Extender
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Elektroautos haben Range Extender einen Verbrennungsmotor an Bord, der anspringt, wenn die Ladung der Batterie zur Neige geht. Vorteil: Die Reichweite steigt auf das Niveau eines Autos mit konventionellem Antrieb. Vorreiter dieser Spezies ist der Opel Ampera, der die Kraft des Verbrenners aber auch nutzt, wenn die volle Leistung zum Beispiel auf der Autobahn abgerufen wird.

Beispiele: Opel Ampera (baugleich mit Chevrolet Volt), BMW i3 (optional mit Benzinmotor)
CO2-Emissionen

Bei Neuzulassungen 2012 in Deutschland (Flotten-Durchschnitt in g/km):

 

 

Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt

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