Sind die Autoreifen abgefahren, muss ein neuer Satz auf die Felgen - so will es das Gesetz. Spätestens ab einer Profiltiefe von 1,6 Millimetern haben die Rollen ausgedient. Das hat sprichwörtlich schwere Folgen. Pro Jahr fallen in Deutschland nach Angaben der Gesellschaft für Altgummi-Verwertungs-Systeme (GAVS) rund 600.000 Tonnen Altreifen an. Die Entsorgung ist nicht einfach - seit 2003 ist es verboten, die gebrauchten Gummis einfach auf eine Deponie zu schmeißen.
Was geschieht also mit den alten Schlappen? Generell gibt es drei Möglichkeiten:
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Stoffliche Verwertung
Spezialisierte Betriebe schreddern etwa 220.000 Tonnen alte Reifen pro Jahr, um daraus entweder ein Granulat herzustellen oder um das Material in einem weiteren Arbeitsgang zu einem sogenannten Gummimehl zu mahlen. Grundsätzlich trennen diese Unternehmen das Gummi von dem in den Reifen vorhandenen Stahl der Karkassen. Das so gewonnene Material lässt sich unterschiedlich nutzen. Es kann in die Beläge von Tartanbahnen, Fallschutzbelägen oder Kunstrasenfelder gemischt werden.
Außerdem lässt sich das Granulat als Zusatz für Straßenasphalt beimengen. Die alten Reifen sorgen damit dafür, dass neue Reifen nicht so viel Lärm verursachen: Laut ADAC können solche speziellen Straßenbeläge die Abrollgeräusche um rund 3 bis 5 Dezibel verringern.
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Energetische Verwertung
Lässt sich ein alter Reifen nicht mehr schreddern, wird er verbrannt. Besonders die Zementindustrie verfeuert mit Vorliebe das schwarze Rund, denn es enthält mehr Energie als Kohle. 2011 landeten 253.000 Tonnen Altreifen in den Öfen.
Der Bundesverband umweltgerechte Altreifenverwertung sieht diese Praxis jedoch kritisch. Denn durch das Abfackeln ist der Rohstoff für immer vernichtet. Außerdem entstehen nach Ansicht des Vereins dabei mehr Schadstoffe als beim Verbrennen von Kohle.
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Wieder- und Weiterverwendung
Die wohl bekannteste Form der Wiederverwendung ist das Runderneuern der Reifen. Dabei wird nach einer Prüfung des Grundgerüsts das Gummi bis auf den Gürtel des Reifens abgetragen und erneuert. Das ist zum Teil preiswerter als einen neuen Satz zu kaufen.
Laut ADAC funktioniert die Runderneuerung ohne sicherheitsrelevante Nachteile. Allerdings schnitten Neureifen bei Tests in den jeweiligen Preissegmenten in Einzeldisziplinen meist besser ab als wiederverwendete Modelle.
Im Pkw-Bereich ist der Markt rückläufig. 2011 hat die Industrie 42.000 Tonnen wieder aufbereitet, 2008 waren es noch 74.000 Tonnen. Runderneuerte Reifen sind vor allem interessant für Speditionen. Die Lkw-Pneus sind grundsätzlich für eine hohe Laufleistung ausgelegt. Sollte also das Profil abgefahren sein, lohnt sich die Aufbereitung in den meisten Fällen noch.
58.000 Tonnen Altreifen werden exportiert. Die Verwendung im Ausland ist vielfältig - entweder werden sie einfach weitergefahren, weil es keine oder nicht so strenge gesetzliche Bestimmungen gibt, oder sie werden verwertet.
Es gibt auch noch andere Möglichkeiten, Altreifen weiter zu benutzen, zum Beispiel als Dämpfer an Schiffsanlegern oder als Reifenstapel an einer Rennstrecke. Auch als Schaukel kann man einen alten Reifen nutzen. Allerdings nur im eigenen Garten, denn auf öffentlichen Spielplätzen ist der Einsatz mittlerweile Tabu. Der Grund: Die Pneus sind zu schwer. Sollte der Reifen aus der Verankerung reißen und auf ein Kind fallen, ist die Verletzungsgefahr zu groß.
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