Amphibienfahrzeug Corphibian Der ausgebootete Chevy

In den USA wird ein mehr als 50 Jahre alter Chevrolet mit nur 250 Kilometern auf dem Tacho versteigert. Der Pick-up hat aber noch mehr zu bieten: Er kann schwimmen.

James D. DeCamp

Für Amphibienfahrzeuge hat es in der Automobilgeschichte nie einen Massenmarkt gegeben. Zu wenige Menschen benötigen offenbar ein Gefährt, mit dem sie werktags zur Arbeit fahren und wochenends eine Bootstour unternehmen. Eigentlich ein Jammer: Sonst würde man auf den Straßen oder im Wasser heute wohl öfter das wunderschöne Corphibian sehen.

Das Corphibian ist der Beitrag von General Motors zur glücklosen Historie der Amphibienfahrzeuge. Zwei GM-Entwickler bauten Mitte der Sechzigerjahre den Prototyp. Kurz davor war das Amphicar des deutschen Konstrukteurs Hans Trippel in Serie gegangen, und fast alle Exemplare waren in die USA exportiert worden. Der Boom der schwimmenden Autos blieb jedoch aus, nicht mal eine rentable Nische ließ sich finden. GM begrub die Pläne wieder, das Corphibian existiert deshalb nur ein einziges Mal. Dieses Unikat kommt jetzt in den USA unter den Hammer.

Der Name des Gefährts setzt sich aus Corvair und Amphibian zusammen, denn als Basisfahrzeug diente den beiden Entwicklern - Richard E. Hulten und Roger D. Holm - ein Pick-up-Modell des Chevrolet Corvair. Der preiswerte Transporter der GM-Tochter Chevy war 1961 auf den Markt gekommen und wurde mit einem luftgekühlten Sechszylindermotor und Heckantrieb ausgeliefert. Hulten und Holm veränderten nicht viel an Form und Motorisierung, aber sie streckten den Basis-Corvair um rund 60 Zentimeter und fügten ihm ein paar entscheidende Bauteile hinzu.

Das Wasserspaßmobil von Chevrolet ging leider nicht in Serie
James D. DeCamp

Das Wasserspaßmobil von Chevrolet ging leider nicht in Serie

Das Corphibian hat einen Unterboden aus Fiberglas, hinter den Hinterrädern sind jeweils ein Propeller und ein kleines Ruder montiert. Der Antrieb für die Propeller sitzt unter der verlängerten Ladefläche des Fahrzeugs. Darauf stehen zwei Klappstühle mit blau-weißem Leinen. Als weitere maritime Reminiszenz sind auf die Ränder der Ladefläche schmale Holzplanken geschraubt.

Auf See lässt sich das Corphibian sowohl von der Fahrerkabine als auch von Deck aus steuern. Wie jedes anständige Amphibienfahrzeug kann man mit dem Chevy direkt von der Straße ins Wasser rauschen. Ein zeitgenössisches Video zeigt das Corphibian in Aktion; leider gibt es keine Angaben dazu, wo die Bootstour stattfand und wer an Bord sitzt.

Viele Ausfahrten sind mit dem Unikat nicht unternommen worden; nach Angaben des Auktionshauses Mecum, das die Versteigerung des Corphibian im Januar organisiert, werden auf dem Tacho lediglich 157 Meilen (rund 250 Kilometer) angezeigt. Kein Wunder, dass immer noch die Originalbereifung an dem Vehikel angebracht ist.

Über ein Mindestangebot oder eine erwartete Versteigerungssumme ist noch nichts bekannt. Laut einem Bericht von "Hemmings Daily", einem Fachmagazin für Oldtimer, hatte der Prototyp von Hulten und Holm zwei weitere Vorbesitzer. Der jetzige Besitzer, der das Corphibian versteigern lässt, sagte dem Magazin: "Auf der Straße fährt es sich hervorragend. Aber wir waren damit nie zu Wasser." Ach, Amphibienfahrzeuge.

cst

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
dirk1962 30.12.2015
1. Klasse Fahrzeug
Ich denke, wenn heute ein Unternehmen den Mut hätte etwas ähnlichen auf dem Markt zu bringen gäbe es dafür auch Käufer in unserer Freizeitgesellschaft. Schließlich gibt es bei uns sehr viel mehr Wassersportler, als Leute die mit ihrem Schowmobil SUV jemals auch nur einen Feldweg befahren.
felisconcolor 30.12.2015
2. Zumindest
Zitat von dirk1962Ich denke, wenn heute ein Unternehmen den Mut hätte etwas ähnlichen auf dem Markt zu bringen gäbe es dafür auch Käufer in unserer Freizeitgesellschaft. Schließlich gibt es bei uns sehr viel mehr Wassersportler, als Leute die mit ihrem Schowmobil SUV jemals auch nur einen Feldweg befahren.
in D brauchts dafür aber einen Sportbootführerschein. (Wenn es denn ins Wasser soll) Denn ich schätze mal der Motor des Wägelchen hat mehr als 15PS. Aber trotzdem ein Schmuckstück und in dem Zustand sicher ein paar KiloDollar wert.
bissig 30.12.2015
3.
Mit den aktuellen Umweltvorschriften dürfte es sehr schwer werden. Der Antriebsstrang eines Fahrzeugs enthält viele Stellen, die gefettet werden wollen (wenn ich mich recht entsinne, musste das Amphicar nach jeder Wasserfahrt geschmiert werden). Und wenn das undicht wird, könnte das Wasser verschmutzt werden - heutzutage ein No Go (während bei 60er Käfern das Öl aus der Kurbelgehäuseentlüftung über ein Schnabelrohr direkt auf die Strasse geleitet wurde, fallen sie heutzutage durch den TÜV, wenn sich auch nur ein Tropfen Öl an der Motor-/Getriebeeinheit befindet). Früher gab es an den Rädern/Bremsen auch noch keine Elektrik (Radsensoren etc), heutzutage schon - das müsste auch wasserdicht ausgelegt werden. Kurz: selbst wenn sich das realisieren lässt, wäre es viel zu teuer.
haltetdendieb 30.12.2015
4. Kein Wunder Ein schönes Auto
"Kein Wunder, dass immer noch die Original-Bereifung an dem Vehikel angebracht sind." Mitnichten: Kein Wunder, dass immer noch die Original-Bereifung an dem Vehikel angebracht IST! Bereifung ist Einzahl! Ansonsten: Schade, dass sich diese Idee nicht durchgesetzt hat. Der Wagen ist zehn Mal schönes als die Amphicars, die noch irgendwo rumschwimmen!
bill_dauterive 30.12.2015
5.
Zitat von felisconcolorin D brauchts dafür aber einen Sportbootführerschein. (Wenn es denn ins Wasser soll) Denn ich schätze mal der Motor des Wägelchen hat mehr als 15PS. Aber trotzdem ein Schmuckstück und in dem Zustand sicher ein paar KiloDollar wert.
Wo ist denn das Problem bei einem Sportbootführerschein? Der kostet 150Euro und ist in zwei Wochenenden gemacht, wenn man in einen Verein eintritt. See&Binnen zusammen kosten 250Euro.
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