Designer über Apple-Auto "Es muss begeistern, nicht verschrecken"

Baut Apple ein eigenes Auto? Die Gerüchte über ein mögliches "iCar" verdichten sich, der iPhone-Konzern stellt immer mehr Fachkräfte aus der Automobilbranche ein. Was ein Apple-Auto tatsächlich leisten muss, erklären Designer.

Logo eines Apple Stores: Werden dort bald auch Autos verkauft?
REUTERS

Logo eines Apple Stores: Werden dort bald auch Autos verkauft?


Noch sind es Spekulationen - aber sie regen die Fantasien der Menschen an. Wird Apple wirklich ein eigenes Auto bauen? Es spricht einiges dafür, seit Wochen verdichten sich die Hinweise, dass der iPhone-Hersteller an einem "iCar" arbeitet.

Medienberichten zufolge sind bereits mehrere Hundert Leute am Geheimprojekt mit dem Codenamen "Titan" beteiligt. Geleitet werde es von Apple-Veteran Steve Zadesky, so jedenfalls meldet es das "Wall Street Journal" (WSJ) unter Berufung auf informierte Personen. Zadesky wechselte vor mehr als 15 Jahren vom Automobilhersteller Ford zum Computerpionier und arbeitete bereits am iPod und iPhone mit.

1000 Leute sprechen für ein ernsthaftes Projekt

Das "WSJ" meldete, Zadesky dürfe ein Team von bis zu tausend Leuten aufbauen. Die "Financial Times" hatte zudem berichtet, Apple heuere vermehrt Autoingenieure an - und ein geheimes Team aus Dutzenden Mitarbeitern arbeite an "automobilen Produkten".

So stellte Apple etwa einen hochrangingen Manager von Mercedes-Benz ein, aber auch zahlreiche Mitarbeiter des Elektroauto-Herstellers Tesla. Ein weiterer Hinweis auf Apples Auto-Entwicklung: A123 Systems, ein Hersteller von Akkus für Elektroautos, hat beim Bundesgericht in Massachusetts vor wenigen Tagen Klage gegen Apple eingereicht. Apple soll Top-Techniker von A123 Systems abgeworben haben, die dann bei Apple an ähnlichen Projekten weitergearbeitet hätten.

Apple-Manager sollen zudem bereits Auftragsfertiger der Autobranche besucht haben, unter anderem Magna Steyr in Österreich, schreibt das "Wall Street Journal".

Die Entwicklung eines Autos dauert mehrere Jahre und verschlingt viel Geld. Apple kann sich solch teure Experimente jedoch locker leisten: Der Konzern sitzt auf einem Geldberg von 178 Milliarden Dollar und fährt vor allem dank des iPhone-Erfolgs einen Milliardengewinn nach dem anderen ein. Aber es werden auch immer wieder Projekte verworfen: Seit Jahren wird etwa über einen Apple-Fernseher spekuliert, den es bis heute nicht gibt.

Apple kommentierte die Informationen auf Anfrage der Medien nicht.

Renommierte Designer zum Apple-Auto

Was jedoch muss das "iCar" mitbringen? Wodurch sich auszeichnen? Renommierte Designer haben auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE verraten, was Sie von einem Apple-Auto erwarten. So viel ist klar: Es wird mindestens ein Elektroauto, wenn nicht sogar Brennstoffzellen-Fahrzeug. Und: Der Konzern muss den Automarkt ähnlich prägen können wie einst den der Smartphones mit dem iPhone.

Hartmut Esslinger, Gründer von Frog Design und Erfinder der Apple-Designlinie. Er gestaltete die ersten Apple-Produkte in den Achtzigerjahren und half, daraus eine bekannte Weltmarke zu schaffen.

"Ein Auto hätte unter Steve Jobs sicherlich ausgesehen wie der BMW i3. Dessen Design ist Avantgarde, verkörpert gut das Credo, dass neue Technik auch ein neues Design braucht. Leitspruch bei Apple ist dabei immer: "make it smart, but simple".

Wobei weniger die Außenform die Herausforderung ist, als vielmehr der Innenraum. Hier liegt der Kern der Sache, wo klassische Autobauer vollkommen rückständig sind. Es muss ein Interface her, das Lenkrad, Knöpfe und Schalter neu denkt und anders anordnet. Ein Innenraum, der einer Generation entspricht, die mit Apple und Google großgeworden ist.

Darin liegt Apples Stärke, damit wird das Apple-Auto brillieren. Auch das iPhone war von technologischer Seite nicht neu - aber der Umgang damit. Daneben ist sicherlich klar, dass Apple auf moderne Antriebe setzt - und nicht auf einen Verbrennermotor. Das wäre rückständig, das ist nicht Apple. Ich vermute, der Wagen wird entweder ein Elektro- oder Wasserstofffahrzeug werden."

Murat Günak, ehemaliger Chefdesigner von Volkswagen, zudem stilprägend für zahlreiche Mercedes- und Peugeot-Modelle. Außerdem ist er Unternehmer im Bereich der Elektromobilität.

"Eins ist klar: Es wird sicherlich ein Elektroauto sein. Apple folgt niemals einer alten Tradition, sondern immer der besseren Alternative. Apple ist zudem technologisch im Bereich Batterien und Akkus Zuhause - es liegt somit in ihrer Kernkompetenz, ein Elektroauto zu bauen, mehr als ein Fahrzeug mit konventionellem Antrieb.

Es wird kein Auto der Extreme werden - weder bei Leistung noch Größe. Optisch wird es sich durch ein reduziertes und edles Design auszeichnen. Und obwohl Klarheit und Funktionalität dominieren, muss das Auto den Massengeschmack treffen.

Wenn ich darüber nachdenke, gibt es so ein Fahrzeug bereits! Meine Konzeptstudie Mindset von 2008 verkörpert genau das, was ich mir von einem Apple-Auto erwarte: begehrenswertes Design, klar und ohne Schnörkel. Eine gute Proportion, schmale, große Räder und eine ausgeprägte Tropfenform mit starker Abrisskante am Heck, innen reduzierte, sehr einfache Bedienelemente, gepaart mit edlen Materialien - das alles mit einem zukunftsweisenden Antriebskonzept und einer leichten Struktur.

Aber wenn Sie mich fragen wird Apple sich das nicht antun, ein komplett eigenes Auto zu bauen, das womöglich im Verhältnis zu den Investitionen nur wenige Stückzahlen erreicht. Ich vermute, dass der iPhone-Konzern eher ein System anbietet, das so genial ist, dass klassische Hersteller darauf setzen werden und es in ihren Fahrzeugen einbauen wollen."

Lutz Fügener, Professor für Transportation Design an der Hochschule Pforzheim und anerkannter Designexperte. Fügener schult die Autogestalter von morgen und übermorgen.

"Ein Auto von Apple muss dem Ruf Apples gerecht werden. Das heißt, es muss vom Nutzer her gedacht sein - und somit ähnliches leisten, wie das iPhone bei Handys geschafft hat. Das Apple-Auto wird wenig mit bisherigen Modellen zu tun haben - und trotzdem ein klassisches Auto sein.

Das ist meiner Meinung bisher schon einmal im Automobilbau der jüngeren Geschichte gelungen, als VW mit dem Golf 1 alles neu gedacht hat. Er hatte keinen Vorgänger, an dem er sich orientierte, machte in Design und Technik alles anders als der bisherige VW Käfer - und wurde so weltweit ein Erfolg.

Das Apple-Auto wird ein Fahrzeug, das sich ins Verkehrssystem integriert und vernetzt ist - das alles bei einem zurückhaltenden Design, vermutlich eher unmodisch gestaltet. Damit wird Apple wahrscheinlich wieder einen Modetrend schaffen, aber es wird sich nicht am derzeitigen Geschmack orientieren. Es muss dennoch klar als Apple erkennbar sein; vermutlich eher kompakt, nicht zu stark motorisiert und schon gar nicht albern wie etwa das Google-Auto. Denn Apple wird Autonutzer begeistern, nicht verschrecken wollen."

Paolo Tumminelli, Professor für Design Konzepte an der International School of Design in Köln und Leiter des "Goodbrands Institute for Automotive Culture".

"Eigentlich muss es einfach nur ein iPhone auf Rädern sein, schon haben Sie ein Apple-Auto. Was ich damit meine: Es geht darum, ein Auto zu entwerfen, das auf das Individuum und seine Bedürfnisse ausgerichtet ist und das Smartphone bestens integriert. Das Wort 'PDA = Personal Digital Assistent' ist vermutlich genau das, was ein Auto von Apple sein wird - ein fahrendes Smartphone, in dem man sich entspannt unterhalten kann.

Autos sind heutzutage mehr als reine Fortbewegungsmittel - weit weg von dem, was einst ein Automobil war, näher an dem, was die Menschen wirklich brauchen. Was soll ich mit einem Siebensitzer mit 300 PS, wenn ich ihn nur in der Stadt für die Fahrt bei maximal Tempo 50 benutze? Die zunehmende Produktvielfalt der Autohersteller zeigt, dass sie gar nicht mehr wissen, was sie uns Kunden eigentlich anbieten sollen. Hier muss ein radikaler Neuanfang her. Vermutlich kann den am besten ein Branchenfremder wie Google oder Apple leisten. Geld dafür haben sie genug."

smh/dpa



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insgesamt 71 Beiträge
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Seite 1
LapOfGods 24.02.2015
1.
Wenn es ein e-Auto wird, dann darf es nur an von Apple betriebene, proprietäre Steckdosen (iPower Store) angeschlossen werden, weil öffentliche Steckdosen unsicher sind. Wartungsfreundlich muss er sein: Um die Scheibenwischer zu wechseln, muss nur die Hinterachse ausgebaut werden. Achja, und möglichst teuer muss er natürlich sein. Billige Statussysmbole gehen nicht.
mielforte 24.02.2015
2. Von der Magie zur Religion zur Macht,
Steve Jobs´ Vision nimmt Gestalt an. Bin gespannt auf die Neuerfindung eines urbanen Verkehrsmittels. Denn nur ein Auto wäre zu wenig für Apple.
laurismauris 24.02.2015
3. 178 Milliarden nicht nur wegen iPhone
Auch die assoziale Steuervermeidungspolitik dieses Konzerns haben über die letzten Jahrzente für diesen Reichtum gesorgt. Wieder einmal zeigt sich, was dieser Steuerbetrug in erster Linie ist. Hier können locker Wettbewerber verdrängt werden, weil es keinen fairen Wettbewerb mehr gibt.
stelzenlaeufer 24.02.2015
4.
Läuft nur wenn iTunes auf dem Bordcomputer installiert ist, Bewegungsprofil wird ständig aktualisiert und auf die Server von Apple gespeichert von wo es auch interessierten Werbepartner zur Verfügung gestellt wird. Natürlich wird die Karre auch mit allem möglichen Schnickschnack vollgepackt der einzig und allein dazu dient den Fahrer vom Straßenverkehr abzulenken und noch mehr Daten zu sammeln. Tut mir leid, aber das Ding braucht kein Mensch.
Bueckstueck 24.02.2015
5. Dummfug
Es gibt kein "Geheimprojekt Titan" - wäre es so, wüsste der Blätterwald nichts davon. Wenn Apple etwas geheim entwickeln möchte, dann geschieht das auch. Das lehrt die (entfernte) Vergangenheit. Und überhaupt: Ein Apple Auto? Seid doch nicht albern...
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