Artega GT Westfale außer Rand und Band

Ausgerechnet Delbrück: In der ostwestfälischen Provinz werkelt ein Team um den früheren Maserati-Chef Karl-Heinz Kalbfell an einer neuen deutschen Sportwagen-Marke. Ab dem Sommer soll der Artega GT vom Band rollen, die britische Presse bejubelt das Auto bereits als Porsche-Killer.


Sportwagenbauer lassen sich gerne an beschaulichen Orten nieder. Lamborghini fertigt in Sant' Agata, einem kleinen Dorf in der Emilia Romagna. Aston Martin hat sein Hauptquartier nahe des Fleckens Gaydon in Warwickshire. Es sind Ortsnamen, die jeden PS-Fan in Wallung bringen. Bei Delbrück regt sich hingegen nichts.

Karl-Heinz Kalbfell arbeitet daran, dass der bisher nicht erwähnenswerte Ort nahe Paderborn zum Vollgas-Mekka wird. Der ehemalige Chef von Maserati und Rolls Royce bastelt seit anderthalb Jahren mit einem Team von Fahrzeugtechnikern und Designern an dem Sportwagen Artega GT, der demnächst im Delbrücker Industriegebiet vom Band rollen soll. "Im Sommer sind die ersten Autos beim Kunden", sagt der Automanager.

Die rot-schwarze Fabrikhalle steht bereits, das Auslieferungszentrum neben dem Werk wird derzeit hochgezogen - als der Artega 2007 auf dem Genfer Autosalon debütierte, hatten viele das Projekt noch für eine Spinnerei gehalten. "Jedes Jahr stehen da alle möglichen Prototypen, von denen man nie wieder etwas hört", sagt Nick Margetts vom Marktforschungsunternehmen Jato Dynamics. "Aber dieses Projekt ist wirklich weit fortgeschritten und hat gute Chancen."

Staraufgebot in die Provinz gelockt

Die Idee für die Westfalen-Flunder stammt von Klaus Dieter Frers, Chef des Delbrücker Automobilzulieferers Paragon. Der Selfmademan wollte einen eigenen Sportwagen. Frers ist nach eigenen Angaben "mit Benzin großgezogen worden" ("Westfalen Blatt"). Der Sohn eines Automanagers fährt 24-Stunden-Rennen in einem privaten Porsche-Team, und das nicht mal schlecht.

Verwirklichen sollte das Auto Karl-Heinz Kalbfell. Der Ex-BMW-Manager war bereits in Pension und wollte sich eigentlich seinen Motorrädern widmen. "Aber dann kamen die hier angetütert", sagt er. Frers versprach Kalbfell weitgehend freie Hand bei Konzeption und Umsetzung und engagierte Ex-Porsche-Konstrukteur Hardy Essig sowie den frühren Aston-Martin-Chefdesigner Henrik Fisker.

Das Resultat ist eine Vollgas-Flunder mit ungewöhnlichen Abmessungen. Der Wagen ist so breit wie eine Mercedes S-Klasse und so kurz wie ein VW Polo. Mit einer Höhe von 1,18 Metern würde der Fahrer an der Ampel auf Augenhöhe mit dem Lamborghini Gallardo sitzen. Ganz so kraftvoll wie ein italienischer Supersportler kommt der Artega allerdings nicht daher. Unter der Haube steckt ein 3,6-Liter-Motor von Volkswagen mit 300 PS. Das reicht für 270 km/h, extremere Werte seien gar nicht notwendig, sagt Kalbfell: "Das ist ein Reisesportwagen.

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