Ascari Race Resort Refugium für reiche Raser

Mit der Suche nach Öl wurde Klaas Zwart reich, dann entdeckte der Holländer sein Faible für Geschwindigkeit - und ist begeistert vom Motorsport. Inzwischen besitzt er einen Rennstall, baut Sportwagen und betreibt in Marbella ein Vollgas-Paradies: Das Ascari Race Resort.


Früher hatte Klaas Zwart mit schnellen Autos nichts am Hut. In der Familie gab es zwar ein paar notorische Schnellfahrer, doch das Thema Rundstrecke ließ den Multimillionär, der mit Explorationstechniken für die Mineralölindustrie reich wurde, stets kalt. Erst mit 40 Jahren verspürte er dann plötzlich dieses Kribbeln im Gasfuß. "Und wenn ich etwas mache, dann richtig", sagt Zwart und erzählt eine Geschichte, wie sie beinahe auch Enzo Ferrari oder Ettore Bugatti hätten erzählen können.

Der Holländer gründete nämlich nicht nur einen eigenen Rennstall und meldete sich für verschiedene Rennserien an, sondern entwarf auch gleich das passende Auto dazu. Weil solche Boliden Auslauf brauchen, betreibt er mittlerweile einen Rundkurs vor den Toren der spanischen Luxus-Oase Marbella. Die Piste trägt denselben Namen trägt wie sein Team und seine Autos: Ascari. Im Jetset gilt das Race Resort mit dem 5425 Meter langen Rennkurs als perfekter PS-Spielplatz, auf dem gelangweilte Multimillionäre ein wenig Zerstreuung finden, gestresste Top-Manager entspannen können und Firmen mit unverändert dicken Spesenkonten erfolgreiche Mitarbeiter belohnen oder wichtige Kunden umgarnen können.

Zwart gibt natürlich nicht nur den Platzwart, sondern bei Ascari stehen auch ein kompletter Fuhrpark, eine Boxencrew und eine Riege erfahrener Instruktoren bereit. Das Konzept des Race Resort sei in Europa einzigartig, behauptet Geschäftsführer Klaus Nesser, der zuvor die Welt der Reichen und Schönen als Chefverkäufer für den Mercedes SLR und den Maybach kennenlernte. "Zwar gibt es überall Rennstrecken, auf denen auch Privatleute fahren können, aber man erhält dort keine Autos. Und Rennfahrerschulen haben zwar einen eigenen Fuhrpark, müssen aber wie Nomaden von einer Strecke zur nächsten ziehen", sagt Nesser.

Vollgas-Spielzeuge für millionenschwere Jungs

"Hier dagegen gibt es alles aus einer Hand", sagt der Geschäftsführer und verweist auf den vergleichsweise engen und damit ambitionierten Rundkurs sowie die Boxencrew und die neue Ascari Academy, in der man es - Talent und Trainingsfleiß vorausgesetzt - vom Frischling zum Vollgasprofi bringen kann. In der Tiefgarage mit 400 Plätzen, die so sauber wirkt wie ein Operationssaal, stehen neben den Autos der Clubmitglieder 40 Rennwagen im Ascari-Trimm. "Wir beginnen mit dem Lotus Elise, wechseln dann auf den BMW 3er, bevor es in die ersten Formel-Sportwagen geht", erläutert Nesser das Trainingskonzept. Wer gut genug ist, darf sogar mal ein paar Runden mit den beiden V12-Ferrari drehen, mit denen Jean Alesi und Gerhard Berger in der Formel 1 gepunktet haben. Und für die Zerstreuung zwischendurch gebe es diverse Boy-Toys, sagt Nesser mit Blick auf Sand-Buggys und Go-Karts.

Anders als etwa auf dem Nürburgring ist im Ascari Race Resort die feine Gesellschaft unter sich. Auf der Strecke ist man vor überraschenden Begegnungen mit Reisebussen oder rostigen Golf GTI gefeit. Und wo es in der Eifel Bockwurst mit Kartoffelsalat gibt, tischt im Ascari Race Resort ein Sternekoch auf. Auch Reifenstapel, Ölfässer oder Bandenwerbung sucht man hier vergebens. Stattdessen erinnert die Boxengasse an den Reitstall einer andalusischen Luxusranch, und wo sonst die Pistenklause steht, thront hier ein vornehmes Clubhaus. Der Stil hat Methode. "Wir sind ein Golfplatz für Menschen mit Benzin im Blut", sagt Nesser und nennt als Vorbild für seine Mitglieder die legendären Bentley-Boys, jene rasenden und dennoch distinguierten Gentlemen aus den Kindertagen des Motorsports.

Feuerfeste Unterwäsche inklusive

Wer Mitglied ist im Ascari Club, das will Nesser mit der in diesen Sphären üblichen Diskretion nicht verraten. Nur dass viele Mitglieder aus den Golfstaaten, aus West- und Osteuropa sowie aus China und den USA kommen, lässt er sich entlocken. Was sie neben der Lust an der Leistung eint, ist das prall gefüllte Konto. Denn das Vollgas-Vergnügen ist teuer. Wer regelmäßig Gas geben möchte, muss Mitglied im Ascari Race Club werden und zahlt erst mal eine Aufnahmegebühr von 150.000 Euro - plus 10.000 Euro Beitrag im Jahr. "Ein Teil der Aufnahmegebühr wird direkt wieder ins Mitglied investiert", sagt Nesser. Neuzugänge werden nämlich nicht nur von der feuerfesten Unterwäsche über den Overall bis zum individuellen Helm neu eingekleidet, sondern bekommen auch ein umfangreiches Training. "Wer als Amateur anfängt, hat nach einem Jahr eine Profi-Lizenz", verspricht der Geschäftsführer.

Luxusoasen wie dem Ascari Race Resort droht in Krisenzeiten potentiell eine finanzielle Dürre. Doch bislang ist vom Abschwung nichts zu spüren, behauptet Nesser. "Im Gegenteil: Wir können uns vor Anfragen kaum retten." Noch immer gebe es offenbar genügend Menschen, die für derartigen Zeitvertreib ausreichend Geld haben, hat Nesser beobachtet. Und eine neue Zielgruppe hat er auch ausgemacht: "Statt das Vermögen bei Bankgeschäften zu riskieren, investieren es jetzt viele Reiche ins eigene Vergnügen. Da haben sie wenigstens etwas davon."



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