Für zwei Jahre Aschaffenburg bietet Nahverkehr einen Tag pro Woche gratis an

Die nordbayerische Stadt Aschaffenburg führt einen kostenlosen Nahverkehr ein - allerdings nur an einem Tag in der Woche. Profitieren sollen nicht nur die Fahrgäste.

Das Schloss Johannisburg in Aschaffenburg (Symbolbild)
DPA

Das Schloss Johannisburg in Aschaffenburg (Symbolbild)


Pünktlich zum Start des Weihnachtsgeschäfts will die unterfränkische Stadt Aschaffenburg mehr Menschen in Bus und Bahn locken - und dazu kostenlose Fahrten an Samstagen anbieten. Vom ersten Adventswochenende an startet die Aktion, sie läuft vorerst zwei Jahre.

Die Verkehrsbetriebe der 70.000-Einwohner-Stadt rechnen mit Einnahmeverlusten in Höhe von etwa 285.000 Euro pro Jahr. Diese sollen mit Mitteln aus dem städtischen Haushalt ausgeglichen werden. Ein Ticket brauchen Fahrgäste allerdings trotzdem: Der Fahrschein ist kostenlos, soll aber eine einfachere Abrechnung der Ausgleichszahlung an die Verkehrsbetriebe ermöglichen.

Hier ist Bus- und Bahnfahren am günstigsten:

"Mit diesem Angebot wollen wir möglichst viele Bürgerinnen und Bürger dafür begeistern, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen und so gemeinsam dafür zu sorgen, dass die Luft in Aschaffenburg besser wird", sagte der Chef der Stadtwerke Aschaffenburg, Dieter Gerlach. Gleichzeitig solle die Maßnahme dem Einzelhandel, der Gastronomie und der Kultur in der Stadt zu mehr Kunden und Publikum verhelfen. Das kostenlose Ticket gilt vom 1. Dezember an in allen Stadtteilen, in Stadt- und Regionalbussen sowie in Zügen zwischen dem Aschaffenburger Hauptbahnhof und dem Stadtteil Obernau.

Gratis-Experimente auch in anderen Städten

Die Diskussion um kostenlosen Nahverkehr als Mittel gegen Luftverschmutzung hat in Deutschland in diesem Jahr Fahrt aufgenommen. Im Februar hatten mehrere Bundesminister eine solche Maßnahme für abgasbelastete Städte vorgeschlagen. Damit ernteten sie allerdings auch viel Kritik - das sei für Kommunen zu teuer und bringe der Umwelt nicht genug.

Dennoch haben in diesem Jahr mehrere Städte Kostenlostickets eingeführt. So verlangen die Verkehrsbetriebe in Tübingen seit Februar an Samstagen ebenfalls nichts für Fahrscheine. In Rostock fahren Schüler kostenlos. Im brandenburgischen Templin war Busfahren für einige Zeit kostenlos. Inzwischen verlangt die Verkehrsgesellschaft eine sehr geringe Jahresgebühr.

ene



insgesamt 31 Beiträge
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MioMioMimi 22.11.2018
1. Guter Ansatz
Das ist ein guter Ansatz, der nicht nur der sauberen Luft dient. Zukünftig muss der Nahverkehr auch nicht kostenlos sein, aber deutlich günstiger. Zudem sollten Tarifzonen übersichtlicher gestaltet werden. Berlin finde ich ist ein gutes Beispiel, wie es realtiv unkompiziert funktioniert.
Tom77 22.11.2018
2. ÖPVN für Gelegenheitsfahrer viel zu teuer
Der öffentliche Nahverkehr ist für Gelegenheitsfahrer, die sowieso ein Auto besitzen und hierfür - auch wenn es nur rumsteht - Steuern und Versicherung bezahlen, viel zu teuer. 2 - 2,50 € für eine einfache Fahrt. Da kostet der Trip in die Stadt und wieder heim schon 5 Euro. Ich parke generelle auf kostenlosen Parkplätzen, also zählt das Argument der Parkgebühren auch nicht. ÖPVN sollte in Ballungszentrentren generell kostenlos sein und auf die Allgemeinheit umgelegt werden. Und es muss unkompliziert sein. Einfach einsteigen, wann immer man will. Nur so würden die Leute auch einmal Autos stehen lassen und mit Bus und Straßenbahn fahren. Und nur so könnte man die Innenstädte entlasten. Es gibt sogar schon Städte, die keine Autos mehr in der Stadt erlauben. Man stelle sich nur mal vor, dass die Stadtzentren autofrei sind (Lieferfahrzeuge ausgenommen, sofern sie umweltfreundlich betrieben werden). Man könnte die Flächen, die für Parkplätze und Parkhäuser genutzt werden endlich für andere Dinge wie z.B. Grünanlagen verwenden und mit einem gut organisierten ÖPNV, der in kurzen Zyklen verkehrt und alle Stadtteile gut anbindet, käme man trotzdem problemlos in die Stadt.
rwachsmu 22.11.2018
3. Am Problem vorbei
Das ist eine Maßnahme, um den innerstädtischen Konsum anzukurbeln. Mit Luftreinhaltung oder günstigem Nahverkehr hat das nichts zu tun. Trotzdem finde ich die Aktion gut. Der ÖPNV ist viel zu teuer. Die Leistung ist in vielen Fällen auch nicht gut. Insbesondere Pendler, die nicht in einem Subventionsbiotop wie Jobticket oder gesponserter Rabattkarte von x Prozent leben, sind erheblich benachteiligt. Die Einzelfahrttickets sind ebenfalls lächerlich teuer. Ich kann nur von meinem Umfeld sprechen. Ich hab hier Wege, die ich mit dem Kfz in 15 Minuten von Tür zu Tür erledige und für die ich mit Bus und Bahn eine Stunde und länger unterwegs bin und das oft billiger. Noch viel schlimmer wird es, wenn man ins Umland fährt. Es wäre schon viel gewonnen, wenn man diese ganzen subventionierten Tickets abschafft und die Preise generell mindestens halbiert. Vielleicht ist das Modell „Wien“ auch hier umsetzbar. In jedem Fall würde das dem Konsum helfen und zwar dem Konsum der Menschen, die jeden Cent umdrehen müssen.
Otbet 22.11.2018
4. Eine gute Idee
Öffentlicher Nahverkehr muss bezahlbar bleiben. 2.80€ einfache Strecke in München ist einfach zuviel.
Plasmabruzzler 22.11.2018
5.
Zitat von OtbetÖffentlicher Nahverkehr muss bezahlbar bleiben. 2.80€ einfache Strecke in München ist einfach zuviel.
Und was hat der ÖPNV bzw. dessen Preise mit Aschaffenburg und dortigen Preisen zu tun? Übrigens kostet eine sog. "einfache Fahrt" in München 2,90 und nicht 2,80 EUR. Damit kann man in einer Tarifzone fahren. Schauen Sie sich mal die Preise für Kurzstrecke an: in Köln und Bonn können Sie damit 4 Stationen fahren und zahlen 1,90 EUR. Da kann man oft auch zu Fuß laufen und sich die knapp 2 EUR sparen.
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