Fehlender Aschenbecher Autohändlerin muss 135.000-Euro-Lexus zurücknehmen

Ich! Will! Einen! Aschenbecher! Weil in ihrem 135.000-Euro-Lexus das georderte Raucherpaket fehlte, klagte eine Kundin auf Rücknahme durch das Autohaus. Und bekam recht.

LS 600h: Ein Aschenbecher kann offenbar nicht nachgerüstet werden
Lexus

LS 600h: Ein Aschenbecher kann offenbar nicht nachgerüstet werden


Oldenburg - Für Raucher ist das Auto einer der letzten Rückzugsräume. In Restaurants gilt längst das Rauchverbot, in der Lieblingsbar und im Klub auch. Im Auto kann einem niemand den Tabakkonsum verbieten. Darauf baute auch die Kundin eines Lexus-Autohauses.

Sie hatte über einen ihrer Angestellten beim Toyota-Händler einen Neuwagen bestellen lassen. Wie schon ihr Auto zuvor sollte auch dieses eine Limousine vom Typ LS 600h L sein - und vor allem ausgestattet mit Raucherpaket samt fest eingebautem und beleuchtetem Aschenbecher.

Bei einem Kaufpreis von 135.000 Euro ist der Wunsch des Kunden Befehl - sollte man annehmen. Nicht so in diesem Fall: Die Käuferin bekam ihren neuen Lexus - was fehlte, war der gewünschte Aschenbecher.

Alles Asche? Leider nicht

Die Kundin wollte den Kauf rückgängig machen, die Toyota-Händlerin pochte auf Erfüllung des Vertrags, der Fall landete vor Gericht. Eine erste Klage vor dem Landgericht Osnabrück scheiterte, doch die Berufung der Kundin hatte vor dem Oberlandesgericht (OLG) Oldenburg jetzt Erfolg.

Der Senat des OLG sah das Fehlen des Aschenbechers nicht als bloße Bagatelle an. Die Händlerin argumentierte, man könne von einer "nur geringfügigen Einschränkung des Rauchkomforts" sprechen, wenn eine Aschenbecherdose in einem Getränkehalter in der Mittelkonsole platziert würde. Doch das sah die Kundin anders - und die Richter folgten ihrer Auffassung.

Es könne so bei Dunkelheit wegen der fehlenden Beleuchtung nicht "abgeascht" werden, ohne das Fahrzeug zu verschmutzen. Außerdem ließe sich die Zigarette während der Fahrt nicht ordentlich ablegen, so die Richter. Ferner wären die Getränkehalter in der Mittelkonsole nicht bestimmungsgemäß nutzbar, wenn dort nachträglich ein Aschenbecher angebracht würde.

Für die Richter am OLG stand somit fest, dass die versäumte Lieferung des fest eingebauten und beleuchteten Aschenbechers eine nicht unerhebliche Pflichtverletzung der Händlerin darstellt.

Nachdem auch keine Nachrüstung des Fahrzeugs mit einem passenden Aschenbecher möglich war, konnte die Kundin den Vertrag rückgängig machen. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig (Aktenzeichen 13 U 73/14).

smh

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