Aston Martin Cygnet Geld spielt keine Rolle

Vor eineinhalb Jahren präsentierte der britische Sportwagenhersteller Aston Martin erstmals die Idee für einen noblen Kleinwagen, demnächst beginnt die Produktion. Ein Sondermodell zur Premiere des Drei-Meter-Mobils im Luxusdress wird 48.995 Euro kosten.

Von Jürgen Pander


Aston Martin beginnt das neue Unternehmenskapitel als Kleinwagenhersteller gleich mit einem Sondermodell. Aus Sicht des britischen Autobauers wohl der einzige Weg, um den eigenen Anspruch zu rechtfertigen - immerhin fertigte die Firma bislang ausschließlich potente Sportwagen oder rasante Limousinen.

Für Frühbucher wird das Modell Aston Martin Cygnet in zwei so genannten Start-Editionen aufgelegt: Je 50 Modelle mit dem Namenszusatz "White" und "Black" werden gebaut und mit Luxusaccessoires vollgepackt. Ledersitze, Alcantara, dunkle Chromapplikationen, Markenlogos in Wagenfarbe und dazu noch ein fünfteiliges Gepäckset gehören zur Ausstattung. Der Preis des viersitzigen 3-Meter-Mobils beläuft sich auf horrende 48.995 Euro.

Man kann natürlich auch den normalen Cygnet bestellen, der kostet schlappe 37.995 Euro, ist dafür aber auch schon recht üppig bestückt. Unter anderem mit schlüssellosem Zugangssystem, Sitzheizung und Navigationssystem; außerdem sind neun Airbags, ABS und ESP stets an Bord. Und man hat die Gewissheit, dass dieses Auto bei Aston Martin ausstaffiert und aufpoliert wurde.

Im Grunde jedoch steckt unter der edlen Kulisse ein Toyota iQ. An der Technik des japanischen Stadtmobils, das hierzulande zu Preisen von 11.900 bis 17.150 Euro angeboten wird, ändert Aston Martin nichts. Ein 1,3-Liter-Vierzylindermotor mit 98 PS ist Standard, wählen können die Kunden zwischen einem Sechsgang-Schaltgetriebe und einer stufenlosen Automatik. Auch das Fahrwerk tastet Aston Martin nicht an. Als Höchstgeschwindigkeit geben die Briten 170 km/h an, als Beschleunigungswert von 0 auf Tempo 100 werden 11,8 Sekunden genannt.

Das Aston-Martin-Stadtauto als Öko-Feigenblättchen

Wenn die Produktion angelaufen ist, können bei Aston Martin in Gaydon bis zu 1500 Cygnet-Exemplare pro Jahr gefertigt werden. Dazu werden die angelieferten Toyota-iQ-Typen so weit wie nötig zerlegt und dann mit den entsprechenden Zutaten wie Ledersitzen, Holzvertäfelungen und veränderten Karosserieteilen wieder aufgebaut - und mutieren so zu Aston Martins.

Während andere Sportwagenhersteller mit hochkomplexer Hybridtechnik experimentieren, sich an Leichtbau-Boliden aus Karbon oder gar an Supersportwagen mit Elektroantrieb probieren, wählt Aston Martin einen anderen, möglicherweise schlaueren Weg. Denn die Stammklientel wird weiter mit handfesten Rennern klassischer Machart versorgt. Und obendrein gibt es - je nach Bedarf als soziales oder ökologisches Feigenblättchen - ein Miniauto, das mit einem CO2-Ausstoß von 120 Gramm je Kilometer (in der Automatik-Version) in dieser Hinsicht nun wirklich keinen Anstoß erregen dürfte.

Entwickelt Aston Martin den kommenden Maybach?

Hieß es anfangs, dass der Cygnet ausschließlich solchen Kunden vorbehalten sei, die bereits einen großen, schnellen, durstigen Aston Martin fahren, wurde diese Rigorosität inzwischen aufgeweicht. "Aston-Martin-Kunden werden zwar bevorzugt, doch generell kann jeder Interessent einen Cygnet bestellen", sagte eine Firmensprecherin gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Die Kooperation mit anderen Herstellern scheint für Aston Martin eine Art Königsweg zu werden. Denn Branchengerüchten zufolge sollen die Briten - nach der Zusammenarbeit mit Toyota beim Cygnet - künftig auch mit Mercedes koalieren. Es heißt nämlich, bei Aston Martin werde der kommende neue Maybach entwickelt. Das aber ist dann wieder ein ganz anderes Thema.

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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
FoxhoundBM 21.01.2011
1. ...
Obwohl ich mit Kleinwagen nichts anfangen kann, die Idee finde ich witzig. Da fährt man mit dem Teil halt in die Stadt und nutzt den Range Rover am Wochenende für den Bootsanhänger ;) Ich wäre zwar optional für 'nen 5-Türer, aber der Gesamteindruck sieht gut aus.
cor 21.01.2011
2. Schnall ich net...
Zitat von FoxhoundBMObwohl ich mit Kleinwagen nichts anfangen kann, die Idee finde ich witzig. Da fährt man mit dem Teil halt in die Stadt und nutzt den Range Rover am Wochenende für den Bootsanhänger ;) Ich wäre zwar optional für 'nen 5-Türer, aber der Gesamteindruck sieht gut aus.
Wieso jetzt Range Rover? Zusammenhang? Hätten Sie jetzt "V8 Vantage für den Wochendausflug" gesagt, hätt ich's kapiert. Auch wenn der Cygnet natürlich völlig überteuert ist, das Design und die Ausstattung gefallen mir.
Satiro, 21.01.2011
3. Widerspruch
Zitat von corWieso jetzt Range Rover? Zusammenhang? Hätten Sie jetzt "V8 Vantage für den Wochendausflug" gesagt, hätt ich's kapiert. Auch wenn der Cygnet natürlich völlig überteuert ist, das Design und die Ausstattung gefallen mir.
Dieser Aston Martin Cygnet ist so häßlich, dass er doppelt so teuer sein müßte, um seine Kundschaft zu finden.
Johanna.1.15, 21.01.2011
4. ...
Oh, würden doch die Spiegel-Redakteure häufiger Top Gear schauen... Warum verkauft Aston-Martin das Ding? Weil sie bisher nur grosse Autos mit viel CO2 produzieren, was die EU ja mit saftiger Strafsteuer belegen wird. Alle anderen wichtigen Sportwagenhersteller gehören zu Grosskonzernen und können sich entsprechend im Mittelwert der Grosskonzerne verstecken - Aston Martin nimmt dafür halt einen zugekauften Kleinwagen.
einszweidrei, 21.01.2011
5. Witzig
Der Witz am Cygnet ist gerade, DASS er so teuer ist. Ich finde ihn cool. Klar, für dasselbe Geld bekommt man auch ein US Muscle Car von privaten Importeuren (z.B. Dodge Challenger SRT-8), aber der/die Cygnet-FahrerIn signalisiert deutlich, dass Geld bei der Kaufentscheidung nicht wirklich eine Rolle gespielt hat. Man sollte es ihnen gönnen. Warum müssen Luxus-Autos unbedingt immer riesig und muskelbepackt sein? Für Aston Martin ist das Auto wahrscheinlich in erster Linie ein Vehikel um den Flottenverbrauch zu senken. Außerdem können sich Vantage-Fahrer nun guten Gewissens einen Aufkleber ans Heck pappen können: "Mein anderes Auto ist auch ein Aston Martin"
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