Aston Martin James Bonds Dienstwagen kommt zurück

Einmal Auto fahren wie 007 - mit Schleudersitz und Maschinengewehr? Aston Martin baut den DB5 aus "Goldfinger" nach. Oldtimerfans sehen das kritisch, und der Preis ist happig.

Danjaq / LLC / United Artists Corporation / Columbia Pictures Industries / Aston Martin

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Rotierende Nummernschilder, Schleudersitz und eingebaute Maschinengewehre - der Aston Martin DB5 aus den James-Bond-Filmen ist der Traumwagen vieler Fans. Kein anderes Auto steht so sehr für die Verbindung des Geheimagenten zur Sportwagenmarke Aston Martin. Für die meisten bleibt ein DB5 jedoch ein Traum, denn es wurden zwar rund 1000 Exemplare davon gebaut - trotzdem liegt ihr Preis meist jenseits der Millionenmarke. Originale Autos aus den Filmen sind seltener und deutlich teurer: So erzielte ein Exemplar, das in "Goldeneye" verwendet wurde, bei einer Auktion einen Preis von 2,6 Millionen Dollar.

Wer unbedingt Bonds Dienstwagen fahren möchte, kann sich das Warten auf eine der seltenen Versteigerungen jetzt sparen. Aston Martin möchte 28 neue Exemplare bauen, und zwar in Geheimagentenausführung - wenn auch einer abgespeckten. So soll der Wagen zwar die rotierenden Nummernschilder aus dem Film "Goldfinger" erhalten, die Maschinengewehre und der Schleudersitz werden aber wohl kaum Teil des Pakets sein. Verantwortlich für die Entwicklung der Gadgets ist Chris Corbould, der auch die Spezialeffekte für die Filme verantwortet. "'Q' ist also mit dabei. Das macht es noch mal interessanter", erklärt der Oldtimerexperte Martin Heinze von Classic Analytics.

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Aston Martin DB5: James Bonds liebster Dienstwagen

Mit dem neuen Bond-DB5 setzt Aston Martin einen Trend fort, denn immer mehr Hersteller bieten die Restauration alter Modelle selbst an oder legen sie sogar neu auf. Der Grund dafür ist recht banal: "Viele Hersteller wissen, dass die Oldtimerei Geld einbringt", erklärt Heinze.

Auch Jaguar bietet Neuauflagen an

In den letzten Jahren befassten sich vor allem britische Hersteller intensiv mit ihrer Vergangenheit: So fertigte Jaguar aus neun Karosserien des Sportwagens XKSS, die 1957 bei einem Brand der Fabrik im englischen Coventry verkohlt wurden, im Jahr 2016 neun neue Exemplare des Modells. Doch auch hier ging es nicht nur darum, das Firmenerbe zu pflegen: "Nur wenn wir damit Geld verdienen, können wir uns solche Projekte leisten", erklärte damals Tim Hannig, der Leiter von Jaguars Klassikerabteilung.

Beide Seiten profitierten von der Neuauflage des Wagens: Ausgewählte Kunden erhielten für eine Million Pfund einen fabrikneuen Oldtimer - und kamen damit sogar billiger weg als beim Kauf eines Originals. Jaguar konnte sich über einen zusätzlichen Gewinn freuen. "Und auch bei Aston Martin ist das nichts Neues, bei DB3 und DB4 gab es das schon", erklärt Oldtimerexperte Heinze.

Aston Martin "hat die Nostalgie getötet"

Trotz der Häufung sind solche Neuauflagen in der Szene umstritten. Das amerikanische "Road and Track"-Magazin erklärte gar, mit dem neuen DB5 habe Aston Martin die Nostalgie endgültig getötet: Zuerst habe Ford mit der Neuauflage des "Bullitt"-Mustang angefangen, und nun habe Aston Martin dem Journalisten Travis Okulski zufolge "das Loch sechs Meter tiefer gegraben, den Sarg hineingeworfen und das ganze verdammte Ding einbetoniert."

So weit würde Oldtimerexperte Heinze nicht gehen. "Für mich ist das kein Betrug am Original. Die Autos werden in geringer Stückzahl gebaut und gehen an Sammler. Da wird niemand, der einen originalen DB5 besitzt, geschädigt." Und auch auf den Oldtimermarkt hätten solche Neubauten keinen Einfluss, glaubt Heinze: "Das ist die absolute Spitze des Marktes, die Käufer dieser Autos kaufen sonst Gemälde oder andere Kunstobjekte." Oldtimerfans kaufen sich dagegen wenn, dann meist ein Auto aus ihrer Jugend.

Und anders als normale Oldtimerfans müssen die Käufer des neuen DB5 einige Zeit auf ihr Auto warten, denn die meisten Teile müssen in Handarbeit neu gefertigt werden. So dauerte beispielsweise die Produktion der Neuauflage des Aston Martin DB4 GT rund 4.500 Arbeitsstunden - pro Stück. Die gut betuchten Käufer erhalten ihr nagelneues Bond-Mobil deshalb erst im Jahr 2020.

Neubau wird ein Garagenjuwel

Neben der fehlenden Historie und der langen Lieferzeit haben solche Neuauflagen jedoch einen weiteren Nachteil: "Mit einer alten Fahrgestellnummer ist so ein Auto zulassungsfähig, mit einer neuen wegen der Abgasregelungen nicht mehr, zumindest nicht offiziell", so Heinze.

Das dürfte in diesem Fall jedoch das geringste Problem sein. Wer sich den Agenten-DB5 leisten kann, wird vermutlich auch die passende Rennstrecke mieten können - oder das Auto zum reinen Garagenjuwel machen. Denn im Vergleich zu Jaguar setzt Aston Martin preislich noch mal einen drauf: 3 Millionen Euro werden für den neuen DB5 fällig - plus Steuern. Da müsste sogar 007 passen.

Im Video: Faszination Oldtimer



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ingo_meyer 23.08.2018
1. Oldtimerfans sehen das kritisch....
Zu recht! Alles, was nicht original ist, hat keinen Wert. Die Kritik setzt schon bei überrestaurierten Edelmarken, wie Mercedes-Oldtimer von Brabus an. Aber die Szene wird durch diese überteuerten Fahrzeuge nicht beschädigt. Die meisten stehen in den Golfstaaten. Leider wird dadurch der Markt von Kulturgut negativ beeinflusst. Gott sei Dank gibt es viele Oldtimer-Besitzer, die sich auf keinen Fall von ihren Schätzchen trennen werden. Glücklicherweise sehen das viele Erben auch so. Es gibt eben Familienstücke, die man nicht veräußert. Das hat Stil!
mikko11 23.08.2018
2.
Ich hätte lieber eine Replika, die innen und außen dem Original gleicht und abgastechnisch auf Höhe der Zeit ist. Die dürfte ich dann auch mal auf der Strasse bewegen. (Nein, ich könnte mich allein / mit Partnerin daran erfreuen und würde solche Fahrzeuge nicht wegen des "Publikums" bewegen. Gilt auch für den Nachbarartikel zum GT40.)
Der BIicker 23.08.2018
3. Alte Autos ...
sind ja sicherlich ganz nett - zum Hingucken, oder hier besser zum in die Garage stellen. Im Strassenverkehr ist man mit einem BMW X1 2.0 D doch wohl wesentlich besser aufgestellt. Der Aston braucht mit 268 PS 7,1 Sek. von 0 - 96 Km/h (diese krummen englischen Maßeinheiten!), während der BWM von 0 - 100 (!) mit 190 PS gerade mal 7,6 Sek (als xDrive25d sogar nur 6,6 Sek) benötigt. Außerdem war der Aston mit einer Mehrleistung von 96 PS gerade mal (offiziell) 9 Km/ h schneller als mein X1 2.0 D (der laut Tacho auch schon mal 240 gerannt ist) - was wohl nicht unbedingt für die Leistungsfähigkeit des Aston gegenüber einem modernen Auto spricht! Dafür benötigt der BMW mit 5 l im Schnitt wahrscheinlich nur 1 Viertel des Sprit, den der Aston sich reingezogen hat! Wie gesagt, ganz nett - zum Hingucken!
k70-ingo 23.08.2018
4.
Zitat von mikko11Ich hätte lieber eine Replika, die innen und außen dem Original gleicht und abgastechnisch auf Höhe der Zeit ist. Die dürfte ich dann auch mal auf der Strasse bewegen. (Nein, ich könnte mich allein / mit Partnerin daran erfreuen und würde solche Fahrzeuge nicht wegen des "Publikums" bewegen. Gilt auch für den Nachbarartikel zum GT40.)
Wieso meinen Sie, daß Sie die Originale nicht auf der Straße bewegen dürfen? Oldtimer sind nicht verboten.
mikko11 23.08.2018
5.
Zitat von k70-ingoWieso meinen Sie, daß Sie die Originale nicht auf der Straße bewegen dürfen? Oldtimer sind nicht verboten.
Mein Fehler. Ich hatte den Hinweis auf die alte Fahrgestellnummer wieder verdrängt, nachdem ich den letzten Satz gelesen hatte (Besitzer hätten doch wohl eine Rennstrecke in ihrer Nähe).
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