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Audi A1 E-tron: Wankelmut im Elektroauto

Als Stromgenerator für das Elektroauto A1 E-tron reaktiviert Audi eine schon fast vergessene Technologie: den Wankelmotor. 2011 beginnt der erste Flottentest, Tom Grünweg fuhr den Prototypen schon jetzt.

Audi A1 E-Tron: Kreiselnde Stromerzeugung Fotos

Vier Stromer-Studien binnen eines Jahres - Ingolstadt will es offenbar wissen. "Am Elektroauto führt kein Weg mehr vorbei", sagt Frank van Meel, bei Audi verantwortlich für die E-Mobilität. Die VW-Tochter versucht, zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung ganz vorne dabeizusein. Zu diesem Zweck enthüllte Audi ein Quartett von Elektroautos mit dem Beinamen E-Tron, die in den kommenden Jahren zu Serienreife entwickelt werden sollen. Van Meel verspricht, bis 2020 werde der Jahresabsatz der E-tron-Modelle sechsstellig sein.

Derartige Absatzzahlen werden Modell ewie der Sportwagen R8 E-Tron, der 2012 als erstes Elektroauto der Marke debütieren soll, natürlich nicht erreichen. Es wird wohl eher der Kleinwagen A1 E-Tron sein, der die hohen Stückzahlen bringt. Im März stand das Auto als Studie auf dem Salon in Genf, inzwischen gibt es bereits fünf Prototypen, und im kommenden Frühjahr werden in München die ersten 30 Fahrzeuge für einen Flottenversuch ausgeliefert.

Wer die ersten Kilometer mit einem der Prototypen zurücklegt, hält die Serienfreigabe nur noch für eine Formsache. Es dauert wohl nicht mehr lange, bis der Vorstand grünes Licht gibt für den Elektro-Kleinwagen. "Dann könnte im Jahr 2013 der Verkauf beginnen", sagt Projektleiter Dietrich Engelhart.

Was den Wagen besonders macht, ist nicht allein der Elektroantrieb. Geräuschloses und lokal emissionsfreies Fahren kennt man auch von anderen Prototypen wie dem Elektro-Mini oder dem Batterie-Smart. Ungewöhnlich wird es jedoch, wenn der Stromvorrat im 12 kWh großen Akku nach spätestens 50 Kilometern elektrischer Fahrt zur Neige geht. Dann muss der A1 E-Tron nicht an die Steckdose, sondern fährt einfach weiter.

Möglich macht das ein so genannter Range Extender, also ein Verbrennungsmotor, der mit Hilfe eines Generators Strom für die Weiterfahrt produziert. Insgesamt wird die Reichweite so auf rund 250 Kilometer gestreckt. Nach einem Normentwurf der EU, der künftig für die Verbrauchsermittlung von Hybrid-, Plug-In-Hybrid- und Range-Extender-Fahrzeugen gelten soll (ECE-R-101) und bereits jetzt von den Autoherstellern als Berechnungsgrundlage genutzt wird, kommt der Audi A1 E-Tron auf einen Durchschnittsverbrauch von 1,9 Litern und einen CO2-Ausstoß von 45 g/km.

Ein Kreiskolbenaggregat als Stromerzeuger - das ist gänzlich neu

Beim dem Verbrennungsmotor, der während der Fahrt Strom produziert, handelt es sich um ein fast schon vergessenes Antriebskonzept: den Wankelmotor. Ein solches Triebwerk gab es bei Audi zuletzt im NSU Ro80, dessen Produktion 1977 auch deshalb eingestellt wurde, weil der Kreiskolbenantrieb als zu störanfällig galt und zu viel Öl und Sprit verbrauchte. Diese Nachteile kennt auch Dietrich Engelhart, doch seien die mittlerweile ausgeräumt oder träfen nicht zu auf einen Einscheiben-Motor, der mit konstanter Drehzahl laufe.

Als Vorteil gilt, dass der Wankelmotor kleiner und leichter als alle anderen Motorvarianten ist, die sonst noch in der Erprobung waren. Samt Generator, Elektronik, Kühlung und Abgasanlage wiegt das Paket unter dem Kofferraumboden lediglich 65 Kilogramm und braucht nicht mehr Platz als eine Sprudelkiste.

Ein Extra-Motor für mehr Reichweite klingt zunächst nach einem eher dürftigen Aufwand-Nutzen-Verhältnis. Jedoch wäre ein größeres Akkupaket, das die Reichweite um 200 Kilometer vergrößern würde, nach derzeitigem Stand der Technik deutlich schwerer als die jetzt verbaute 150-Kilo-Batterie - und um ein Vielfaches teurer.

Das Problem der verstreuten Patente am Wankelmotor

Darüber hinaus habe der Wankelmotor noch einen weiteren Vorteil, sagt Engelhart: "Er läuft so leise und vibrationsarm, dass ihn der Fahrer kaum wahrnimmt." Nach der Testfahrt kann man das bestätigen. Selbst wenn man den Range Extender-Modus gezielt startet, kreiselt der Kolben so still und heimlich, dass nur die Kontrollleuchte im Kombiinstrument und die wachsende Reichweite auf dem Bordcomputer seinen Einsatz verraten.

Mit der Wiederentdeckung des Wankelmotors kommt auch neue Bewegung in ein ziemlich undurchdringliches Dickicht: die Frage der Patentrechte. "Es gibt niemanden, der alle Rechte an dem Prinzip hält", sagt Engelhart. Das Gros dürfte bei Mazda liegen, weil der japanische Hersteller derzeit die einzige Firma der Welt ist, die ein Serienauto mit Wankelmotor anbietet (den Sportwagen RX-8). Weitere Rechte liegen bei Audi und Mercedes. "Eine verworrene Angelegenheit", fasst Entwickler Engelhart die Situation zusammen. Gibt es grünes Licht für den Audi A1 E-Tron, bekommen also vielleicht auch einige Anwälte Arbeit.

 

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insgesamt 122 Beiträge
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1. Wenn man keine Ahnung hat sollte man einfach mal dieF.... h.....
sic tacuisses 11.11.2010
Zitat von sysopAls Stromgenerator für das Elektroauto A1 E-tron reaktiviert Audi eine schon fast vergessene Technologie: den Wankelmotor. 2011 beginnt der erste Flottentest , Tom Grünweg fuhr den Prototypen schon jetzt. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,728275,00.html
Es geht nicht um Wankel-Patente. Es gibt massenhaft Lizenzen für die verschiedensten Wankel- Motoren. So laufen in Nordamerika zigtausende von Motorschlitten mit Wankel. Mehr als 20 % der in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion zugelassenen Sportflugzeuge haben Antriebe nach dem Wankel-Prinzip. Fahre selbst einen Nachbau eines Porsche 356 Speedster mit Wankel-Antrieb. Feuerwehrpumpen, Stromaggregate und tausenderlei andere Anwendungen hatten und haben Wankel-Motoren als Antrieb. Flugmodellmotoren und und und. Das frühere Dichtleistenproblem, hoher Verbrauch, sind längst erledigt.
2. Ach ja?
jdmcarguy 11.11.2010
[zitat] Ein Kreiskolbenaggregat als Stromerzeuger - das ist gänzlich neu [[zitat] Ist das so? Mazda macht das in Japan im Mazda5 erfolgreich bereits seit ueber 1 Jahr. und zwar mit Null lokaler Emission durch Wasserstoff! http://www.mazda.com/publicity/release/2010/201001/100113a.html Soviel zum Thema "Vorsprung durch Technik"... LJ
3. Den Opel Ampera
gordo_f 11.11.2010
mit 60km rein elektrischer Reichweite und einem Benziner als Reichweitenverlängerer gibt's bereits ab nächstem Jahr zu kaufen. Und der bietet zudem Platz wie ein Kompaktwagen und nicht wie ein Mini. Aber der hier ist aja von Audi und damit ne große Sache :-/
4. Grünes Feigenblatt
gsm900, 11.11.2010
Zitat von sysopAls Stromgenerator für das Elektroauto A1 E-tron reaktiviert Audi eine schon fast vergessene Technologie: den Wankelmotor. 2011 beginnt der erste Flottentest , Tom Grünweg fuhr den Prototypen schon jetzt. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,728275,00.html
vor der Raserklasse.
5. ..
sailor888 11.11.2010
aus dem Text geht nicht hervor, ob er auch an der Steckdose geladen werden kann. Wenn ja, ist er für alle, die in der Regel unter 50 km pro Tag fahren und einen Standplatz mit Stromanschluss (entweder zuhause oder am Arbeitsplatz) haben, das ideale Fahrzeug.
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Prototypen-Info

Audi A1 E-Tron

Karosserie: Kleinwagen

Antrieb: Elektro- und Wankelmotor

Leistung: 102 PS / 75 kW.

Drehmoment: 240 Nm

Von 0 bis 1ßß: 10,2 Sek.

Vmax: 130 km/h

Reichweite: 250 km

Verbrauch: 1,9 l/100 km

CO2-Ausstoß: 45 g/km


Prototypen Schnellcheck

Audi A1 E-Tron

Kommt bald: Zumindest 30 Mal wird der Wagen für den Flottentest gebaut. Und zwar so, wie ihn SPIEGEL ONLINE jetzt fuhr.

Kommt später: Eine Navigation, die Streckenprofile und Umweltzonen kennt und den Range-Extender so steuert, dass immer genügend Strom im Akku ist.

Umsteigen: Das frei programmierbare Kombiinstrument, das eher verwirrt als informiert.


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